FCB–FC Thun 2:1 – Die Serie ist auf 24 Spiele ausgebaut

Mit einer stark veränderten Startelf und acht neuen Spielern gewinnt der FC Basel auch gegen den FC Thun. Stephan Andrist und Alex Frei per Foulpenalty erzielen die Treffer zum 2:1. Damit ist der Meister seit 24 Spielen nicht mehr besiegt worden.

Der Basler Alex Frei, links, versenkt einen Elfmeter gegen den Thuner Goalie David Da Costa, rechts, beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Thun am Mittwoch, 2. Mai 2012, im Stadion St. Jakob-Park in Basel (Bild: GEORGIOS KEFALAS)

Mit einer stark veränderten Startelf und acht neuen Spielern gewinnt der FC Basel auch gegen den FC Thun. Stephan Andrist und Alex Frei per Foulpenalty erzielen die Treffer zum 2:1. Damit ist der Meister seit 24 Spielen nicht mehr besiegt worden.

Drei Tage nach den ersten Meisterfeierlichkeiten zu Basel zeigt der FCB in der Super League gegen den FC Thun keine grosse, aber eine untadelige Leistung. Trainer Heiko Vogel rotierte in grossem Stil: acht Spieler raus, acht Spieler rein. Sommer sass auf der Bank, ebenso Streller, Dragovic, Steinhöfer, Fabian Frei und Xhaka. Huggel und Shaqiri waren erst gar nicht aufgeboten. Was dabei heraussprang, war ein weiterer Sieg, den der FCB-Coach «sehr glücklich« nennt.

Unter den Titularen war auch Stephan Andrist, der gegen seinen ehemaligen Club wieder einmal ran durfte – und dieses Vertrauen zumindest bilanztechnisch rechtfertigte. In seinem erst fünften Super-League-Einsatz für den FCB von Beginn an traf der 24-Jährige, der im Spätsommer von Thun nach Basel gewechselt war, gegen seinen Ex-Club. Eine schöne Flanke von Joo Ho Park verwandelte er mit einer ebenso sehenswerten Direktabnahme am zweiten Pfosten. «Ich freue mich, dass ich die Chance bekommen habe, und dass ich das Tor gemacht habe, ist um so schöner», sagt Andrist, der im Oktober bei 4:1 gegen GC erstmals getroffen hatte.

Es ist ja ein bisschen Schaulaufen, was den Meister FCB in den letzten fünf Runden erwartet, unterbrochen von einem weiteren Highlight. «Der Cupfinal ist ein ganz grosses Ziel, für das wir alle Energiereserven mobilisieren werden», sagt Heiko Vogel, und bis zum Cupfinal in Bern (am 16. Mai gegen den FC Luzern) ist es noch hin, aber der Tainer des FCB pochte vor dem Anpfiff auf Ernsthaftigkeit: «Thun ist definitiv kein Vorbereitungsspiel. Es geht noch um etwas in der Liga.»

Challandes beklagt bittere Niederlage

So traten die Berner Oberländer auch auf: bestens auf den FCB eingestellt, mutig und ihre Chance suchend, mit einem guten Resultat etwas für einen Platz in der Europa League zu investieren. Dass Trainer Bernard Challandes hinterher von einer bitteren Niederlage sprach, ist nachvollziehbar: «Heute hätten wir mehr verdient gehabt.» Eine ganze Reihe Möglichkeiten liess sein Team aus, darunter Marco Schneuwly in der 12. Minute bei einem merkwürdigen Ausflug Colombas, und dann machte der Sommer-Vertreter im FCB-Tor die Chancen von Schirinzi (60.) und Rama (81.) bravourös zunichte.

So couragiert die Thuner auftraten, so hoch stehend sie spielten und so sehr sie dem nicht durchgehend stilsicheren FCB mit ihrem Pressing zusetzen – das Tor musste dann schon der Gastgeber in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit selbst besorgen. Eine weite Schirinzi-Flanke fiel Joo Ho Park im Fünfmeterraum vor die Füsse – und der Südkoreaner lenkte den Ball zum eigenen Entsetzen statt hinter die Grundlinie ins Aus relativ unbedrängt und sehr präzise in die untere Torecke. Markus Steinhöfer löst solche heiklen Situationen an seinen guten Tagen geschickter.

Der FCB spielte zwar den Umständen entsprechend nicht schlecht, konnte sein Spiel aber nicht wie gewohnt zur Entfaltung bringen, oder, wie es Heiko Vogel ausdrückte: dem Spiel nicht kräftig den Stempel aufdrücken. Der Analyse des Kollegen schloss sich frischgebackene Meistertrainer vollumfänglich an: «Super Seitenwechsel beim 1:0, schöne Flanke, schönes Tor – alles pefekt», staunte Challandes, «und beim zweiten Tor hat man die Erfahrung und Klasse von Alex Frei gesehen.»

Alex Freis 23. Saisontor

Es war in der 69. Minute der erste zügige, steile Vorstoss des FCB im zweiten Durchgang, eine wohltemperierte Kopfballverlängerung Zouas auf Alex Frei, der an der Strafraumkante vom herausgestürzten Da Costa zu Fall gebracht wurde. «Alex macht das gut, er läuft gut, er hat das richtige Timing – mit einem solchen Elfmeter muss man leben.» Gesucht und gefunden, könnte man sagen. Erfunden war der Entscheid jedoch keinesfalls.

Kaum erwähnenswert, dass sich Frei um Weisheiten wie «der Gefoulte sollte nicht selbst schiessen» foutiert. Traumwandlerisch sicher verwandelte er vom Punkt – sein 23. Saisontor, der den Sieg bedeutete. Den elften in zwölf Heimspielen seit der letzten Niederlage im St.-Jakob-Park am 13. August 2011 (1:2 gegen den FCZ). Ein Remis, das 0:0 gegen Sion, gestand der FCB seither seinen Gästen zu.

Ein semantische Übungen unternahmen hinterher die beiden Trainer, um zu beschreiben, was da in Rotblau unterwegs war: «Ich will nicht lesen, dass Basel müde war und mit einer zweiten Mannschaft gespielt hat», forderte Challandes, weil handkehrum untermauert habe wollte: «Wir haben es gut gemacht.»

Heiko Vogel verbat es sich sogar ausdrücklich, dass von einer Basler B-Elf die Rede sei. Nur: Was war es dann? Der zweite Anzug knitterte jedenfalls, wofür man sich angesichts der Einsatzzeiten einzelner Spieler wie Andrist, Degen oder Colomba, der sein erstes Spiel im Kalenderjahr absolvierte, auch nicht schämen muss.

Basel stellt Uraltrekord ein

Wie auch immer: Die Basler Serie hält. Es war das 24. Spiel en suite ohne Niederlage, womit der eigene Rekord der Neuzeit – 23 Spiele aus der Saison 2003/04 – übertroffen wurde und ein Uraltrekord aus der Saison 1971/72 eingestellt wurde. Länger haben es in der Nationalliga A in einer Saison nur noch die Grasshoppers ausgehalten, die 1981/82 26 Mal ungeschlagen blieben. Diese Marke dürfte nun ins Wanken geraten, und der Basler Lauf kann von den Zürchern selbst gestoppt werden: Am Sonntag vom FCZ, der es saisonübergreifend sogar mal auf 35 Spiele brachte, und von GC in zehn Tagen.

Super League, 32. Runde
FC Basel–FC Thun 2:1 (1:1)

St.-Jakob-Park. – 26‘561 Zuschauer. – SR Graf.

Tore:
16. Andrist 1:0 (mutige Volleyabnahme auf schöne Flanke von Park).
45.+1 Park 1:1 (Eigentor; eine weite Flanke von Schirinzi drückt Park am zweiten Pfosten relativ unbedrängt in die eigenen Maschen).
70. Alex Frei 2:1 (Foulpenalty; Alex Frei wird nach einem weitem Ball von Zoua durch Thun-Goalie Da Costa zu Fall gebracht).

Verwarnungen: 54. Bigler (Foul), 59. Kovac (Foul, im nächsten Spiel gesperrt), 64. A. Frei (Reklamieren), 69. Da Costa (Foul).

FC Basel: Colomba; Degen, Abraham, Kovac, Park; Andrist (72. Buess), Yapi, Cabral, Stocker (90. Xhaka); Zoua (84. F. Frei), A. Frei, – Ersatz: Sommer (T), Dragovic, Steinhöfer, Xhaka, F. Frei, Buess, Streller.
FC Thun: Da Costa; Bigler (83. Matic), Schindelholz, Ghezal, Wittwer; Bättig; Hediger; C. Schneuwly, Demiri (89. Volina), Schirinzi; M. Schneuwly (67. Rama).

Bemerkungen: FCB ohne Chipperfield, Pak, Jevtic, Ajeti (verletzt), Voser (rekonvaleszent). Thun ohne Reimann, Lüthi, Siegfried, Vieira, Schneider (alle verletzt).

Weiter spielten: Grasshoppers–Servette 0:3, Lausanne–Sion 1:0. – Dienstag: Young Boys–FC Zürich 1:0.

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