Ein haushohes 0:2

Drei von vier deutschen Clubs sind in der Europa League ausgeschieden, auch Mönchengladbach mit Trainer Lucien Favre und Granit Xhaka. Die Borussia war in Rom chancenlos gegen das von Vladimir Petkovic trainierte Lazio.

Borussia Moenchengladbach's Martin Stranzl reacts at the end of the match against Lazio in their Europa League soccer match at Olympic stadium in Rome February 21, 2013. REUTERS/Stringer (ITALY - Tags: SPORT SOCCER) (Bild: Reuters)

Drei von vier deutschen Clubs sind in der Europa League ausgeschieden, auch Mönchengladbach mit Trainer Lucien Favre und Granit Xhaka. Die Borussia war in Rom chancenlos gegen das von Vladimir Petkovic trainierte Lazio.

Bevor das Spiel begann, waren sie drückend überlegen, bevölkerten sie römische Innenstadt vom Trevi-Brunnen bis zur Spanischen Treppe.Es mögen über 9000 Anhänger gewesen sein, die Borussia Mönchengladbach zum Rückspiel in der Europa League begleiteten. Und wenn es nur darum ginge, müsste sich Max Eberl sicher keine Sorgen machen.

Auch als Lucien Favre mit seinem Team mehr oder weniger sang- und klanglos bei Lazio ausgeschieden war, gab es warmen Applaus von den Fans. Sportdirektor Eberl bedankte sich mit einer gefühligen Referenz; «Das macht diesen Club so besonders.» Nicht nur die Hoffnung, auch der Stolz stirbt in solchen Fällen zuletzt.

Mit einem Riesen-Rucksack

Doch die 14 eingesetzten Lizenzfussballer, die im Stadio Olimpico gegen eine ausgebuffte Lazio-Mannschaft antraten, konnten den phänomenalen Auftritt ihrer Fans nicht auf den Rasen verlängern. Zwei Gegentore in der ersten halben Stunde lähmten ihre Beine und Gedanken innerhalb, Gegentore, die sie mit zum Teil haarsträubenden Fehlern selbst eingeleitet hatten und die dann zum «Riesen-Rucksack» wurden, wie Stürmer Patrick Herrmann freimütig eingestand.

Danach war die Messe im Grunde schon gelesen, weil das Ziel, nach dem 3:3 im Hinspiel auf Sieg zu spielen, in weite Entfernung geriet. Und weil auch der zur letzten Viertelstunde eingewechselte Granit Xhaka der Begegnung keine entscheidenden Impulse mehr geben konnte.

Favre klagt über Fehlerquote

Spürbar enttäuscht, mussten Trainer Favre und Sportdirektor Eberl ebenso wie die Fans erleben, wie der Kampf um Rom ausfiel. «Wir hatten uns alle einen richtigen Fight vorgestellt», deutete Eberl seine Enttäuschung an, ähnlich äusserte sich Favre, der seit einigen Wochen bereits über eine hohe Fehlerquote im Pass- und Aufbauspiel seiner Mannschaft klagt.

«Die Rückkehr nach Europa» – das ist bis zu diesem Abend ein gefälliges Motto für den Traditionsclub gewesen, der nach längerer Durststrecke an vergangene Zeiten im internationalen Wettbewerb anknüpfen wollte. Vor 36 Jahren haben die Fohlen an gleicher Stelle immerhin das Endspiel um den Europapokal der Landesmeister (1:3 gegen Liverpool) erreicht.

Petkovic‘ abgeklärtes Lazio

Nicht zu reden von den zwei Triumphen, die bis 1979 im Uefa-Cup gelangen. Diese Qualität ist jedoch noch nicht dadurch erreicht, dass man gerne an sie erinnert. In diesem Sinne war die erste Auswärtspleite im aktuellen Wettbewerb «eine lehrreiche Erfahrung», wie Borussias junger Keeper Marc-André ter Stegen hinterher befand. Es war nämlich kein knappes, sondern ein beinahe haushohes 0:2 gegen eine reifere, abgeklärte und technisch versiertere Lazio-Elf mit dem Ex-YB-Trainer Vladimir Petkovic an der Seitenlinie.

Ter Stegen beschwörte selbst das Unglück herauf, als er in der 33.Minute einen mässig scharfen Schuss von Radu nur leicht zur Seite abklatschte – und Verteidiger Oscar Wendt dem Torschützen Alvaro Gonzalez generös einen Meter Vorsprung beim Nachsetzen schenkte. Schon nach zehn Minuten hatte Borussias spanischer Innenverteidiger Alvaro Dominguez vor dem Strafraum einen Rückpass verschlafen, sodass Antonio Candreva auf zuvorkommende Weise das 1:0 gelang.

Die nächste Herkules-Aufgabe

Zwei kapitale Fehler, geboren aus der Angst vor Fehlern: Favres kickende Angestellte hatten den Gegner, der am Montag noch dem Abstiegsaspirant aus Siena glatt mit 0:3 unterlag, dadurch stärker gemacht. Bis auf den Ex-Stuttgarter Martin Stranzl und den eingewechselten Amin Younes, einem intern hoch gehandelten Nachwuchstalent,  erreichte kein Borusse an diesem gebrauchten Abend seine durchschnittliche Form.

So gesehen könnte es gar ein Vorteil sein, dass kaum Zeit zum Grübeln bleibt. Am Sonntagnachmittag empfangen die «Fohlen» die Borussia aus Dortmund samt ihrer dahin abgewanderten Ex-Torfabrik namens Marco Reus. Das dürfte «eine Herkules-Aufgabe» werden, schätzt Eberl, nicht viel weniger anspruchsvoll jedenfalls als ein Kampf um Rom.

Drei deutsche Clubs raus

England und Russland sind in den Achtelfinals noch mit je drei Clubs unter den verbliebenen 16 vertreten. Die Bundesliga verlor am Donnerstag dagegen gleich drei Teilnehmer. Lediglich der VfB Stuttgart setzte sich beim Vorrundengegner des FC Basel in Genk durch, nachdem es im Heimspiel nur zu einem 1:1-Unentschieden gereicht hatte.

Leverkusen verlor auch das Rückspiel bei Benfica, Hannover 96 fing sich im Anrennen für ein 2:0 gegen Anschi in der achten Minute der Nachspielzeit das 1:1 ein, und Gladbach war in Rom chancenlos. Auch alle drei ukrainische Clubs inklusive des vom FC Basel eliminierten Dnipro sind raus.

In extremis verhinderte Tottenham das Aus in Lyon mit dem Ausgleichstor in der Schlussminute, und für Chelsea glich Eden Hazard gegen Sparta Prag in der 92. Minute aus. Nach dem Scheitern von Titelverteidiger Atletico Madrid wird es am 15. Mai in Amsterdam einen neuen Sieger geben.

Lazio Rom–Borussia Mönchengladbach 2:0 (2:0)
25’200 Zuschauer. – Tore: 10. Candreva 1:0. 33. Gonzalez 2:0. – Bemerkung: Mönchengladbach mit Xhaka (ab 83.).

Rubin Kasan–Atletico Madrid 0:1 (0:0)
9’500 Zuschauer. – Tor: 84. Falcao 0:1. – Bemerkungen: 89. Rote Karte gegen Cesar Navas (Kasan). Das Spiel fand auf Kunstrasen im Luschniki-Stadion in Moskau statt.

CFR Cluj–Inter Mailand 0:3 (0:2)
25’000 Zuschauer. – Tore: 22. Guarin 0:1. 45. Guarin 0:2. 89. Benassi 0:3. – Bemerkung: 80. Rote Karte gegen Camora (Cluj).

KRC Genk–VfB Stuttgart 0:2 (0:1)
16’796 Zuschauer. – Tore: 45. Boka 0:1. 59. Gentner 0:2.

Olympique Lyon–Tottenham Hotspur 1:1 (1:0)
38’761 Zuschauer. – Tore: 17. Gonalons 1:0. 90. Dembélé 1:1.

Metalist Charkiw–Newcastle United 0:1 (0:0)
39’973 Zuschauer. – Tor: 64. Shola Ameobi (Foulpenalty) 0:1.

Bordeaux–Dynamo Kiew 1:0 (1:0)
11’900 Zuschauer. – Tor: 41. Diabaté 1:0. – Bemerkung: Dynamo bis 45. mit Mehmedi.

Fenerbahçe Istanbul–Bate Borissow 1:0 (1:0)
Tor: 45. Cristian (Foulpenalty) 1:0. – Bemerkungen: Spiel fand vor leeren Rängen statt. 20. Gelb-rote Karte gegen Baga (BATE/Foul).

Olympiakos Piräus–Levante 0:1 (0:1)
29’000 Zuschauer. – Tor: 9. Martins 0:1.

Viktoria Pilsen–Napoli 2:0 (0:0)
12’000 Zuschauer. – Tore: 51. Kovarik 1:0. 74. Tecl 2:0. – Bemerkungen: Napoli mit Behrami (bis 45./30. verwarnt), Dzemaili und Inler (ab 46.).

Benfica Lissabon–Bayer Leverkusen 2:1 (0:0)
42’000 Zuschauer. – Tore: 60. John 1:0. 75. Schürrle 1:1. 77. Matic 2:1. Chelsea – Sparta Prag 1:1 (0:1). – 38’642 Zuschauer. – Tore: 17. Lafata 0:1. 92. Hazard 1:1.

Hannover 96–Anschi Machatschkala 1:1 (0:0)
27’500 Zuschauer. – Tore: 70. Pinto 1:0. 99. Traoré 1:1. – Bemerkungen: Hannover mit Djourou, ohne Eggimann (verletzt) und Nikci (Ersatz).

Steaua Bukarest–Ajax Amsterdam 2:0 (2:0, 1:0) n.V.
Steaua 4:2-Sieger nach Penaltyschiessen.
Tore: 38. Latovlevici 1:0. 76. Chiriches 2:0. – Penaltyschiessen: Eriksen 0:1, Rusescu 1:1; Schöne (Tatarusanu hält), Nikolic 2:1; de Jong 2:2, Filip 3:2; Moisander (darüber), Latovlevici 4:2.

Europa League
Achtelfinals
7. März 14. März
FC Basel Zenit St. Petersburg 21.05 Uhr 21.00 MEZ
Viktoria Pilsen Fenerbahçe    
Benfica Benfica Girondins Bordeaux    
Anschi Machatschkala Newcastle United    
VfB Stuttgart Lazio Rom    
Tottenham Hotspur Inter Mailand    
Levante UD Rubin Kasan    
Steaua Bukarest Chelsea FC    

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