«Ich kam mit langen Schritten über die Aussenbahn» – zum Tod von FCB-Legende Peter Ramseier

Peter Ramseier war einer der legendären Spieler des FC Basel in der Benthaus-Ära. Anstelle eines Nachrufs lassen wir ihn selber von einem der legendären Spiele gegen den FCZ erzählen.

Einer aus der ausserordentlich erfolgreichen, sogenannten Benthaus-Ära und eine Integrationsfigur beim FC Basel: Peter Ramseier, am 10. Oktober 2018 im Alter von 73 Jahren gestorben.

Am Mittwoch ist Peter Ramseier im Alter von fast 74 Jahren gestorben. Völlig unerwartet. Der gebürtige Berner gehörte zur Generation, die in der erfolgreichen Ära des FC Basel zwischen 1967 und 1977 sechs Meistertitel und zwei Cupsiege gewann. Nach seiner aktiven Zeit als Fussballer, zu der auch 28 Länderspiele für die Schweiz gehören, assistierte Ramseier FCB-Trainer Helmut Benthaus.

Diese beiden waren bis in die Gegenwart eng befreundet und beim FCB präsent, ob bei den Heimspielen oder an wichtigen Versammlungen des Vereins. Ausserdem hielt Peter «Rämsi» Ramseier lange Zeit das Seniorenteam des FCB zusammen und trainierte bis zuletzt unregelmässig mit.

Der Nachruf auf Peter Ramseier von Josef Zindel bei fcb.ch

Der folgende Beitrag stammt aus dem Buch «Das Spiel meines Lebens – 50 Fussballstars und ihre schönsten 90 Minuten». Eine Geschichte über ein legendäres Spiel im Joggeli, die Peter Ramseier aus seiner Sicht erzählt:

«Der FCZ war nicht irgendein Gegner, sondern unser erbittertster Konkurrent in all diesen Jahren.»

«Das Spiel vom 10. Juni 1972 gegen den FC Zürich war der Höhepunkt meiner Karriere. Obwohl ich in meiner Zeit bei Basel zwischen 1966 und 1978 etliche Male Schweizer Meister wurde, genoss ich diesen Finalcharakter, dieses Aufeinandertreffen mit Zürich am letzten Spieltag, ganz besonders. Hinzu kam die Affiche mit Zürich. Der FCZ war nicht irgendein Gegner, sondern unser erbittertster und hartnäckigster Konkurrent um die Meisterschaften in all diesen Jahren.

Als Mannschaft traten wir geschlossener auf, waren somit auch konstanter als der FCZ. Das zeigte sich auch an unserer vierjährigen (1968 bis 1972) Ungeschlagenheit im Joggeli. Die Serie sollte exakt noch dieses eine Spiel halten.

Karl Odermatt stach aus dem starken Kollektiv heraus; Torwart Marcel Kunz und auch Libero Walter Mundschin waren wichtige Stützen unseres Spiels. Zürich hatte dagegen mehrere hervorragende Individualisten, die ein Spiel an einem guten Tag im Alleingang entscheiden konnten.

So auch Daniel Jeandupeux, mein Gegenspieler im Cupfinal, drei Wochen zuvor. Ihn mochte ich nicht, stand er doch immer nur vorne und wartete auf ein Konterzuspiel. Da konnte er regelrecht explodieren, da sah ich oft nur seine Absätze. Ich dagegen konnte erst aus dem Lauf beschleunigen.

In jenem Cupfinal zwang ich Karl Grob im Stand von 0:0 mit einem Abschluss aus 18 Metern zu einer Glanzparade. Fast im Gegenzug rutschte ich bei einem Laufduell mit Jeandupeux unglücklich aus. Er zog davon und erzielte den einzigen und siegbringenden Treffer. Zuvor fast der Held, danach der «Löli» – so ist eben Fussball.

«Es kam vor, dass das Abschlusstraining abgebrochen wurde, so übermotiviert waren wir in die Zweikämpfe gestiegen.»

Auf die Revanche musste ich zum guten Glück nicht lange warten. Die Ausgangslage war folgende: Wir konnten bereits mit einem Remis den Titel sichern, Zürich musste gewinnen, um eine Entscheidungspartie zu erzwingen. Die Tordifferenz war damals noch kein Kriterium. Das Momentum sprach nicht nur wegen dem Cupsieg für Zürich, sondern weil wir nach einer niederlagenfreien Meisterschaft im zweitletzten Spiel in Bern bei den Young Boys mit 1:4 verloren hatten.

Auch diesmal trugen wir unser Abschlusstraining in Rheinfelden am Samstagvormittag aus. Dort gingen wir wenige Stunden vor Spielbeginn richtig zur Sache. Es kam schon mal vor, dass das Abschlusstraining abgebrochen wurde, so übermotiviert waren wir in die Zweikämpfe gestiegen. Wir Spieler hatten uns alle eine Winner-Mentalität zugelegt, was sich bei solchen Trainingsspielen zeigte – wir waren alle nicht gut im Verlieren.

Unser Trainer Helmut Benthaus stellte um und degradierte René Hasler zum Jeandupeux-Bewacher. Die Rechnung ging auf. Jeandupeux sah keinen Ball, und ich konnte meine Qualitäten besser einbringen. Benthaus hatte mich oft, sofern der Gegner mit zwei Stürmern agierte, von den Aufgaben der Manndeckung entbunden und aufgefordert, mich in die Offensive einzuschalten. Er wollte, dass «Rämsi» frei ist und seine läuferischen Qualitäten ausspielen konnte, ob auf links oder rechts.

Ich kam wie mein italienisches Vorbild Giacinto Facchetti mit langen Schritten über die Aussenbahnen. Vermutlich hatte ich zu lange Schritte, doch zu jener Zeit gab es noch keine Laufschule für uns Fussballer, die mir kürzere Schritte antrainiert hätten. Im Spiel hatte ich dann den Spielertrainer Friedhelm «Timo» Konietzka als direkten Gegenspieler.

Das Spiel lief von Beginn für uns, und schon rasch gab es keinen Zweifel über den Ausgang. Nach zwanzig Minuten hatte Mundschin eine Odermatt-Flanke erfolgreich ins gegnerische Tor verwertet. Odermatt erhöhte zwanzig Minuten später per Elfmeter auf 2:0. Zehn Minuten vor Schluss setzte Hitzfelds 3:0 den FC Zürich schachmatt.

«Das Schönste war nicht der Sieg, sondern die Geste der Zürcher nach dem Spiel.»

Der spätere Erfolgstrainer spielte bei uns seine erste Saison. Er hatte selber beim Verein angeklopft. Nach einem Probetraining sprang Benthaus gleich zur Geschäftsstelle und verlangte einen Vertrag für den jungen Hitzfeld. Der sonst ruhige Ottmar war auf dem Platz ein Schlitzohr. Kurz vor Schluss steuerte Odermatt mit dem vierten Treffer die Euphorie der Fans zum Höhepunkt.

Das Schönste für mich war aber nicht der Sieg an sich, sondern die Geste der namhaften Spieler wie Fritz Künzli und Köbi Kuhn nach dem Spiel, als sie Spalier standen und uns bei der Übergabe des Meisterpokals Beifall spendeten. So etwas hab ich später nie mehr erlebt. Das fand ich grossartig.

Die extrem erfolgreiche Zeit des FC Basel in den Jahren 1967 bis 1980 war stark mit dem Namen Helmut Benthaus verbunden. Benthaus konnte das Letzte aus uns herausholen. Er konnte auch mal fünf gerade sein lassen: Peitsche im Training und Zuckerbrot in der Führung neben dem Platz. So war es uns nicht verboten, vor dem Spiel mal ein Bier zu trinken. Er war einer, der über den Tellerrand hinaus dachte. Sein Flair zur Kunst war ja bekannt durch seine Freundschaften mit dem Theaterdirektor Werner Düggelin und dem Künstler Jean Tinguely.

Weilten wir mit dem Team im Ausland, ich kann mich an Trainingslager in Thailand und in Mexiko erinnern, achtete er stets darauf, dass wir etwas von der Kultur des Landes zu sehen bekamen. So hat er für uns Ausflüge und Museumsbesuche organisiert. Das habe ich mir reingezogen. Wann sollte ich wieder eine solche Gelegenheit haben? Nebeneffekt war die soziale Komponente. Wir hatten eine tolle Kameradschaft, wir hatten es gut miteinander und haben viel gelacht.

Vermutlich war vieles an den Erfolg gebunden. Doch was ist zuerst: die gute Kameradschaft oder der Erfolg? Das ist schwierig zu sagen. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann: Meine Zeit als Spieler beim FC Basel bleibt unvergesslich.»

«Das Spiel meines Lebens – 50 Fussballstars und ihre schönsten 90 Minuten» von David Mugglin und  Benedikt Widmer ist 2011 im Basler Rotweiss-Verlag erschienen.

Konversation

  1. Auch die Zeiten im Landhof an Sonntagnachmittagen. Einzigartig! Und die Meisterfeiern mit Fanbelagerungen am Restaurant Waldhaus im Hardwald. Das Warten auf die Spieler am Ausgang. Wer hat noch Papierfähnli? Ich(63) hab leider Keines behalten. Gibts oder solls nicht FCB-Museum geben?

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Waren das Zeiten! …und schon hör’ich: ach Ihr Alten mit Eurer Nostalgie…
    Aber: ES WAR SCHÖNER DAMALS! 56’000 Zuschauer und -Innen, aufgestellt-friedlich-spassig und immer wieder mal auch mit einem Applaus für den Gegner. Oben das Hupen der auffällig langsam fahrenden Lok-Führer, unten – und weit und breit – kein Sicherheits-Paranoia. Und schaut Euch die wunderbaren lupenreinen Leibchen von damals an: es ging ohne irgendeinen dieser penetranten Sponsoren. Und die Spieler hatten grossmehrheitlich soziale Kompetenz – Ehre sei Peter Ramseier – und nicht bloss noch den grossen Stutz im Grind.
    Fazit: Das kapitalistische Geschäft hat unseren Fussball weitgehend kaputt gemacht.

    Danke Empfehlen (5 )

Nächster Artikel