Ein wenig Balsam für die angeknackste Seele

Nach der niederschmetternden 1:7-Niederlage gegen die Young Boys fängt sich der FC Basel und gewinnt in der achten Runde gegen den FC Luzern 2:1. Deswegen ist nicht alles gut. Aber der Sieg bringt die gute Stimmung zurück in den St.-Jakob-Park.

Am Wochenende hatte der FC Basel in Bern 1:7 verloren. Und eine halbe Woche später scheint die Welt beim einstigen Serienmeister bereits wieder in Ordnung zu sein. Ist eben doch nur Fussball, denkt man sich, wenn man beispielsweise Fabian Frei in der Interviewzone des St.-Jakob-Park erlebt. Ein Spruch hier, ein Lächeln da, der Defensivmann scheint blendend gelaunt zu sein nach dem 2:1-Sieg gegen den FC Luzern in der achten Runde.

Doch in den ernsten Momenten dieser Kurzgespräche merkt man auch bei Frei: Aus den Köpfen ist dieser niederschmetternde Misserfolg gegen die Young Boys nicht. Dafür hat Basel gegen Luzern zu viele Chancen nicht genutzt, zu viele Möglichkeiten für den Gegner zugelassen und einmal mehr am Ende Hektik aufkommen lassen.

Dabei ging es in dieser achten Runde um Wiedergutmachung der höchsten Niederlage seit 17 Jahren. Der Präsident und Besitzer Bernhard Burgener bemühte sich in den letzten Tagen um absichernde Worte, er sprach Sportchef Marco Streller das Vertrauen aus und wollte nichts wissen von einer Korrektur der Saisonziele.

Und auch an der Fangemeinschaft war das 1:7 natürlich nicht vorbeigegangen. Die Muttenzerkurve heizte der Mannschaft bereits vor dem Spiel ein – eine halbe Stunde vor Anpfiff mit derart lauten Gesängen, dass ein Interview des Stadion-TV mit U17-Trainer Mario Cantaluppi übertönt wurde. Und auf einer Banderole forderte die Kurve: «Stand uff, wenn du Basel bisch. Uffwache – Agriffe.»

Serey Diés Emotionen

Genau dieses Angreifen war gegen Luzern über weite Strecken zu erkennen. Ebenso wie der Wille, der Ehrgeiz, und jede Menge Druck auf den Gegner. Für diese Mannschaft war das 1:7 ein Weckruf, den sie nicht überhören konnte. Kevin Bua brachte Basel mit einem stehenden Ball nach einer halben Stunde in Führung. Und Geoffroy Serey Dié erzielte das 2:0 rund zehn Minuten vor Schluss.

Wie viel Emotionen momentan in diesem FC Basel stecken, zeigte die Szene nach dem erfolgreichen Weitschuss des Ivorers. Serey Dié wollte nach dem Tor mit keinem seiner Mitspieler etwas zu tun haben, sondern lief direkt auf Marcel Koller zu, der ihn nach Gesprächen unter der Woche vorerst auf der Bank hatte Platz nehmen lassen.

Koller selbst stand während der ganzen Partie ebenso unter Strom. Nicht erst, als Blessing Eleke in der 90. Minute per Elfmeter den Anschlusstreffer erzielte, sondern weil auch Koller wusste, dass nach der Niederlage in Bern eine Reaktion kommen musste. Der Schiedsrichter bekam Kollers angespannte Gefühlslage zu spüren, der in der Nähe stehende Linienrichter sowieso und auch die Balljungen, wenn sie den Baslern die Bälle für die Einwürfe nicht rasch genug zuwarfen.

Der FCB beginnt verunsichert

Koller sagt: «Man hat gemerkt, dass wir am Anfang verunsichert waren.» Und diese Verunsicherung teilte Kollers Antipode René Weiler seiner Mannschaft in der Pause mit: «Ich habe meinem Team gesagt, dass mehr kommen müsse. Dieser FC Basel ist zu packen heute.»

So richtig angemerkt hat man Weilers Überzeugung der Mannschaft auf dem Rasen nicht. Der FCB hatte eine Mehrzahl an Torchancen, fast 60 Prozent Ballbesitz und er fand 26 Mal eine Abschlussposition. Dass daraus nicht mehr als zwei Tore resultierten, muss sich unter anderem Albian Ajeti ankreiden lassen, der zwei gute Möglichkeiten ausliess, oder Afimico Pululu, der nach einer Stunde seine beste Chance liegen liess.

Die Zahlen zum 2:1-Sieg des FC Basel in der achten Runde gegen den FC Luzern.

Koller schenkte Pululu zum zweiten Mal in Folge das Vertrauen und liess den 19-Jährigen von Anfang an hinter der Spitze agieren. Der Trainer ist sich sicher, dass man in Basel «noch viel Freude an Pululu haben wird».

Aber Koller weiss auch, dass nach dem dritten Sieg in der Liga nicht alles gut ist: «Wir sind manchmal noch immer zu hektisch und haben nach wie vor viel Arbeit vor uns.» Die nächste Aufgabe wartet am Wochenende auswärts in Lugano. Die Tessiner verloren in der achten Runde gegen Aufsteiger Xamax und könnten am Sonntag für den FC Basel das sein, was der FC Luzern am Mittwoch war: der passende Gegner zur richtigen Zeit.

https://tageswoche.ch/sport/der-fcb-reisst-sich-zusammen-und-schlaegt-luzern-21/

Konversation

  1. Ich werde Fussball nie richtig verstehen, irgendwie. Da kickt einer einen Ball in einen 7,32 breiten Kasten und wird dann bejubelt, als hätte er ein Menschenleben gerettet. Mit diesem einzigen Schuss hat er wohl mehr verdient, als ein Kinderarzt in einem ganzen Jahr.

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  2. Feiner Artikel. Kein Wort zuviel oder daneben. So macht TAWO Spass. Muss Spass machen da TV ausgestiegen.

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