Der FCB und der Transfermarkt: «Es gibt Grenzen, aber die sind enorm hoch»

Mit Samuele Campo und Fabian Frei hat der FC Basel noch im alten Jahr zwei zukunftsweisende Verpflichtungen unter Dach und Fach gebracht. Jetzt darf man gespannt sein, ob bereits im Januar jemand bereit ist, dem Schweizer Meister wertvolles Tafelsilber abzukaufen. Eine Bestandesaufnahme.

Mit einem Rucksack voll Erfahrung zurück zum FCB: Samuele Campo.

Alles andere als Müssiggang herrscht beim FC Basel: Am Tag vor Heiligabend wurde die Rückkehr von Fabian Frei in trockene Tücher gebracht, am Stephanstag dann Alexander Fransson nach Lausanne ausgeliehen. Und nun wurde Vollzug bei einer Personalie gemeldet, die sich schon seit geraumer Zeit abgezeichnet hatte: Samuele Campo, hoch veranlagter und einst auf dem FCB-Campus ausgebildeter Mittelfeldspieler, gehört in der zweiten Saisonhälfte zum Kader von Trainer Raphael Wicky.

«Damit sind die Hausaufgaben gemacht», sagt Roland Heri, der Sportkoordinator beim FC Basel und die rechte Hand von Sportdirektor Marco Streller. Auf der Agenda stehen noch Ausleihen. Wicky hat angekündigt, dass Pedro Pacheco andernorts Spielpraxis sammeln soll, die dem Innenverteidiger kurzfristig in Basel nicht geboten werden kann. Unter diesem Aspekt gehören auch die jungen Stürmer Neftali Manzambi und Afimico Pululu zu den Ausleih-Kandidaten, und für Mittelfeldspieler Dominik Schmid sind die Perspektiven mit den Zuzügen von Frei und Campo ebenfalls nicht rosiger geworden.

Im Fall von Samuele Campo kommt ein Spieler dazu, der eine ähnliche Geschichte wie Albian Ajeti hat: Beim Übertritt aus dem Nachwuchs-Campus zu den Profis wurde er gewogen und für zu leicht befunden – um nach Jahren der Wanderschaft mit einem gefüllten Rucksack den Weg zurückzufinden. «Ein Goldfüsschen», nennt Heri den 22-Jährigen, den er ein Stück seiner Ausbildung beim FCB begleitet hat.

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Im Januar 2016 wechselte Campo zu Lausanne-Sport, stieg mit den Romands in die Super League auf und brachte dort sein Talent in 52 Spielen (10 Tore, 14 Assists) so zur Geltung, dass er nun den Ansprüchen des FCB genügt. «Ich bin mit dem Gedanken gegangen, so gut wie möglich zu spielen, damit ich zurückkommen kann», sagt Campo im Video auf der Klub-Website. «Dass es geklappt hat, macht mich stolz und glücklich.»

Samuele Campo: Im Sommer richtig loslegen

Die Entscheidung, Campo damals ziehen zu lassen, will Heri nicht infrage stellen: «Damals war er noch nicht bereit für die erste Mannschaft. Basta. Er hat die Zeit in Lausanne gebraucht.» Nun bekommt der offensive Mittelfeldspieler, dem die prestigeträchtige Matias-Delgado-Rückennummer 10 zufällt, Zeit, um in die Mannschaft zu wachsen. «Er soll sich an den noch etwas höheren Rhythmus und die noch etwas grössere Hektik beim FC Basel gewöhnen», so Heri, «und dann kann er im Sommer richtig loslegen.» 

Da Campos Vertrag mit Lausanne ausgelaufen wäre und gleichzeitg Alexander Fransson leihweise den umgekehrten Weg geht, wurde finanziell «eine gute Lösung für beide Seiten gefunden», wie Heri sagt.

Bei Ajeti war das bei einer Ablösesumme von – nach Informationen der TagesWoche – etwas mehr als drei Millionen Franken eine kostspieligere Rückholaktion. Von der ausserdem Präsident Bernhard Burgener intern erst einmal überzeugt werden musste.

Fabian Frei: Rotblaue Erfahrung, günstiger Preis

Offenbar weit weniger als kolportiert kostet die Rückkehr von Fabian Frei, der im Sommer 2015 für einen Transferbetrag von um die 3,5 Millionen Euro in die Bundesliga zu Mainz 05 gewechselt hatte. Der «Kicker» und die «Frankfurter Allgemeine» schreiben nun von 1,5 Millionen Euro. Der tatsächliche Betrag soll nach Informationen der TagesWoche jedoch weit von den genannten Zahlen entfernt liegen. 

«Wie üblich kommentieren wir das nicht», sagt Heri, der lieber darauf verweist, dass in Basel ein «strategischer Moment erkannt» worden sei. Da Freis Vierjahresvertrag 2019 ausgelaufen wäre, hatte er ein Signal der Mainzer für eine Verlängerung erwartet – und nun vom FC Basel eine langfristige Perspektive geboten bekommen: einen Kontrakt bis 2022.

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Fünf Meistertitel und zwei Cupsiege hat Frei von 2007 bis 2009 und von 2011 bis 2015 gefeiert. Er hat 235 Super-League-Spiele mit dem FCB bestritten und nun obendrein auch noch 62 Pflichtspiele für Mainz 05 im Gepäck. «Wir bekommen einen Spieler, der mit seiner Erfahrung die Jungen führen soll», sagt Heri. Am 8. Januar 2018, dem Trainingsauftakt beim FCB, wird Frei 29 Jahre alt. Und liegt damit in der Bandbreite des berühmten Rückkehrer-Trios Huggel (30-jährig), Streller (26-jährig) und Alex Frei (30-jährig).

Streller: «Es gibt keinen wirtschaftlichen Druck»

Die Hausaufgaben sieht man beim FCB vorerst für erledigt an, und dabei ist das Januar-Transferfenster noch gar nicht offiziell geöffnet worden. Was dann noch blüht, sind gewichtige Abgänge, wenn bei den am häufigsten genannten Kandidaten Manuel Akanji oder Mohamed Elyounoussi sowie Michael Lang oder Dimitri Oberlin ein Interessent tatsächlich Ernst macht.

«Wir versuchen, die Mannschaft bis Sommer zusammenzuhalten», hat Sportdirektor Marco Streller in den Tagen vor Weihnachten wiederholt gesagt. Und betont, dass die sportliche Leitung nicht übergeordneten Interessen unterworfen sei: «Es gibt keinen wirtschaftlichen Druck. Aber es gibt Grenzen. Und die sind enorm hoch.»

20 Millionen Euro werden als Preisschild für den sowohl in der Bundesliga (Dortmund) wie in der Premier League begehrten Akanji herumgereicht. Wobei die Meldungen, die ihn mit Liverpool in Verbindung brachten, überholt sein dürften, nachdem die Reds am Mittwoch den Niederländer Virgil van Dijk für die irrwitzige Summe von angeblich 85 Millionen Euro aus Southampton geholt haben. 

Das Loch in der Transferrechnung

Streller, Heri und Co. haben im Jahr 2018 zwei Transferperioden, um aus dem durch den Höhenflug in der Champions League massiv gesteigerten Marktwert einiger Spieler Profit zu schlagen. Und damit jenes Loch zu stopfen, das ausgebliebene Transfererlöse im Jahr 2017 in die Rechnung von Bernhard Burgener gerissen haben.

«Es müsste ein aussergewöhnliches Angebot kommen», verdeutlicht Roland Heri die Verhandlungssituation für den FCB. Noch sei nichts auf dem Tisch, «bei dem wir die Gespräche intensivieren müssten». Bis 31. Januar ist ja auch lange noch Zeit. 

Trainingsstart beim FC Basel ist am 8. Januar 2018. Vom 10. bis 21. Januar trainiert die Mannschaft in Spanien und bestreitet Testspiele gegen RB Salzburg (17.1.) und Sturm Graz (20.1.). Start in die zweite Saisonhälfte ist am 4. Februar mit dem Heimspiel gegen den FC Lugano.

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