Eine Chance genutzt, viele andere verpasst – die Einzelkritik

Der 17-jährige Robin Huser gibt im Mittelfeld ein vielversprechendes Debüt im Trikot des FC Basel, Kandidaten wie Ahmed Hamoudi oder Arlind Ajeti fallen beim Casting für Paulo Sousa jedoch durch – die Einzelkritik zur 1:2-Niederlage in Aarau.

Die Basler mit Breel Embolo, Mitte, feiern das 2:1-Anschlusstor, im Fussball Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Basel am Mittwoch, 20. Mai 2015, in Aarau. (KEYSTONE/Urs Flueeler) (Bild: Keystone/URS FLUEELER)

Der 17-jährige Robin Huser gibt im Mittelfeld ein vielversprechendes Debüt im Trikot des FC Basel, Kandidaten wie Ahmed Hamoudi oder Arlind Ajeti fallen beim Casting für Paulo Sousa jedoch durch – die Einzelkritik zur 1:2-Niederlage in Aarau.

Germano Vailati | 4
Der Cup-Goalie des FCB und Backup von Tomas Vaclik kam zu seinem vierten Einsatz in der Liga in dieser Saison und stand zum ersten Mal bei einer Niederlage im Tor. Versuchte beim ersten Gegentor vergeblich, den Winkel zu verkürzen und wurde beim 2:0 von Dusan Djuric’ wuchtigem Schuss in den Winkel erwischt – ein «Tor des Monats», wie Aarau-Trainer Raimondo Ponte zur Entlastung anführt.

Philipp Degen | 3
Werbung in eigener Sache war der Auftritt nicht. War bei beiden Gegentoren über seinen Flügel so weit vorne postiert, dass er nicht mehr eingreifen konnte, kam in der Offensive aber auch nicht so zur Geltung, wie er das in der ersten Saisonhälfte, als er noch regelmässig zum Einsatz kam, getan hatte.

Arlind Ajeti | 3
Bis Mittwoch hatte Arlind Ajeti genau 27 Super-League-Minuten in den Beinen – vom ersten Saisonspiel in Aarau vor zehn Monaten. Das sagt alles über seine Stellung im Kader von Paulo Sousa. In den wenigen Einsätzen in der U21 konne Ajeti, dessen Vertragsoption bis 2016 nicht in Kraft trat, nicht die Spielpraxis sammeln, um einen sicheren Wert zu bieten – entsprechend hölzern wirkte er, wusste sich ein paar Mal nur mit Fouls zu helfen und kassierte vom österreichischen Schiedsrichter die gelbe Karte – die zweite im zweiten Saisoneinsatz. Sah vor allem beim zweiten Gegentor schlecht aus, weil er zurückwich, anstatt sich Torschütze Djuric entgegen zu stellen.



Dante Senger, vorne, von Aarau, im Duell mit Arlind Ajeti, rechts, von Basel, im Fussball Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Basel am Mittwoch, 20. Mai 2015, in Aarau. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Keine Werbung in eigener Sache: Arlind Ajeti (hinten, hier gegen Dante Senger). (Bild: Keystone/URS FLUEELER)

Walter Samuel | 4,5
In Abwesenheit der gesperrten Marek Suchy und des verletzt gemeldeten Fabian Schär war er der Patron in der Abwehr. Wurde beim Konter zum 1:0 zwar wie die gesamte Hintermannschaft überlaufen, war ansonsten aber ein souveräner Ballverteiler und klärte die wenigen brenzligen Situationen, die die Aarauer heraufbeschwören konnten, so wie kurz vor Schluss, als er Daniel Gygax mit einer Grätsche alter Schule stoppte.

Behrang Safari | 4
Gab hinterher zu Protokoll, dass die «party legs» zu Beginn des Spiels schon zu spüren gewesen seien. Als sich die Basler diese Müdigkeit aus den Knochen geschüttelt hatten, lagen sie allerdings schon zurück. Safari gehörte in der Schlussphase immerhin zu denen, die sich vehement gegen die sechste Niederlage in der Liga stemmten.

Mohamed Elneny |3,5
Sein Eigentor in der fünften Spielminute sprach sich in Windeseile im arabischen Raum herum. In den sozialen Medien dort war man sich sicher, dass es sich um das erste Eigentor in Elnenys Karriere handelt. Der Ägypter stellte sich dabei sehr ungeschickt an, denn statt den Ball unkompliziert mit dem linken Fuss irgendwo in die Botanik rund ums Brügglifeld zu befördern, lenkte er ihn mit dem rechten Fuss in den Torwinkel. Ackerte und rackte hinterher, die Scharte auswetzen konnte er aber nicht mehr.

Robin Huser | 5
Der Debütant machte es an der Seite von Elneny prima. Nervosität war ihm nicht gross anzumerken, er spielte einfach und schnörkellos wie in der Szene, als er einen Befreiuungsschlag auf das Tribünendach des alt-ehrwürdigen Brügglifeld drosch. 17 Jahre ist Huser alt, kam vom FC Solothurn, hat einen Vertrag bis 2017, wurde hinterher von den Kollegen mit Lob überschüttet und hat bei Paulo Sousa Pluspunkte gesammelt: «Eine beindruckende Leistung, und ich hoffe und ich bin sicher, dass er diese auch in Zukunft abrufen kann.»



Aarau, 20.05.2015, Fussball Super League - FC Aarau - FC Basel, Robin Huser (FCB). (Marc Schumacher/EQ Images)

17 Jahre, Mittelfeldspieler und in Aarau ein guter Debütant im FCB-Trikot: Robin Huser. (Bild: Marc Schumacher/EQ Images)

Matias Delgado | 4
Ein unglücklicher Auftritt von IHM. Eine Halbzeit lang quasi nicht zu sehen und wenn, dann mit schleppendem Tempo. Das wurde erst besser, als er nach dem Doppelwechsel und einer Systemkorrektur ein bisschen weiter nach hinten rückte, das Spiel somit mehr vor sich hatte und prompt den auslösenden Ball auf Gashi vor dem 2:1 spielte. Dann zwickte es plötzlich in der Muskulatur, und gerade als Paulo Sousa seinen dritten Wechsel vollzogen hatte, musste der Argentinier raus und der FCB zu zehnt zu Ende spielen.

Davide Calla| 3,5
Eine mutige Volleyabnahme in der 29. Mintue auf Vorarbeit von Huser und Ajeti, ein Schuss, der weit vorbei ging, ist eine der wenigen Szenen, die von ihm in Erinnung bleiben. Wechselte an früherer Wirkungsstätte ab der 58. Minute vom linken auf den rechten Flügel, rannte viel, konnte sich aber nicht entscheidend in Szene setzen.

Ahmed Hamoudi | 3
Das vielleicht Bemerkenswerteste an seinem Einsatz war, dass er den Vorzug vor Yoichiro Kakitani erhielt, der ein weiteres Mal tatenlos zusehen musste. Für Hamoudi muss wie für einige andere gelten: Chance erhalten, Chance nicht genutzt. Blieb wirkungslos, und sein einziger Abschluss, ein Distanzschuss, geriet zum Rohrkrepierer.



Ahmed Hamoudi, links, von Basel, im Duell mit Oliver Jaeckle, rechts, von Aarau, im Fussball Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Basel am Mittwoch, 20. Mai 2015, in Aarau. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Keine Werbung in eigener Sache: Ahmed Hamoudi (unten), hier im Duell mit Oliver Jäckle. (Bild: Keystone/URS FLUEELER)

Breel Embolo | 5
Es war wettbewerbsübergreifend Saisonspiel Nummer 39 für den 18-Jährigen, womit er in der internen Einsatzliste hinter Fabian Frei (41) auf Platz 2 vorrückt. Erzielte sein 17. Tor (das zehnte in der Liga) und dies auf eine Art und Weise, die schon Embolo-haft genannt werden darf: Tankte sich nach der guten Vorarbeit von Delgado und Gashi dank seines grossartig eingesetzten Körpers gegen seinen Gegenspieler durch, konnte sich die Torecke aussuchen und erledigt den Rest mit einem sauberen Innenristschuss. Auch wenn nicht alles derart gekrönt wurde: Ein gutes Spiel von ihm, weil er aktiv war und mit grossem Radius arbeitete.

Shkelzen Gashi | 4,5
Ab der 58. Minute auf dem Platz anstelle von Hamoudi legte er vier Minuten später schön mit der Brust in den Lauf von Embolo zum Anschlusstreffer ab. Brachte frischen Wind rein und war somit massgeblich an der ordentlichen letzten halben Stunde des FCB auf dem Brügglifeld beteiligt.

Albian Ajeti | 4
Kam im Doppelpack mit Gashi für Degen ins Spiel und somit nach einem Cup-Match zu seinem dritten Saison-Einsatz im Fanionteam. Bildete mit Embolo eine Doppelspitze, kann aber bei allem Eifer nicht dessen Wasserverdrängung erzeugen.

Fabian Frei | –
Ersetzte in der 80. Minute Arlind Ajeti und übernahm auch dessen Posten in der Dreierkette, mit der der FCB ab er der 58. Minute verteidigte. War zu kurz im Einsatz, um bewertet werden zu können.

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Bewertungsdurchschnitt: 3,9
Nicht eingesetzt beim FCB: Vaclik (Tor), Traoré, Gonzalez, Kakitani.

Konversation

  1. Dieser Match war eine Frechheit und erinnert an Machenschaften wie zum Teil bim ital. Fussball. Von mir aus kommt diese fast einer Verfälschung der Restmeisterschaft gleich. Kann es sein, dass die Clubs in der Meisterschaft lieber nur nach Aarau reisen statt den Weg nach Vaduz zu machen.
    Der Rest der Meisterschaft wird dies aufzeigen.

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