Ein Nimbus macht Pause

Ein solcher Fehler passiert Taulant Xhaka eigentlich nie. Gegen St. Gallen war sein Ballverlust der Anfang eines Abends, der die nahe Zukunft des FC Basel schwierig gestaltet. Die Einzelkritik nach der zweiten Saisonniederlage in Folge.

Taulant Xhaka am Boden. Und mit ihm der FC Basel. Zwei individuelle Fehler führen zur Niederlage des Meisters, der in dieser Form überfordert und verunsichert wirkt. (Bild: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Tomas Vaclik | Torhüter

Vielleicht ist Tomas Vaclik seit seiner Ankunft in Basel der sicherste Wert überhaupt in dieser Mannschaft. Wenn der Tscheche also Fehler macht, dann verheisst das nichts Gutes für dieses Kollektiv. Beim zweiten Gegentor muss er den Ball zur Seite ablenken und nicht in den Laufweg des Torschützen. Auf der Haben-Seite steht eine fantastische Parade gegen Alain Wiss wenige Sekunden nach der Pause.

Omar Gaber | Rechtsverteidiger

War deswegen in die Startelf gerutscht, weil in der Abwehr gehörig Personalnot besteht. Gaber spielte zum ersten Mal unter Raphael Wicky in der Meisterschaft. Und nach den etwas über 90 Minuten im Kybunpark darf man zum Schluss kommen, dass der ägyptische Nationalspieler eine Fehlbesetzung gegen dieses St. Gallen war. Er verlor einen Zweikampf nach dem anderen, war in dieser Hinsicht freilich nicht der einzige Basler, aber bei ihm traten die Unzulänglichkeiten am ausgeprägtesten zutage. In dieser Verfassung ist er nicht in der Lage, Michael Lang die Position des Rechtsverteidigers auch nur annähernd streitig zu machen.

Mit dem Tempo und dem Körpereinsatz vom Gegner (hier Albian Ajeti) überfordert: Omar Gaber, Rechtsverteidiger des FC Basel.

Michael Lang | rechter Innenverteidiger

Lief zum sechsten Mal als Innenverteidiger auf, seit er beim FC Basel spielt. Nach vier Einsätzen auf dieser Position in der Saison 2015/16 und einem in der abgelaufenen Spielzeit wird ihm das Spiel im Zentrum in St. Gallen negativ in Erinnerung bleiben. Wo die Reise hingehen wird, zeigte ihm Albian Ajeti schon nach wenigen Sekunden, als der ehemalige Basler gegen Lang einen Zweikampf gewann und eine erste Ecke herausholte. Auch Lang, den Wicky für dieses Spiel als gewinnbringender eingestuft hatte als den nominellen Innenverteidiger Pedro Pacheco, geht als Geschlagener aus dieser Partie. Und mit seinem Standing wird er einer der Führungsspieler sein müssen, die diesen FCB aus dem Tief ziehen sollen.

Manuel Akanji | linker Innenverteidiger

Seine Unzufriedenheit wurde überdeutlich, als er in der 37. Minute der in dieser Zusammensetzung noch nie da gewesenen Abwehrformation zeigen musste, wie sie zu stehen hat. Attestierte er in diesem Moment noch seinen Mitspielern ungenügendes Verhalten, erlaubte er sich später einen Ballverlust, der Folgen hatte. «Das ist mein Fehler», sagt Akanji zu seiner Aktion, in deren Anschluss das zweite St. Galler Tor fiel. Dieser Fehlpass passiert Akanji vielleicht zweimal in einer Saison, in St. Gallen war es der Fehler, der dieser Partie die Richtung wies. Am Schluss, nachdem ihm noch fast ein Eigentor unterlaufen wäre, war er mit seiner Kopfballstärke vorderster Mann. Geholfen hat es nichts. 

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Blas Riveros | Linksverteidiger

Der FC St. Gallen verstand rasch, wo die Schwächen dieses FCB lagen: Ein hoch gespielter Ball von einer Seite auf die andere reichte, um die Formation des Meisters durcheinanderzubringen. Leidtragender war mitunter Blas Riveros, der hinter sich Räume frei liess, die an das Abwehrverhalten von Adama Traoré erinnerten. Zudem überschätzte der junge Paraguayer Mal für Mal seine Schnelligkeit und verlor jeweils den Ball, anstatt am Gegenspieler vorbeizuziehen.

Davide Callà | rechter Mittelfeldspieler

Seine Saison war vor dem Spiel in St. Gallen auf drei Pfeilern gebaut: einem Einsatz (Wettswil-Bonstetten), einem Kurzeinsatz (Chiasso) und einem Kürzesteinsatz (Sion). Alles in allem hatte Callà also 74 Minuten Wettbewerbsfussball gespielt, und auch wenn der Routinier auf entsprechende Fragen ruhig reagierte, so langsam, aber sicher merkte man ihm die klitzekleine Unzufriedenheit mit seiner Situation an. In der achten Runde kehrte er zurück in die Startaufstellung und bildete zusammen mit Gaber eine rechte Seite, die auf diesem Level nicht genügt. Einer der wenigen Höhepunkte seiner Leistung war der Schuss, der in der 54. Minute die Latte streifte. Wenige Sekunden später war der erste Startelfeinsatz für Callà zu Ende, Wicky wechselte für den 32-Jährigen Dominik Schmid ein.

Immer und immer wieder am Boden: die Basler, hier mit Torhüter Tomas Vaclik.

Taulant Xhaka | zentraler Mittelfeldspieler

Xhaka umgibt seit Jahren ein Nimbus, der besagt: Dieser Spieler agiert über 90 Minuten gesehen kaum einmal ungenügend. Bei der zweiten Liga-Niederlage in Folge war dieser Nimbus weg, denn den Ballverlust vor dem ersten Gegentor hat man von Xhaka so vielleicht noch gar nie gesehen. «Xhaka war überrascht, er hat mich nicht gesehen», sagt Torschütze Marco Aratore zu der Szene. Warum sich der Mittelfeldspieler umdrehte, sich in Richtung des eigenen Tores orientierte und sich von Aratore den Ball abnehmen liess, bleibt ungeklärt. Xhaka wurde nach der Systemumstellung zum Zentrum einer Dreierkette, wird sich aber kaum an dieser polyvalenten Einsetzbarkeit erfreuen, sondern sich wegen seiner Fehlers ärgern.

Luca Zuffi | zentraler Mittelfeldspieler

Verwertete das Zuspiel von van Wolfswinkel zum 2:1 und ist damit der zählbar erfolgreichste Basler. Ansonsten kam allerdings kaum etwas vom zentralen Mittelfeldspieler, der seiner stupenden Form aus den Vorjahren nachrennt. Auch seine stehenden Bälle blieben ohne Wirkung.

Kevin Bua | linker Mittelfeldspieler

Schoss in der 23. Minute den Ball in Lopars Arme und wurde in der 55. Minute für Dimitri Oberlin ausgewechselt. Damit ist unsere Chronistenpflicht in Sachen Kevin Bua erledigt.

Cedric Itten | Stürmer

War in der zweiten Cuprunde bei seiner Rückkehr und dem Torerfolg zum 1:0-Sieg gegen Chiasso noch der gefeierte Mann gewesen. In St. Gallen kam er im Zweimannsturm kaum mehr zur Geltung. Bemerkenswert ist, wie einfach die Gegenspieler ihm den Ball abnahmen, und das unschöne Zeichen in Zeiten der offensiven Kreativpause der Basler ist: Ein 20-Jähriger wie Cedric Itten wird die Probleme dieses Kaders kaum lösen.

Was im Cup noch klappte, ging gegen St. Gallen nicht mehr: Cedric Itten (rechts) brachte kaum eine gelungen Aktion auf den Rasen.

Ricky van Wolfswinkel | Stürmer

Allenthalben war die Rede davon gewesen, dass van Wolfswinkel mit einem Tor im siebten aufeinanderfolgenden Spiel einen Rekord egalisieren könnte. Die Realität sah anders aus: Die Chance in der 49. Minute, als der Holländer alleine vor Lopar auftauchte, hätte er verwerten müssen. Hat er aber nicht. Und so bleibt von der Leistung der Holländers der Assist zu Zuffis Anschlusstreffer.


Dimitri Oberlin | Stürmer

Ersetzte in der 55. Minute Bua und holte eine gelbe Karte gegen die St. Galler heraus. Viel mehr als dieser eine Antritt war nicht.

Dominik Schmid | zentraler Mittelfeldspieler

Kam gleichzeitig wie Oberlin auf das Feld. Als Ersatz für Calla, und schnell wurde klar, dass er in diesem Spiel überfordert war, sowohl körperlich als auch über weite Strecken spielerisch. Wer kann es dem jungen Mann übelnehmen? Schliesslich ist er bisher kaum zum Einsatz gekommen.

Nicht eingesetzt beim FC Basel: Salvi (Torhüter), Fransson, Petretta, Pacheco.

Konversation

  1. ich finde, es darf schon gefragt werden, wie man das hochgelobte 3-5-2 automatisieren will, wenn man es allbott wieder auseinander reisst, gegen mitfavorit yb („die spieler fühlen sich wohl im 4-4-2“) ebenso wie gegen den tabellenletzten und jetzt in st.gallen infolge (dummer, eigenverschuldeter) personalnot. wenn das vertrauen gegenüber dem jungen innenverteidiger pacheco nicht da ist (wieso steht er dann im kader?), dann wäre xhaqa eine erfahrene alternative gewesen. die jungen dann bei 0:2 in eine desolate mannschaft einzuwechseln, finde ich ebenfalls ein symbol, das man hinterfragen müsste.
    und: auch das alte sportteam hat nicht nur geniale transfers gemacht, wie sich jetzt mit fransson, gaber, riveros zeigt, die allesamt offenbar nicht in der lage sind, verantwortung zu übernehmen (ebensowenig wie offenbar ein zuffi oder suchy).
    unter dem strich wünsche ich mir geduld auf allen seiten: bei wicky, dass er sein system durchzieht und jungen wirklich eine chance gibt, beim publikum die einsicht, dass „neues system UND mehr spektakel UND mehr junge“ in jeder mathematischen gleichung eine gute weile lang weniger punkte ergibt. UND vor allem wünsche ich mir, dass führungsspieler sichtbar ihre führung auf dem platz auch wirklich übernehmen, damit die jungen an diesen spielern wachsen können. eine weinerliche verweigerung dieser aufgabe pro saison reicht. wer von den älteren spielern diese führungsaufgabe nicht wahrnehmen will/kann, ist eigentlich reif für einen wechsel.

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  2. Diese Kritik an den Einzelmasken geht komplett an der Sache vorbei. Wenn Spiel für Spiel die gesamte Mannschaft auf der ganzen Linie komplett versagt, dann liegt das Problem tiefer.

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  3. Leise, ganz leise, schleicht sich sogar hier beim Akklamations-Blättchen Kritik ein.

    Ihr wolltet doch immer «Junge». Nun sind sie da, uns siehe, sie genügen nicht.

    Fussball ist ein Abbild der Gesellschaft: Und genau so schief wie es in der Wirtschaft läuft, läuft es in der harten Realität des Fussballs.

    «Der Glaube an sich selbst» allein versetzt noch keine Berge: Dafür muss man schon auch noch etwas können (ich meine «können», nicht nur einfach für diesen Glauben bejubelt werden).

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