Greift der FCB noch einmal tief in die Wundertüte?

Der FC Basel hat in der Champions League schon etliche Hürden genommen, die eigentlich zu hoch erschienen für einen Schweizer Meister. Nun steht mit Manchester City in den Achtelfinals ein gigantisch wirkender Gegner gegenüber. 

Was liegt drin für den FC Basel in den Achtelfinals gegen Manchester City? Trainer Raphael Wicky und Captain Marek Suchy am Montag vor den Medien.

Man darf es sich ruhig noch einmal auf der Zunge zergehen lassen: 878 Millionen Euro hat Manchester City für sein aktuelles Kader ausgegeben. Und damit mehr als Paris St-Germain (805) oder Erzrivale Manchester United (747), mehr als doppelt soviel wie etwa Arsenal (403) und viel mehr als Bayern München (363). Zusammengetragen hat diese Zahlen das «Cies Football Observatory» in Neuchâtel. 

Fast neunhundert Millionen – das ist summa summarum ungefähr das Fünfzigfache, was der FCB als Gestehungskosten für sein aktuelles Kader hatte. Der Königstransfer des vergangenen Sommers, Ricky van Wolfswinkel, kostete um die 3,5 Millionen Euro an Transferentschädigung an Vitesse Arnheim – mithin nicht einmal der Betrag, den bei einem Wechsel zu Manchester City, der Berater eines Spielers an Provision einstreicht.

Es treffen also Welten aufeinander, wenn an diesem Dienstag die erste Hälfte der Champions-League-Achtelfinals gespielt wird. Und weil in dieser Saison niemand auf der ganzen Fussballwelt an den sagenhaften Auftritten von Manchester City vorbeikommt, an den Transfers, Tricks und Toren, weil diese Mannschaft die aufregendste Liga der Welt fast nach Belieben dominiert und nach menschlichem Ermessen auch englischer Meister werden wird, deshalb erscheint dieser Clash in der K.o.-Phase der Besten auf europäischer Ebene aus der Basler Perspektive wie eine Herkulesaufgabe. Eigentlich unlösbar.

Der stets aufs Neue verblüffende Aussenseiter

Vorfreude und eine komplizierte Einstimmung auf den grossen Gegner: FCB-Trainer Raphael Wicky.

Das freilich hat man in den vergangenen 16 Jahren schon oft gedacht. In den meisten Fällen ging der FCB als Aussenseiter in die Partien der Königsklasse, nicht selten als krasser. Und wie oft ist ihm Erstaunliches gelungen, Unerwartetes, Wundergleiches gar. Wer hat Basel vor der laufenden Kampagne zwölf Punkte aus der Gruppenphase zugetraut? 

Dann gab es ein rauschhaftes 5:0 gegen Benfica, den höchsten Basler Sieg überhaupt, seit er in der Champions League mitspielen darf, ein wegweisendes 2:0 bei ZSKA Moskau, das triumphale 1:0 gegen Manchester United und schliesslich das abgeklärte 2:0 in Lissabon.

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Das alles ist so verblüffend und reicht dennoch kaum aus, um vom FC Basel nun den ganz grossen Wurf gegen Manchester City erwarten zu wollen. Der von den Scheichs als Abu Dhabi alimentierte Klub und die von Pep Guardiola nahe an die Perfektion getrimmte Mannschaft erscheinen wie eine natürliche – oder soll man sagen: künstlich geschaffene – Grenze für den FCB.

«Man kann das Spiel von Manchester City nicht im Training simulieren – das geht ja nicht.»

FCB-Trainer Raphael Wicky

Die Problemstellung in der Einstimmung seiner Mannschaft verdeutlichte Raphael Wicky mit einem bedenkenswerten Einwand: Er könne ja nicht zu zehn seiner Spieler sagen, sie sollten so agieren wie der Gegner: «Man kann das Spiel von Manchester City nicht im Training simulieren – das geht ja nicht.»

«Diese Mannschaft hat fast keine Schwächen – und das zeigt sie alle drei Tage», sagt Wicky über den Gegner. Und dabei ist es nicht nur der zermürbende Ballbesitz, den Pep Guardiola den Citizens eingeimpft hat. Sie können genauso das schnelle Umschaltspiel. Die Mannschaft ist variantenreich und auf jeder Position mit Spieler herausragender Qualität besetzt.

Steht vor seinem 99. Europacupspiel und einer grossen Herausforderung: FCB-Captain Marek Suchy.

Ins gleiche Horn stösst Marek Suchy. «Gegen eine der besten Mannschaften der Welt und deren Fussball total anzutreten, das ist eine grosse Ehre für den Klub und eine sehr, sehr grosse Herausforderung für uns Spieler», sagt der Captain des FCB. Der Tscheche wird mit seinen 98 internationalen Einsätzen in punkto Erfahrung am Dienstag nur vom Brasilianer Fernandinho (113 Partien) übertroffen und wagt wenigstens eine vorsichtig optimistische Ansage: «Man weiss gegen Manchester City, was einen erwartet. Aber es beginnt mit Elf gegen Elf – und wir wollen es ihnen so schwer wie möglich machen.» 

«Etwas Mutiges machen» 

Immerhin eines meint Wicky vorhersehen zu können: «Wir werden nicht überrascht von Manchester City.» Er richtet sich bei aller Vorfeude, unter den besten sechzehn Teams der Champions League zu sein, darauf ein, dass seine Mannschaft leiden wird unter der Ballzirkulation und dem Speed des Gegners. 

Und der Trainer sieht das pragmatisch: «Wir werden nicht viel Ballbesitz haben, das hat niemand gegen Manchester. Aber wir müssen den Ball wollen und dann etwas Mutiges daraus machen.» So, glaubt Wicky, könne es aufgehen, die eigenen Chancen hochhalten zu können, «mit diesem Plan gehen wir ins Spiel».

Mit Eder Balanta – oder ohne?

Vordergründig hat Wicky erst einmal noch ganz andere Sorgen. Ob Eder Balanta, der ein paar brillante Vorstellungen in der Champions League hinter sich hat, zur Verfügung steht, wird sich erst zeigen, wenn der Trainer mit seiner Mannschaft am Dienstagvormittag noch einmal auf den Trainingsplatz geht.

Erst am Spieltag wird Wicky wohl entscheiden, wie er Manchester City gegenübertreten will: Mit der in der Champions League bewährten Dreier- respektive Fünferabwehr, wofür sehr viel spricht, oder mit der in der heimischen Liga praktizierten Viererkette. Ist Balanta einsatzfähig, könnte die im Januar in der Vorbereitungsphase getestete Variante mit Taulant Xhaka rechts im Dreierblock gespielt werden.

Wickys wenig aussagekräftige, aber immerhin in einem Scherz mündende Einlassung zum Thema lautete am Montag: «Mit Balanta in einer Viererkette, oder mit Balanta in einer Dreierkette. Oder ohne Balanta in einer Viererkette, oder ohne Balanta in einer Dreierkette.» An den Dolmetscher gewandt schickte Wicky augenzwinkernd ein «good luck» hinterher. 

Viel Glück – ein Wunsch, der im doppelten Sinn auch an ihn und seine Disposition für die zu erwartende Abwehrschlacht gerichtet werden kann.

Bester Laune: Albian Ajeti, Fabian Frei und Taulant Xhaka (von links) am Montag auf dem Weg zum Training.

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