Der FC Basel in Porto: pressen, pressen, pressen!

Im Hinspiel haben sich die Basler vom FC Porto vor ihrem eigenen Strafraum flachdrücken lassen wie eine Flunder. Für das Auswärtsspiel kann sich der FC Basel ein Beispiel an seinem Auftritt im Rückspiel gegen Real Madrid nehmen.

Basel's Derlis Gonzalez, center, scores the first goal against Porto's Casemiro, left, and Porto's Maicon, right, during an UEFA Champions League round of sixteen first leg soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Portugal's FC Porto in the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Wednesday, February 18, 2015. (KEYSTONE/Patrick Straub) (Bild: Keystone/PATRICK STRAUB)

Im Hinspiel haben sich die Basler vom FC Porto vor ihrem eigenen Strafraum flachdrücken lassen wie eine Flunder. Für das Auswärtsspiel kann sich der FC Basel ein Beispiel an seinem Auftritt im Rückspiel gegen Real Madrid nehmen.

Will der FC Basel im Estadio do Dragao bestehen, dann wird er einiges verändern müssen im Vergleich zum Hinspiel in diesem Achtelfinal der Champions League. Kein Wunder, hat Trainer Paulo Sousa seinen Spielern dieses 1:1 gegen den FC Porto am Tag vor dem Abflug nach Portugal in einer Video-Analyse noch einmal ausführlich vor Augen geführt.

Das Problem des FCB beim 1:1 ist in ein Wort zu fassen, das aber verdammt viel beinhaltet: Pressing. Da war einerseits die Störarbeit der Portugiesen, die das Basler Spiel mit einer Ausnahme beim 1:0 jeweils so früh einengte, dass kaum ein Ball über mehr als zwei Stationen in den Basler Räumen zirkulierte. Und dann war da noch das eigene Pressing, das für Porto viel zu einfach zu umspielen war, wie diese Grafik zeigt:



Die Ball-Rückeroberungen im Hinspiel, links der FC Basel, rechts der FC Porto. Spielrichtung jeweils von links nach rechts.

Die Ball-Rückeroberungen im Hinspiel, links der FC Basel, rechts der FC Porto. Spielrichtung jeweils von links nach rechts. (Bild: Screenshot fourfourtwo.com)

Bei eigenem Ballbesitz mehr Bewegung und Passqualität, dazu aggressiveres und vor allem kompakteres Verteidigen – es gibt einfacher zu lösende Aufgaben, die eine Fussballmannschaft bewältigen muss. Aber wer auf einen Platz im Viertelfinal der Champions League aspiriert, der muss in der Lage sein, solche Herausforderungen anzunehmen.

Und der FCB hat in dieser Saison durchaus schon den Beweis angetreten, dass er auf einen miesen Auftritt mit den richtigen Umstellungen reagieren kann. In Madrid waren die Rotblauen im September 1:5 zerzaust worden. Das Rückspiel gegen Real zwei Monate später verlor der FCB zwar mit 0:1 – aber er zeigte sich um Klassen besser auf den Gegner eingestellt als im ersten Vergleich. Vor allem liess er sich nicht mehr dermassen am eigenen Sechzehner erdrücken, wie ihm das im Bernabeu widerfahren war.

Die Parallelen zu den Spielen gegen Real Madrid

Die Basler hatten als Mannschaft einen Schritt nach vorne getan – nicht nur auf die Leistung bezogen, sondern auch, was ihre Positionen auf dem Feld betraf. Dasselbe werden sie nun auch in Porto tun müssen, denn das Heimspiel gegen den FC Porto und der Auswärtsauftritt der Basler gegen Real zeigen durchaus Parallelen. In beiden Partien war der FCB phasenweise so weit in die Defensive gedrängt worden, dass sich die Basler in einer Art Fünfer- oder gar Sechser-Abwehrlinie am eigenen Strafraum aufgereiht hatten.

Etwas, das die Basler Spieler von Trainer Sousa «sicher nie als Anweisung» zu hören bekommen haben, wie Mittelfeldspieler Fabian Frei vor dem Abflug nach Porto sagt. Etwas, das diesem FCB aber offenbar passieren kann, wenn der Gegner mit einem Dreimann-Sturm und offensiv ausgerichteten Aussenverteidigern antritt. So, wie das sowohl Real als auch Porto tun.



Weil Porto im Hinspiel mit seinem Dreimannsturm und seinen beiden Aussenverteidigern Alex Sandro und Danilo viel Druck erzeugte, liess sich der FCB in der Abwehr extrem in die Breite drücken, bis er praktisch mit einer Sechserabwehr agierte.

Weil Porto im Hinspiel mit seinem Dreimannsturm und seinen beiden Aussenverteidigern Alex Sandro und Danilo viel Druck erzeugte, liess sich der FCB in der Abwehr extrem in die Breite drücken, bis er praktisch mit einer Sechserabwehr agierte.

In Basel mochte auch die früh erzwungene Auswechslung von Derlis Gonzalez zu dieser unfreiwilligen Sechserreihe beigetragen haben. Der Paraguayer hatte beim 1:0 noch das getan, was nach ihm keinem Basler mehr gelingen mochte: Er suchte den Weg in die freien Räume hinter der aufgerückten Abwehrreihe des FC Porto. Sein Ersatz Davide Calla war danach praktisch nur noch mit Arbeit gegen den Ball beschäftigt.

Dass Gonzalez im Rückspiel wieder mit dabei ist, und mit seiner Geschwindigkeit bei FCB-Kontern für Torgefahr oder wenigstens Entlastung der eigenen Abwehr sorgen kann, mag ein Schlüssel zum Basler Erfolg sein. Ebenso sehr muss es dem Team von Sousa aber auch gelingen, den Ball vermehrt in den eigenen Reihen zu halten.

Auch dafür steht der Führungstreffer aus dem Hinspiel exemplarisch: Es war eine der ganz wenigen Szenen, in denen es dem FCB gelang, den Ball so lange zirkulieren zu lassen, bis Portos Forechecking Lücken aufwies und Frei nicht mehr komplett von Gegenspielern zugestellt war. Er nutzte den einen Moment relativer Freiheit für seinen Traumpass.

Solche Szenen muss der FCB nun in Porto vermehrt herbeiführen, indem sich die Spieler bei Ballgewinn sofort aktiv als Anspielstationen anbieten. Dann nämlich könnten die Basler vom aggressiven Pressing der Heimmannschaft sogar profitieren und in den Raum hinter der hoch stehenden Porto-Abwehr stossen.

Das bedingt, dass die Basler ein höheres Wagnis eingehen als im Heimspiel. Aber das müssen sie wohl. Denn wenn der FC Basel an diesem möglicherweise historischen Champions-League-Abend kein Risiko nimmt, dann riskiert er, ohne grosses Federlesen aus dem Wettbewerb geworfen zu werden.


Marco Streller im Video-Interview vor dem Rückspiel in Porto
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