Ein guter Goalie und ein Flipperautomat

In punkto gelaufene Meter, Herzblut und diszipliniertes Verteidigen braucht sich beim Noch-Meister niemand etwas nachsagen lassen. Wenn dann beim 1:0 in Lugano bloss auch noch Zeit und Raum zum Kontern vom FC Basel genutzt worden wären.

Seine wichtigste Tat: Tomas Vaclik wehrt diesen Schuss von Carlo Manicone ab, sichert seinem Team somit den 1:0-Auswärtssieg in Lugano und sich selbst das 14. Spiel in dieser Saison ohne Gegentor.

Tomas Vaclik  |  Torhüter

Um einen solchen Sieg mit nach Hause zu nehmen, braucht es einen guten Goalie. Der war Vaclik, ohne dass er Unmenschliches leisten musste. Er strahlte aber bei jedem Ball, der vor sein Tor flog, Sicherheit aus. Und als ihn Sabbatinis Schuss in der 82. Minute beinahe überrascht hätte, war er auf den Nachschuss von Manicone mit einer reaktionsschnellen Fussabwehr zur Stelle. Damit behielt er zum zehnten Mal (in 27 Super-League-Spielen) eine weisse Weste und zum 14. Mal inklusive der Champions League. Das Kompliment reichte er an seine Vorderleute weiter: «Die Jungs haben hart gearbeitet.»

Michael Lang  |  rechter Aussenverteidiger

Der nach Elyounoussi zweitbeste Spieler laut Skorerpunkten steuerte seinen dritten Assist in der Liga zu diesem Sieg bei. Und dazu jede Menge Herzblut während der notgedrungenen Einigelung, bei der Lang nach Suchys Platzverweis die Captainbinde trug. Der Turm in der Abwehr.

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Fabian Frei  |  rechter Innenverteidiger

Jedes Wochenende mal wieder was anderes für den Rückkehrer, diesmal die Position rechts in der Dreierkette, aus der bald eine hundsgewöhnliche Viererabwehrreihe wurde. Er spielt den unspektakulären, aber goldrichtigen Querpass auf Lang vor dem Siegtor, was allerdings sein einziger Offensivbeitrag bleiben sollte. Ansonsten felsenfest gegen dünnbrüstige Tessiner Angriffsbemühungen.

Marek Suchy  |  zentraler Innenverteidiger

Als man sich gerade mit dem mal wieder umformierten Dreierblock angefreundet hatte, war für ihn der Arbeitstag schon wieder vorbei. Unglücklich aus Sicht des FCB-Captains ist der dritte Platzverweis, womit der Tscheche diese Statistik mannschaftsintern weiterhin exklusiv für sich beansprucht. Er stolperte mehr über den enteilenden Gerndt, in Ordnung ist das Verdikt des Schiedsrichters dennoch.

Kein Pardon: Schiedsrichter Lionel Tschudi zückt in seinem 20. Super-League-Spiel die Rote Karte für FCB-Captain Marek Suchy (Dritter von rechts).

Léo Lacroix  |  linker Innenverteidiger

Ein paar Mal pustete der Romand erleichtert durch, nachdem heraufziehende Gefahr in seinem Strafraum gebannt war. Vor allem als Marc Janko im Spiel war, löste jede einigermassen vernünftige Flanke Alarm aus. Viele gab es davon jedoch nicht. Wie sich Lacroix im Daueranrennen der Luganesi hielt, war jedoch unter dem Strich prima. Er ist sich auch für den banalen Befreiungsschlag nicht zu schade.

Blas Riveros  |  linker Aussenverteidiger

Seine Fahrigkeit kann der Jüngste nicht komplett ablegen, vor allem in der zweiten Halbzeit gehörte er zu den Sündern: verdaddelte aussichtsreiche Kontergelegenheiten, riskante Dribblings oder übermütiges Vorlegen des Balls. Zu Beginn der Partie aber ein Quell offensiver Freude. Sein technisch anspruchsvoller Distanz-Volleyschuss in der achten Minute knapp übers Tor hatte Schmackes. Dann war er der Initiant der ersten grossen Chance für Elyounoussi.

Taulant Xhaka  |  zentraler Mittelfeldspieler

Die Meter,cdie er abspulte, will man nicht zählen. Aber das gilt für die Kollegen ebenso. Dennoch: Seine nimmermüde Präsenz trug dazu bei, dass die Bianconeri im Zentrum keine entscheidenden Lücken reissen konnten. Nach dem Weitschuss-Erlebnis von Bern versuchte sich Xhaka als Distanz-Freistossschütze: Nicht schlecht, aber nicht gut genug, um Joel Kiassumbua zu überraschen. War neben Stocker erstaunlicherweise der einzige Rotblaue, der sich im zähen Ringen eine Verwarnung einhandelte. Mit der zehnten Gelben Karte führt Xhaka diesen Strafkatalog klubintern an – wie es sich für einen Puncher wie ihn gehört.

Leibchentausch: Michael Lang und Marc Janko (rechts), zwei, die sich noch immer sehr gut verstehen aus gemeinsamen Basler Tagen.

Luca Zuffi  |  zentraler Mittelfeldspieler

Es gibt nichts, was an seinen 93 Minuten hervorsticht. War für einen Teil der stehenden Bälle zuständig und tat ab dem Zeitpunkt der Unterzahl das, was vorrangig gefragt war: malochen. Glänzen wurde auf ein anderes Mal vertagt.

Valentin Stocker  |  rechter Flügelsspieler

Irgendwann fragte man sich, ob Raphael Wicky seiner Mannschaft nicht frischen Sauerstoff zuführen oder mit einem zweiten oder dritten Wechsel ein bisschen Zeit schinden sollte . Die Erklärung lieferte er nach der Partie: Zeitschinden ist blöd, weil der Schiedsrichter nachspielen lässt. Und Elyounoussi sowie Stocker hatten sich auf ihren Flügeln so gut auf die Verteidigungsarbeit eingestellt, dass er diesen Zustand nicht durch eine Aus- und Einwechslung destabilisieren wollte. Für Stocker gilt: Im Vorwärtsgang so gut wie wirkungslos, im Gesamteindruck dennoch ein guter, weil solidarischer Einsatz.

Mohamed Elyounoussi  |  linker Flügelspieler

Der Spieler mit den meisten Toren und Assists versuchte nach der Partie seine Formschwankungen zu erläutern. Manchmal, meinte er, versuche man zu komplizierte Dinge, die dann nicht funktionieren. Damit müsse man umgehen lernen. Im Cornaredo scheiterte er zwei Mal in halbkomplizierter Position, einmal schlug es aus ziemlich komplizierter Lage ein: Via Lattenunterkante wurde aus seiner Direktabnahme aus sechs Metern der achte Saisontreffer (wettbewerbsübergreifend). Das war somit der siegbringende Moment in Lugano. Lektion erfolgreich abgeschlossen.

Dimitri Oberlin (rechts, hier gegen Vladimir Golemic) ersetzte Albian Ajeti in der Angiffsspitze, blieb aber genauso wirkungslos.

Albian Ajeti  |  Angriffsspitze

Ganz vorne, wo sich das Spiel zuspitzen soll, hat der FC Basel ein Problem. Ricky van Wolfswinkel, der sog. «Königstransfer» des vergangenen Sommers, versauert auf der Bank, weil Albian Ajeti aus der Kat. «Für immer rotblau» derzeit den Vorzug erhält. Man muss festhalten: Derzeit bekommt Ajeti nicht die Wasserverdrängung hin, die nötig wäre. Am Einsatz mangelt es nicht, aber in Erinnerung bleibt eigentlich nur eine gute Szene, als er Riveros’ Zuspiel geschickt weiterleitet für Elyounoussi Grosschance in der achten Minute. Acht Minuten nach Seitenwechsel war dann für Ajeti Schichtende. Prognose: Am Mittwoch gegen den FCZ spielt der Königstransfer.


Dimitri Oberlin  |  Angriffsspitze

Kam in der 53. Minute für Ajeti, und die Situation schien wie geschaffen für den pfeilschnellen jungen Mann, den der FC Basel für eine festgeschriebene Ablösesumme an Salzburg von knapp unter fünf Millionen Franken (laut FCB-Präsident Bernhard Burgener) fest übernehmen kann – und wohl auch will. Was Oberlin aber in Lugano aus Raum, Zeit und Konterchancen machte, war erbarmungswürdig. Dafür gabs zwischendurch auch mal einen Rüffel von Captain Lang. Oberlins Spiel glich einmal mehr dem eines Flipperautomaten. Tilt.

Nicht eingesetzt beim FC Basel: Mirko Salvi, Geoffroy Serey Dié, Neftali Manzambi, Samuele Campo, Kevin Bua, Ricky van Wolfswinkel.

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