Die Chronik: Krasse Fehler, keine Ausstrahlung
Ohne drei Gesperrte (Suchy, Balanta und Steffen), ohne den kurzfristig erkrankten Elyounoussi und mit drei Startelf-Debütanten dieser Saison (Gaber, Callà und Itten) geht der FC Basel in dieser Partie. Zudem mit Lang als Innenverteidiger und in einer 4-4-2-Grundordnung, wie sie der FCB so schon lange nicht mehr praktiziert hat.
Das Ergebnis: Wenig bis nichts klappt gegen hoch und aggressiv pressende Sankt Galler. Taulant Xhaka leistet sich in der 15. Minute einen furchtbaren Ballverlust am Strafraum, den der Ex-Basler Marco Aratore mit einem sehenswerten Schlenzer aus 16 Metern in seinen fünften Saisontreffer ummünzt.
Es ist ein Wirkungstreffer. Der FCB taumelt, die präsenteren, bissigeren Gastgeber erarbeiten sich Räume, von denen der Meister nur träumen kann. Den nächsten Aussetzer leistet sich Manuel Akanji, der Ex-Basler Roman Buess legt für den Ex-Basler Albian Ajeti auf, dessen leicht abgefälschten 20-Meter-Schuss kann Tomas Vaclik nur zur Seite abwehren, wo Danjil Aleksic am schnellsten reagiert und zum 2:0 abstaubt (25.).
Der FCB gibt in der ersten Halbzeit ein bedauernswertes Bild ab und hat Sekunden vor und nach der Pause Glück, nicht ein drittes Gegentor zu kassieren. Die Basler reagieren immerhin ordentlich nach dem Seitenwechsel. Ricky van Wolfswinkel hat innert vier Minuten drei Chancen, wobei er die erste, nach einem Ballverlust von Kukuruzovic allein vor Lopar, fahrlässig liegen lässt.
Davide Callàs 15-Meter-Schuss streift in der 54. Minute die Latte, dann wechselt Raphael Wicky doppelt und stellt auf ein 3-4-3 um, mit Xhaka als zentralem Verteidiger zwischen Lang und Akanji. Dimitri Oberlin, Itten sowie der hängend spielende van Wolfswinkel bilden einen Drei-Mann-Angriff.
Topscorer van Wolfswinkel mit einem Kopfball (75.) kommt dem Anschlusstor nahe, das Luca Zuffi nach der schönsten Basler Kombination des Abends – ein Direktspiel von Oberlin, Gaber und van Wolfswinkel – gelingt. Zu spät jedoch in der 89. Minute. Die Basler Reaktion nach der Pause ist in Ordnung, ändert aber nichts an der dritten Saisonniederlage – und dem ersten Sieg, den Giorgio Contini im 13. Spiel gegen den FCB als Trainer von Vaduz und St. Gallen feiern kann.
Weil die Young Boys ihr Heimspiel gegen Luzern mit 4:1 gewinnen, beträgt der Rückstand des nun seit vier Ligaspielen sieglosen FCB neu sechs Punkte – und am Samstag kommt der FCZ (1:1 daheim gegen Lausanne) zum Klassiker in den St.-Jakob-Park, ein Duell von wegweisender Bedeutung für den biederen FC Basel. Der hat über den Sommer und einen Umbruch hinweg, der eher neben als auf dem Platz stattgefunden hat, vorerst so ziemlich alles an Ausstrahlung eingebüsst.
Die Aufstellung: Eine 4-4-2-Grundordnung mit Lang in der Innenverteidigung
Wie angekündigt vertraut Raphael Wicky in der Innenverteidung Michael Lang und nicht dem nominell vierten Innenverteidiger Pedro Pacheco. Die personelle Notlage gründet in der Abwesenheit von Marek Suchy und Eder Balanta, die beide gesperrt fehlen. Zudem spielt Davide Callà für den ebenfalls gesperrten Renato Steffen. Mohamed Elyounoussi fällt kurzfristig erkrankt aus.
FC Basel (4-4-2): Vaclik – Gaber, Lang, Akanji, Riveros – Callà (56. Schmid), Xhaka, Zuffi, Bua (56. Oberlin) – Itten, van Wolfswinkel.
Auf der Basler Bank: Salvi (TH), Pacheco, Petretta, Fransson.
FC St. Gallen (4-4-2): Lopar – Lüchinger, Haggui, Hefti, Wittwer – Aleksic, Wiss, Kukuruzovic, Aratore – Ajeti (72. Koch), Buess (92. Ben Kahlifa).
Die Trainer-Monologe: «… und dann machst du so eine erste Halbzeit»
Giorgio Contini:
«Um gegen den FC Basel zu gewinnen, muss man ziemlich viel richtig machen. Man muss taktisch clever sein, man muss viel laufen und die Räume eng machen. Ich denke, wir sind mit dem richtigen Fuss im Spiel gewesen, und die erste Halbzeit war sicher wegweisend: das Pressing und wie wir umgeschaltet haben, die Geduld, den Ball laufen zu lassen. Und zum Schluss war der Charakter entscheidend: wir sind solidarisch gewesen, haben gekämpft – und all das führt dann dazu, dass man den FC Basel schlagen kann.»
Raphael Wicky:
«So wie wir in der ersten Halbzeit aufgetreten sind, geht natürlich nicht. Wir haben ganz wenig Zweikämpfe und zweite Bälle gewonnen, haben dem Gegner den Ball vor den Toren zugespielt. Das ist zu wenig. Wir haben uns in der Halbzeit gesagt, dass wir mit dem 2:1 die Chance haben zurückzukommen, und wir sind auch gut aus der Pause gekommen. Aber es passt zur schwierigen Situation, dass wir unsere Grosschancen nicht machen.
Uns war klar, dass es in St. Gallen nicht um taktische Sachen oder irgendwelche Schönspielereien geht, sondern darum, den Kampf anzunehmen, dass wir mehr laufen müssen als der Gegner. Und dann machst du so eine erste Halbzeit. Das ist natürlich enttäuschend.
Ich will nicht in Selbstmitleid verfallen. Und ich will mich nicht beklagen über die Spieler, die mir zur Verfügung stehen. Wir haben eine gute Mannschaft mit zwei Jungen, Blas Riveros und Cedric Itten, auf dem Platz gehabt, eine Mannschaft mit genug Qualität und Erfahrung, um eine bessere erste Halbzeit zu spielen.»
Vor dem Spiel:
» Das Jugendkonzept des FC Basel fällt vorerst den Resultaten zum Opfer
» Dezimiert nach St. Gallen – der Meister vor der achten Runde