«Es ist ein Albtraum»

Nach der 1:7-Niederlage gegen die Young Boys suchen die Spieler des FC Basel nach Erklärungen. Und finden keine, sondern sagen: «Wir waren einfach scheisse.»

Der FC Basel muss die deutlichste Niederlage in der Super League seit dem 1:8 gegen den FC Sion 2001 verdauen.

Nach dem Spiel treffen im Bauch der Ostkurve im Stade de Suisse zwei Welten aufeinander. Da steht einerseits Steve von Bergen neben einem kleinen Fan, der mit der Rückendeckung seiner Mutter um ein Bild mit dem Sieger bittet. Andererseits dokumentieren keine zehn Meter neben dem Captain der Young Boys ein Dutzend Mikrophone die Worte Silvan Widmers, der Sekunden zuvor einen Verantwortlichen des FCB fragt, ob er wirklich vor die Presse stehen müsse.

Nach der historischen 1:7-Niederlage ist das  Medieninteresse grösser an den Basler Verlierern als an den Siegern von YB. Vielleicht deswegen, weil die Basler Auflösungserscheinungen erstaunlicher waren als der dominante Auftritt der Young Boys, die mit 21 Punkten und einem Torverhältnis von 26:5 der Konkurrenz enteilt sind und zehn Punkte Vorsprung auf das Verfolgertrio aus Thun, St. Gallen und Zürich aufweisen.

«Wir sind dieses Spitzenspiels nicht würdig.» FCB-Verteidiger Silvan Widmer

Widmer liegt mit dem FCB auf Rang sieben und spricht nach der siebten Runde von einem  «unglaublichen Nachmittag», von einer «Klatsche direkt ins Gesicht». Er schildert, wie die Mannschaft in der Kabine am Boden zerstört sei und man den Klassenunterschied gesehen habe zwischen dem Meister und dem FCB, den drei Punkte vom Barrage-Platz trennen.

Der 25-Jährige weiss, dass der FCB zum vermeintlichen Gipfeltreffen angereist ist. «Aber wir sind dieses Spitzenspiels nicht würdig», sagt Widmer. Treffender kann man es nicht ausdrücken als der rechte Aussenverteidiger, einer der teuersten Transfers der Vereinsgeschichte. Der FC Basel war den Young Boys in allen Belangen unterlegen: Er war langsamer, physisch schlechter, zeigte weniger Wille und hatte weniger Erfahrung auf dem Kunstrasen.

Fabian Frei (links) und Silvan Widmer hören sich an, was die Fans ihnen nach der 1:7-Niederlage gegen YB zu sagen haben.

Als das Spiel nach vier Gegentreffern entschieden schien, stemmten sich die Basler mit Offensivbemühungen noch immer hilflos gegen die Niederlage, anstatt in die Defensive zu investieren: «In dieser Situation sollte man eher Tore verhindern als noch eines schiessen zu wollen», sagt Widmer.

Wie Widmer hatte sich auch Fabian Frei den Wechsel nach Basel anders vorgestellt, erfolgreicher, glorioser, ruhiger. Der Captain muss zum wiederholten Male erklären, was schief läuft beim einstigen Serienmeister. Aber auch Frei findet kaum Worte für diese historische Niederlage. «Wir waren einfach scheisse», sagt er. Immerhin ist Frei selbstkritisch genug, um die Mannschaft in die Pflicht zu nehmen: «Weder die Fans noch Strelli (Sportchef Marco Streller) noch der Präsident (Bernhard Burgener) sind schuld. Auf dem Platz standen wir Spieler.»

«Wenn man irgendwann 0:4 hinten liegt, bricht man leicht ein. Weil man merkt, dass es nichts zu holen gibt.» YB-Spieler Leonardo Bertone

Und auf dem Platz stand ein Gegner, der nach der 0:3-Niederlage gegen Manchester United den Schalter umgelegt hat, wie es YB-Sportchef Christoph Spycher am Donnerstag gefordert hatte. Captain Steve von Bergen spricht von einem «überragenden» Auftritt, «es stand fast nur eine Mannschaft auf dem Platz».

Und Leonardo Bertone, der als Einwechselspieler das 6:1 erzielte, sagt: «Fast jeder Schuss war ein Treffer. Das zeichnet ein Topteam aus.» Und beinahe glaubt man etwas Mitleid mit den einst so dominanten Baslern zu erkennen, wenn Bertone sagt: «Wenn man irgendwann 0:4 hinten liegt, bricht man leicht ein. Weil man merkt, dass es nichts zu holen gibt.»

Das nächste Mal etwas zu holen gibt es für den FC Basel am Mittwoch gegen den FC Luzern. Wiedergutmachung ist angesagt, weiss Fabian Frei: «Es muss gewaltig etwas passieren, aber auch mit einem Sieg gegen Luzern ist nicht plötzlich alles wieder gut.» Der Auftritt gegen YB wird ganz unabhängig von den Resultaten nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Das glaubt auch der Basler Captain: «Diese Niederlage wird mir noch lange im Kopf bleiben.»

https://tageswoche.ch/sport/rotblaulive-der-fcb-trifft-auswaerts-auf-den-enteilten-leader-yb/

Konversation

  1. Nicht mehr lang, und Basel kämpft gegen den Abstieg…. Es ist unbegreiflich, in welch kurzen Zeitspanne man diesen tollen Club so zerstört hatte….

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  2. Das ist dann wohl das YB Kitzeln gewesen… vermutlich am falschen Ort angesetzt. Ich hatte auf ein schon schlechtes 1:3 oder 1:4 gehofft, das Resultat sollte nun Bewegung bringen in den Club und das Management.

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    1. Bewegung hat es schon gebracht.

      Der Präsident und sein Sportchef bewegten sich nämlich nach dem 5:1 vorzeitig aus dem Stadion und liessen ihre Mannschaft im Stich! Jämmerlich! Jedem ernsthaften Fan kommt die Galle hoch.

      Es gibt nur eine Lösung um den Absturz zu verhindern: Burgener muss weg. Nur leider wird ihm für diese selbstverschuldete Versagertruppe wohl niemand den Preis bezahlen, den er verlangt.

      Also wird uns nichts anderes übrigbleiben, als dem unaufhaltsamen Niedergang beizuwohnen.

      „Oh, oh in dr Tabälle, hets no Plätzli frei, grad witer hinde: Uf Platz zwei oder drei, dört wirds euch gfalle! Und zwar euch alle …“

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  3. Vielleicht hätten sie auf dem Blackstars-Kunstrasen ein paar Testspiele machen sollen. Dort hats auch Kunsttrainingsplatz.

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