Heiko Vogel freut sich auf Momo

Noch ungeschlagen ist der FC Basel bislang in der Super League – und gleichzeitig seit drei Spielen ohne Sieg. Am Sonntag im Heimspiel gegen den FC Thun soll der Ägypter Mohamed Salah von Beginn weg für mehr Wirbel im Basler Angriffsspiel sorgen (16 Uhr, SF 1 live).

Veine Viertelstunde genügte Mohamed Salah gegen Molde, um das Publikum zu verzücken. Im Bild ein Zweikampf mit dem Norweger Magne Simonsen. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Noch ungeschlagen ist der FC Basel bislang in der Super League – und gleichzeitig seit drei Spielen ohne Sieg. Gegen den FC Thun soll der Ägypter Mohamed Salah von Beginn weg für mehr Wirbel im Basler Angriffsspiel sorgen.

War das jetzt Liebe auf den ersten Blick? Könnte gut sein. Auch wenn es manchmal ja so eine Sache ist mit den Schmetterlingen im Bauch. Aber die Chemie scheint schon einmal zu stimmen zwischen dem Publikum des FC Basel und dessen Neuzugang aus Ägypten, Mohamed Salah. Das hat seine Einwechslung im Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Molde gezeigt. Wobei, vielleicht war es auch bloss ein erstes kleines einseitiges Verliebtsein von Seiten der Basler Fans?

Super League, 5. Runde
FC Basel–FC Thun (So, 16.00, SF1)
St.-Jakob-Park. – SR Klossner.

Mögliche Aufstellungen
FCB: Sommer; Steinhöfer, Sauro, Dragovic, Park; Cabral; Salah, F. Frei, Diaz, Zoua; Streller.
Thun: Faivre; Lüthi, Matic, Ghezal, Reinmann; Bättig, Demiri; Ngamukol, Hediger, Ferreira; M. Schneuwly.

Bemerkungen: Basel ohne A. Frei, P. Degen und Ajeti (alle verletzt). – Erste Liveübertragung des SF aus dem St.-Jakob-Park im Rahmen der neuen Super-League-Berichterstattung.

Es war ja vorab schon einiges getuschelt worden über den Neuen. Youtube-Videos seiner Dribblings wurden herumgereicht. Seine Heldentaten mit der ägyptischen Olympia-Auswahl machten die Runde: Ein Tor in jedem Gruppenspiel erzielt, unglaublich schnell, ein starker Dribbler mit Drang zum Abschluss – und dazu noch erst 20 Jahre alt!

Das klang gut, verdammt aufregend und alles in allem verdammt vielversprechend.

Dann also betrat Mohamed Salah in der 74. Minute erstmals das Spielfeld des Joggeli. Und er war unglaublich schnell, sein Spiel aufregend und das alles zusammen verdammt vielversprechend.  In seinen (inklusive Nachspielzeit) 20 Minuten hatte er ungefähr soviele Torchancen wie seine restlichen Kollegen in 94.

Das reichte für erste öffentliche Liebhaber-Bekenntnisse:

Die Chancen stehen gut, dass die Beziehung zwischen Fans und Salah am Sonntag auf eine breitere Basis gestellt wird. Heiko Vogel jedenfalls macht kein Geheimnis daraus, dass er Salah von Beginn weg spielen lassen wird. Ja, der Trainer des FCB kündigt sogar an: «Da freue ich mich drauf.»

Auch Vogel ist natürlich nicht entgangen, was da abgegangen ist am letzten Mittwoch im St.-Jakob-Park: «Der kommt eine Viertelstunde rein. Und ich denke: unglaublich!»

Wenn Vogel über den Ägypter spricht, dann klingt das beinahe zärtlich. Was auch am Kosenamen liegt, den der Deutsche gebraucht, wenn er Salah meint: «Momo.» Mit Momo also unterhält sich Vogel meist auf Englisch: «Er ist sehr beflissen, die Sprache zu lernen.» Und wenn das nicht reicht, hilft ein Anruf bei Salahs Berater, der via Telefon den Dolmetscher gibt.

Momo auf dem Platz ist das Gegenteil von Momo im Buch

Die literarische Momo, das ist jenes Mädchen, das unter anderem unangenehmen Zeit-Räubern enteilt, indem sie besonders langsam geht. Der Momo des FCB ist da praktisch das exakte Gegenteil: Er bringt seine Gegenspieler durch seinen Schmetter-Antritt in unglaubliche Zeitnot.

Er wird das am Sonntag gegen Thun in einer Mannschaft tun, die weiterhin ohne Alex Frei auskommen muss. Der Stürmer wird noch immer durch seine Beckenprellung behindert. Wann er wieder ins Training einsteigen kann, ist offen.

Das wiederum bedeutet, dass Marco Streller die einzige Basler Spitze geben wird. Die einzige Basler Spitze? Nein! Denn für Heiko Vogel ist das derzeitige System ein 4-3-3: «Nur, dass ich das leider noch nirgends gelesen habe.» (Und darum nur für ihn der Hinweis auf unseren Spielbericht aus Sion, Abschnitt acht. Alle anderen: weiterlesen!)

Thun soll sich auf den FCB einstellen – nicht umgekehrt

Vor dem FC Thun und vor allem vor dessen Trainer hat Vogel höchsten Respekt: «Was Bernard Challandes dort aufgebaut hat ist aller Ehren wert.» Das heisst aber nicht, dass sich die Basler zu sehr auf die Berner Oberländer einstellen wollen: «Wir legen den Fokus auf unser eigenes Spiel. Also sollen sich die Thuner Gedanken machen, wie sie sich auf uns einstellen wollen.»

Challandes wird da so seine Ideen haben. Immerhin hat er die Basler beim 2:2 gegen Luzern und beim 1:1 in Sion live im Stadion beobachtet. Natürlich hat der Thuner Trainer mitbekommen, dass beim FCB bei weitem nicht alles rund läuft. Er warnt seine Spieler aber auch: «Selbst wenn es so ist, bleibt Basel Basel.»

Thun reiste nach Sizilien

Die Thuner haben die vergangene Woche für einen Trip nach Sizilien genutzt. Catania lud das Team für ein Testspiel ein, nachdem die Berner letztes Jahr mit einem 2:2 in Palermo in der Europa League offensichtlich die Sympathien des zweiten Serie-A-Clubs der Insel gewonnen hatten.

Thun gewann die Partie vom Dienstag in Catania 1:0, wobei Challandes in den zwei Halbzeiten praktisch zwei verschiedene Teams antreten liess. Für den Thuner Trainer war es jedenfalls eine gelungene Reise. Und er erinnert daran, dass Thun im letzten Sommer der Europacup-Rhythmus ganz gut bekommen sei.

Damals, erinnert Challandes mit einem Schmunzeln, seien die Thuner als Leader nach Basel gereist: «Aber nach dem Spiel waren wir nicht mehr Leader.»

Der FCB siegte durch Tore von Alex und Fabian Frei mit 2:1. Auf rechts wirbelte bei den Baslern noch ein gewisser Xherdan Shaqiri. Der Publikumsliebling ist zu den Bayern weitergezogen. Aber es flirrt ja bereits eine neue Liebschaft durch den St.-Jakob-Park.

 

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