«Ich war schockiert»

Das defensiv ausgerichtete Chelsea gewinnt die erste Halbfinalpartie gegen den FC Basel mit 2:1. Diese Ausrichtung verblüffte die Basler vor dem Spiel – war aber nicht die einzige Überraschung. Die Stimmen zum Spiel.

Das defensiv ausgerichtete Chelsea gewinnt die erste Halbfinalpartie gegen den FC Basel mit 2:1. Diese Ausrichtung verblüffte die Basler vor dem Spiel – war aber nicht die einzige Überraschung. Die Stimmen zum Spiel.

Geoffroy Serey Die ist der einzige Basler, der nach dem verlorenen ersten Halbfinalspiel gegen den FC Chelsea so etwas wie ein Lächeln auf dem Gesicht hat, als er in der Interviewzone im Bauch der Muttenzerkurve steht. Allerdings hat das nichts mit dem Ausgang des Spiels zu tun. «Ich liebe diese Spiele gegen englische Teams, die physisch auftreten», sagt er und relativiert sogleich: «Ich habe einiges einstecken müssen im Mittelfeld gegen David Luiz und Konsorten, aber ganz ehrlich, ich habe diesbezüglich mehr erwartet.»

Mehr erwartet hätte Serey Die auch von der Aufstellung Chelseas; und zwar mehr Lust an der Offensive: «Ich war erstaunt, wie defensiv Chelsea eingestellt war.» Und er geht gleich noch einen Schritt weiter: «Ich war schockiert.» Eine Einschätzung, die Valentin Stocker teilt: «Chelsea spielte praktisch mit drei Sechsern und vier Verteidigern.»

«Das war heute nicht wirklich ein Champions-League-Sieger»

Viele der Basler Spieler sind sich einig: Dieses Chelsea wäre zu bezwingen gewesen. «Wir waren die bessere Mannschaft und haben ein ängstliches, sehr defensiv eingestelltes Chelsea gesehen. Das war für mich nicht wirklich ein Champions-League-Sieger», äussert sich Yann Sommer.

Ebendieser Sommer beklagte beim ersten Gegentreffer auch die fehlende Zuordnung auf Seiten der Basler. «Normalerweise darf der Torschütze in dieser Situation gar nicht zum Kopfball kommen.»

Victor Moses, Torschütze zum 1:0, sagt dazu lapidar: «Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.» Er könnte damit richtiger nicht liegen, denn aktiv dem Ball eine Richtung gegeben hat er nicht – der Ball sprang ihm an den Hinterkopf und von da ins Tor.

An der Szene beteiligt war Ivanovic, der heute nicht arm, sondern mit dem Kopf dran war und so am Ursprung des 1:0 lag.

«Den Ball muss ein Torhüter halten»

Etwas Pech beim ersten Tor und «ein unglücklicher Zeitpunkt beim zweiten», fasste Yann Sommer die Gegentore zusammen. Nun gibt es keine glückhaften Zeitpunkte für ein Gegentor – aber sicher Torhüter, die weniger unglücklich aussehen als Sommer bei diesem 1:2. «Diesen Schuss muss ein Torhüter halten, darüber muss man nicht diskutieren», kommentiert Sommer den Freistoss von David Luiz in der 94. Minute, der in der Torhüterecke über die Linie flog.

Offenbar gab es beim Freistoss Unklarheiten in der Abstimmung zwischen Sommer und Fabian Schär. «Einen kurzen Moment nimmt mir Fabian die Sicht weg», äussert sich Sommer zur Szene – nimmt die ganze Schuld jedoch gleich wieder auf sich: «Nochmals, den Schuss muss ich halten.»

Aus Sicht der Londoner ist der 2:1-Erfolg in Basel «ein guter Start, aber nicht mehr», wie Peter Cech sagt. Der Keeper sieht einen guten Start in die Halbfinalpaarung gegen den FC Basel – John Terry sah einen guten Start in die erste Partie dieser Paarung. «Wir kontrollierten die erste Hälfte», sagt er und beisst in ein zusammengefaltetes Viertel Pizza, während auf einem Karton in seiner anderen Hand ein zweites wartet, «insgesamt wirkten wir aber doch etwas müde heute.»

«Noch eine Schlacht»

Vielleicht können sich die Basler an genau diesem Punkt festhalten. Denn alle gehen mit Captain Marco Streller einig: «Wir sind noch nicht ausgeschieden und müssen weiterhin ans Weiterkommen glauben.» Und der Captain erinnert daran, dass der FCB gegen Manchester und Tottenham auch bereits die notwendigen Leistungen abzurufen im Stande war.

«Jedenfalls haben wir nun wirklich gar nichts mehr zu verlieren», gewinnt Streller, der vor dem Spiel per Videobotschaft seine Vertragsverlängerung bis 2015 bekannt gegeben hatte, selbst der Niederlage eine positive Seite ab.

Und Serey Die? Der übt sich in martialischen Floskeln: «Wir haben die Schlacht verloren, aber nicht den Krieg», sagt der Ivorer und erklärt abschliessend auch gleich, was es denn braucht, um diesen doch noch zu gewinnen: «Noch eine Schlacht.»

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