Der FCB im Cup in Chiasso: Wicky legt den Massstab fest

Verlieren verboten – so geht der FC Basel in den Cupmatch am Sonntag (16 Uhr) im Stadio Comunale in Chiasso. Und Trainer Raphael Wicky umreisst klar, was er grundsätzlich von seinen Spielern erwartet. Kratzen und Beissen gehört auch dazu.   

11. November 2012: Der FCB erledigt seine Aufgabe in der zweiten Cuprunde beim FC Chiasso souverän. (Bild: Keystone/Karl Mathis)

Die Ausgangslage: Verlieren strikt verboten

Gegen unterklassige Gegner im Cup auszuscheiden ist peinlich genug – grundsätzlich eine Angelegenheit für die Young Boys (Sonntag, 15 Uhr, auf der Schützenmatte in Basel gegen die Old Boys) – und dem FC Basel letztmals passiert zu Thorsten-Fink-Zeiten in Biel 2010.

Diesmal käme zur Blamage, die ein Scheitern bei einem Tabellenvierten der Challenge League für einen Klub wie den FC Basel bedeuten würde, die Verschärfung einer unangenehmen Situation. Neben der Ergebniskrise (seit vier Spielen läuft der FCB einem Sieg hinterher) entstünden dann ein paar ernste Brandherde. Die üblichen wie die Trainer- und Qualitätsfrage sowie sonstige Debatten. Im südlichsten Zipfel der Schweiz gilt deshalb aus Sicht des FCB: verlieren verboten, strikt sogar.

Der FCB-Trainer sagt: «Reine Kopfsache»

«Es ist eine reine Kopfsache, wenn man von Old Trafford nach Chiasso geht. Es geht darum, mit welcher Mentalität und Intensität du auf den Platz gehst.

Es ist allen klar, dass wir in der Meisterschaft dreimal nicht gewonnen haben und dass das nicht der Anspruch ist des FC Basel. Wir müssen das Glück wieder auf unsere Seite zwingen, aber ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Die Basis ist nun einmal das, was die Mannschaft am Dienstag in Manchester gemacht hat: laufen, kämpfen, kratzen, seckeln und beissen. So wie die Mannschaft gesamthaft aufgetreten ist – das muss der Anspruch sein in jedem Match, das wollen die Fans sehen. Das ist in jedem Match gefragt, egal gegen welchen Gegner, gegen die kleinen noch viel mehr.»

Die Spiele der zweiten Runde, die bei cupplay.ch gestreamt werden.

Die personelle Situation: Keine Experimente

Germano Vailati (Schulterprobleme) und Geoffroy Serey Dié (Fussverletzung) stehen nicht zur Verfügung. Afimico Pululu (Spezialtraining) sowie Pedro Pachecho und Neftali Manzambi (U21) haben ein Alternativprogramm. Ob der aus Luzern zurückgeholte Cedric Itten zum Aufgebot zählt, entscheidet der Trainer am Samstag vor der Abfahrt ins Tessin.

Im Tor wird wohl wie in der ersten Runde in Wettswil-Bonstetten (2:0) Mirko Salvi stehen. Er habe sich zwar nicht auf einen Cup-Goalie festgelegt, sagt Wicky, attestiert aber Salvi «unglaubliche Fortschritte in den letzten anderthalb Jahren» und spricht seinem zweiten Torhüter «vollstes Vertrauen» aus. Es werde zwar Änderungen in der Startelf geben, nicht aber deren acht wie in der ersten Runde. Weil Marek Suchy und Renato Steffen kommenden Mittwoch in St. Gallen gesperrt sind, werden sie in Chiasso spielen. «Es geht nicht um Experimente, sondern darum, die nächste Runde zu erreichen», so Wicky.

Der Gegner: Auf den Kopf gestellt

Die Basler Torschützen beim letzten Gastspiel im Stadio Comunale in Chiasso: Marcelo Diaz, Fabian Frei und Jacques Zoua (von links).

Man muss es zugeben: Wenn man kein eingefleischter Fan der Rossoblu ist, gehen Wohl und Weh des FC Chiasso ein bisschen spurlos an Basel vorbei. Vergangene Saison lohnte der Blick noch ab und zu, da Veljko Simic, einst als Supertalent vom FCB aus Belgrad geholt, eine ordentliche Saison absolvierte. Nach der Vertragsauflösung mit dem FCB ist Simic nun beim FC Winterthur gelandet.

Chiasso wurde geradezu auf den Kopf gestellt: 18 Spieler haben den Klub im Sommer verlassen, 20 neue sind gekommen und dazu ein neuer Trainer. Kein Tessiner, kein Italiener, wie das eigentlich üblich ist, sondern ein junger Spanier. Guillermo Abascal hat beim Sevilla FC Junioren trainiert, ist mit 28 Jahren der jüngste Trainer der Challenge League und hat die letzten vier Spiele mit Chiasso nicht verloren.

Beim FCB hat Chiasso Eindruck hinterlassen: «Chiasso spielt einen sehr erfrischenden Fussball, einen gepflegten, konstruktiven Fussball, meist in einer 4-1-4-1-Grundordnung», lautet Wickys Fazit nach der Gegneranalyse, und er weiss: «Für Chiasso ist es das Spiel des Jahres, gegen den FC Basel antreten zu können. Und man tut immer gut daran, wenn man solche Mannschaften nicht unterschätzt.»

Die Cup-Historie: Blütenweise Basler Weste

1934/1935 sind der FC Basel und Chiasso zum ersten Mal im Cup aufeinandergetroffen und im November 2012 letztmals. Unter Trainer Murat Yakin und vor den Augen von offiziell 1004 Zuschauern im Stadio Comunale ging der FCB bereits nach 50 Sekunden durch Fabian Frei in Führung, Marcelo Diaz und zweimal Jacques Zoua steuerten die weiteren Tore zum 4:1 bei.

Sieben Mal insgesamt (inklusive eines Rückspiels) setzte sich der FC Basel im Schweizer Cup gegen Chiasso durch. Der letzte Sieg der Tessiner gegen den FCB, ein 3:0, datiert aus einem Meisterschaftsspiel im Stadio Comunale in der Saison 1980/1981.

Der Nebenschauplatz: Champions League im freien Verkauf

24’700 Pakete für die drei Heimspiele in der Champions League gegen Benfica Lissabon (27.9.), ZSKA Moskau (31.10.) und Manchester United (22.11.) sind verkauft worden. Eine Zahl, mit der man beim FCB sehr zufrieden ist. Inzwischen läuft der freie Verkauf der Ticketpakete.  

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