Erneuter Basler Fehltritt nach einem emotionalen Zwischenhoch

Der Anhang des FC Basel erlebt Emotionen wie schon lange nicht mehr: Zum dritten Mal in Folge remisiert der Meister, weil der FC Sion in der 95. Minute ausgleicht, nachdem Seydou Doumbia nur wenige Minuten zuvor den Meister in Führung gebracht hatte. In einer Woche kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen mit den Wallisern: in Genf beim Endspiel um den Cup.

In der Nachspielzeit nimmt der FC Sion dem FC Basel noch die Butter vom Brot. Seydou Doumbia strauchelt, der Meister ebenfalls – drittes Remis in Folge.

(Bild: Keystone/TaWo)

Der Anhang des FC Basel erlebt Emotionen wie schon lange nicht mehr: Zum dritten Mal in Folge remisiert der Meister, weil der FC Sion in der 95. Minute ausgleicht, nachdem Seydou Doumbia nur wenige Minuten zuvor den Meister in Führung gebracht hatte. In einer Woche kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen mit den Wallisern: in Genf beim Endspiel um den Cup.

Fussballer sind eitel. Nicht nur, was Mode betrifft, oder Frisuren und Autos. Sie sehen sich auch gerne im Fernsehen. Und wenn sie die Möglichkeit haben, sich im Stadion auf der Grossleinwand zu bewundern, dann nehmen sie diese war. Zumindest solange, bis es den Sicherheitskräften reicht.

Und so wird Kevin Constant von den grossen Herren in Anzügen durch die Senftube in Richtung Kabine geschoben. Der Sittener wehrt sich vergebens und enerviert sich; gerne hätte er nochmals sein Tor bewundert, das dem FC Sion in der 95. Minute doch noch einen Punkt einbrachte. Zum Unmut der Muttenzerkurve, vor der Constant stand, und die es als Provokation empfand, dass der Franzose vor ihren Augen mit entblösstem Oberkörper stehen blieb.

Constant konnte sich also erst in der Kabine nochmals ansehen, wie Sion zu einem Einwurf kam. Wie Basel ohne Zugriff verteidigte. Wie die Flanke zur Mitte kam und diese verlängert wurde. Wie sie zu Constant flog und dieser den Ball an Tomas Vaclik vorbeischoss.



Die Sittener jubeln nach ihrem Ausgleich zum 2:2 im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Sion im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Donnerstag, 18. Mai 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Lohn für einen effizienten FC Sion: Aus wenigen Chancen machen die Walliser zwei Treffer. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Es war der letzte Ballkontakt der Partie.

Dem FC Basel entglitten im letztmöglichen Moment zwei Zähler im Rennen um den Punkterekord. Urs Fischer sagt: «Beim Ausgleich fehlte uns einfach die letzte Konsequenz, das ist alles in allem sehr schade für den Aufwand, den wir betrieben haben.» Der Trainer schlug sich in den Emotionen des Treffers hart mit der einen Hand auf die andere, im Ärger darüber, dass seine Mannschaft zum dritten Mal in Folge nur remisierte.

Doumbias Tor und Pfostenschuss

Dabei war der Sieg wie schon am Sonntag beim 3:3 gegen Thun in Griffweite. Seydou Doumbia hatte in der 89. Minute eines der zuletzt seltenen Hochgefühle ausgelöst: Vor offiziell 23’339 Zuschauern verwertete er einen wunderbaren Pass in die Tiefe von Taulant Xhaka mit seinem schwächeren linken Fuss. Und er hätte den Strick um die drei Punkte festzurren können, wenn er Sekunden später nicht das Lattenkreuz, sondern zum zweiten Mal ins Tor getroffen hätte.

Jede und jeden hatte es da von den Sitzen gerissen, das Stadion erlebte eine Art emotionales Zwischenhoch zwischen Meistertitel und Cupfinal. Und alles schien in diesen Momenten angerichtet für den 25. Sieg in der Liga, der dem Meister nach einer schwächeren zweiten Halbzeit eigentlich gar nicht mehr so richtig zustand.

Die erste Halbzeit durfte Fischer ohne Übertreibung als «sehr gut» bezeichnen: Die Basler hatten mehrere Möglichkeiten ausgelassen, bis Marc Janko eine Kombination erfolgreich abschloss. Ausgang für den Führungstreffer nach einer halben Stunde war Renato Steffens herrlicher Aussenristpass, diagonal über vielleicht 40 Meter, Davide Calla übernahm und spielte zu Janko in der Mitte.



Der Basler Marc Janko, links, erzielt das 1:0 gegen den Sittener Torhueter Anton Mitryushkin, rechts, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Sion im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Donnerstag, 18. Mai 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Das zwölfte Ligator für Marc Janko. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Allerdings glich der FC Sion Kurz vor der Pause durch Chadrac Akolo aus. Luca Zuffi hatte den Ball im Mittelfeld verloren, ein einziger Steilpass genügte den Wallisern, um der Basler Abwehr das 30. Gegentor der laufenden Spielzeit zuzufügen. Das 31. bedeutete dann den ersten Punktgewinn des FC Sion gegen den FCB in dieser Saison. Und er liess den Basler Anhang verstummen, der Emotionen erlebte, die mit dem Dauererfolg zuletzt nicht mehr an der Tagesordnung waren.

Petretta liegt mit einer Gehirnerschütterung im Spital

Von alledem bekam Raoul Petretta nichts mit. Der linke Aussenverteider war die Überraschung in der Startelf, auf vier Positionen hatte der Trainer im Vergleich zum 3:3 gegen den FC Thun umgestellt. Der 20-Jährige verletzte sich in einer Aktion gegen Moussa Konaté so, dass er von den Betreuern auf einer Trage aus dem Stadion gebracht und ins Spital getragen wurde: zur Überwachung einer Gehirnerschütterung.



Der Basler Raoul Petretta wird vom Platz getragen im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Sion im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Donnerstag, 18. Mai 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Abgang Raoul Petretta: Unter dem Applaus der Basler Fans wird der linke Aussenverteidiger aus dem Stadion getragen. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Petretta gehe es den Umständen entsprechend gut, sagt Fischer, der ihm den Vorzug vor Adama Traoré gegeben hatte. Dieser wird mutmasslich die Besetzung auf der linken Aussenbahn für den Cupfinal sein. In einer Woche treffen die beiden Teams in Genf aufeinander.

Sions Interimstrainer Sébastien Fournier hat diese Affiche noch nicht im Kopf: «Dieses Unentschieden ist zwar gut für die Moral. Aber für uns geht es erstmal um die Regeneration, wir haben schliesslich nicht die gleichen Probleme wie Basel. Ab Montag konzentrieren wir uns auf den Cupfinal, jetzt haben wir aber noch das Meisterschaftsspiel gegen Luzern im Kopf.»

Fischer sagt: «Beide Teams wissen, was sie in Genf erwartet. Der Match heute hat insofern eine Bedeutung, als wir mit viel Selbstvertrauen zum Cupfinal reisen wollen. Darum nervt es mich umso mehr, dass wir das 2:1 nicht über die Runden brachten.» Und Marc Janko, der Torschütze zum 1:0, sagt mit Hinblick auf das Endspiel: «Das geht natürlich noch besser.»



Die Fans der Muttenzer Kurve begruessen die Mannschaften vor dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Sion im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Donnerstag, 18. Mai 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Die Bühne für das Vorspiel: In einer Woche wird der Basler Anhang in Genf ihr pyrotechnisches Material an die Fotografen bringen. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

 

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Konversation

    1. 1. Respekt bei den Gegnern einbüssen. >> Mittlerweile traut sich ja jeder Dorfclub ein Punktgewinn gegen den FCB zu, sogar im Joggeli (quasi Blasphemie, zudem massive Einbusse des Nimbus)

      2. Spieler im Kader des FC Basels gewöhnen sich fälschlicherweise daran, dass mittelnass am Rheinknie akzeptiert wird. (Die Knochen „speichern“ sich die Matchleistung auf 60% ein und denken dass wird nun auch in Zukunft so „entspannt“ ablaufen, erlernte Erfolglosigkeit, siehe YB. Die merken gar nicht dass ihre Ansprüche und Leistungen nicht übereinstimmen…)

      3. Vergraulen und bloßstellen des Basler Anhangs. (Blasphemie! Der Anhang ist der FCB – ohne ihn gibt es keinen Verein. Man stelle sich vor der FCB spielt und keiner kommt…)

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