Granit Xhaka bekennt sich zu Gladbach und träumt vom Finale in Basel

Beim Aufschwung in Mönchengladbach kommt Granit Xhaka eine Schlüsselrolle zu. Seine Anführerattitüde lebt er nun als Kapitän der Borussia aus, seine forsche Selbstsicherheit wird nicht mehr als Hochmut empfunden, und noch schlägt der Basler Angebote von den ganz grossen Vereinen aus.

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(Bild: Imago)

Beim Aufschwung in Mönchengladbach kommt Granit Xhaka eine Schlüsselrolle zu. Seine Anführerattitüde lebt er nun als Kapitän der Borussia aus, seine forsche Selbstsicherheit wird nicht mehr als Hochmut empfunden, und noch schlägt der Basler Angebote von den ganz grossen Vereinen aus.

Wenn Fussballprofis ihren Verein zur grossen Liebe erklären, reagieren viele Anhänger mittlerweile ziemlich skeptisch. Allzu schnell werden in diesem Geschäft Wappen geküsst und Treueschwüre formuliert, die viele Profis kurz darauf gewissenlos brechen. Man könnte also getrost darüber hinweggehen, wenn Granit Xhaka vor dem wichtigen Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen den FC Sevilla sagt: «Die Borussia ist mein Verein geworden.»

Aber im Fall des Mittelfeldspielers aus der Schweiz ist die publikumswirksam inszenierte Verbundenheit vergleichsweise glaubwürdig. Denn einerseits ist Xhaka ein ehrlicher Mensch, und andererseits ist die Hingabe, mit der er für seinen Verein arbeitet, Woche für Woche für alle im Stadion spürbar.

Xhaka ist seit seinem Wechsel im Sommer 2012 vom FC Basel in die Bundesliga in einem nicht immer ganz reibungslosen Prozess vom hoch gelobten Talent zu einem der aufregendsten Spieler Europas gereift. Zu einer tragenden Säule in einer starken Mannschaft, und die zurückliegenden, bewegenden Wochen haben den Reifeprozess noch einmal forciert.

Die Geschichte mit dem Wohnungsschlüssel

Wie kein anderer Gladbacher Spieler verkörpert Xhaka den Entwicklungssprung, den die Borussia gemacht hat, seit Lucien Favre Ende September von seinem Trainerposten zurücktrat. «Er hat sehr hart an sich gearbeitet», lobt Sportdirektor Max Eberl seinen wohl wertvollsten Profi, der schon in der vorigen Saison überragend spielte. Und der in der schwierigen Startphase dieser Saison, als die Borussia bis auf den letzten Tabellenplatz abstürzte, endgültig zum Anführer wurde.



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Der Trainer und sein verlängerter Arm: André Schubert, vom Assistenten von Lucien Favre zum Chefcoach in Mönchengladbach aufgestiegen, und Granit Xhaka, den er zum Kapitän gemacht hat. (Bild: Imago)

Wahrscheinlich profitiert kein Spieler so sehr vom neuen Trainer André Schubert, der Xhaka direkt nach Favres Absprung zum Kapitän ernannte. «Ich bin mit 19 Jahren hierher gekommen, jetzt trage ich die Kapitänsbinde, das macht mich sehr stolz», sagt er.

Xhaka war schon immer ein Typ, der die Verantwortung liebt. Um das zu illustrieren kramt er gerne die alte Geschichte von seiner Mutter hervor, die ihm und nicht dem älteren Bruder Taulant den Wohnungsschlüssel anvertraute, wenn die beiden als Kinder zusammen durch die Strassen von Basel zogen.

Xhaka und Dahoud – zwei Flüchtlingskinder, die sich kongenial ergänzen

Auf dem Platz kümmert er sich nun nicht mehr um seinen Bruder Taulant Xhaka, sondern um Mahmoud Dahoud, seinen Partner in Gladbachs Mittelfeldszentrum. Dahoud, ein syrischer Flüchtlingsjunge, und Xhaka, der aus einer albanischen Flüchtlingsfamilie stammt, waren in den vergangenen Wochen ein kongeniales Paar.

«Wenn die Jungen weiterkommen wollen, müssen sie auf die Spieler hören, die ein bisschen mehr Erfahrung haben», erklärte Xhaka in einem Interview mit dem Lokalsender «Radio 90,1» sein Zusammenspiel mit Dahoud.

Moenchengladbach's Granit Xhaka, left, hugs his teammate Mahmoud Dahoud during the Champions League Group D soccer match between Borussia Moenchengladbach and Juventus Turin in Moenchengladbach, western Germany, Tuesday, Nov. 3, 2015. (AP Photo/Sebastian Konopka)

Komm, lehn dich an mich an: Granit Xhaka mit Mahmoud Dahoud, einem Flüchtingskind aus Syrien, das sich in Mönchengladbach mit dem Basler ideal ergänzt. (Bild: Keystone/Sebastian Konopka)

Solche Worte klingen ein wenig vorlaut aus dem Mund eines 23-Jährigen, aber inzwischen wird diese forsche Selbstsicherheit nicht mehr als Hybris empfunden, sondern als Stärke. Xhaka ist der Kapitän. Ein Mann mit angeborenen Anführerqualitäten, der sich rasant weiterentwickelt. Seine Präsenz auf dem Platz ist imposant, Xhaka ist ein grosser Zweikämpfer, der immer den Ball haben will, der sich alles zuzutrauen scheint. An ihm können sich Mitspieler aufrichten.

Das angebliche Angebot der Bayern

Zwar sieht Xhaka immer noch die eine oder andere gelbe Karte zu viel, aber die ganz unnötigen Fouls hat er sich abgewöhnt, auch das ist ein Zeichen des Fortschritts. Im Sommer lag angeblich sogar eine Offerte des FC Bayern München vor, 35 Millionen Euro wollte der Deutsche Meister für den Mittelfeldspieler nach Mönchengladbach überweisen, aber Xhaka hatte kein Interesse.

«Der nächste Schritt zu einem Top-top-top-Verein muss beinhalten, dass ich spiele. Die Bank ist nichts für mich», sagte er auf das Münchner Angebot angesprochen der «Bild-Zeitung».

Nun liebäugeln angeblich der FC Liverpool und der FC Arsenal mit einer Verpflichtung Xhakas, aber wäre solch ein Wechsel sportlich sinnvoll? Eher nicht. «Ich bin ein ehrgeiziger Mensch, ich will immer mehr und mehr, und bin noch längst nicht am Ende meiner Entwicklung», sagt er.

Wenn Xhaka so weitermacht wie zuletzt, wird er im nächsten oder im übernächsten Sommer wirklich bei einem der vier, fünf besten Klubs der Welt spielen können, in der Stammelf. Ein Umweg über Liverpool ist dazu nicht nötig.

Der Traum vom Finale in Basel

Und bis dahin ist Gladbach sicher kein schlechter Platz für eine Weiterentwicklung. «Wir spielen seit Jahren international, man sieht, dass wir auch in der Champions League mithalten können», sagt er. Selbst Titelgewinne seien mit der Borussia möglich, entweder im DFB-Pokal oder in der Europa League.

«Das Finale ist in Basel, da bin ich geboren und aufgewachsen, warum sollten wir das nicht erreichen?», fragt er. Zur Erfüllung dieses Traums müssen sie nun aber dringend den FC Sevilla schlagen, um sich die Chance auf einen dritten Platz in der Champions-League-Gruppe zu wahren und damit die Fortsetzung der internationalen Saison im neuen Jahr in der Europa League.

Die Tabellensituation für Borussia Mönchengladbach in der Champions League:




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