In der Ära Benthaus hielt Kunz den Kasten sauber

Der Generation, die jene fünf Meistertitel des FC Basel zwischen 1967 und 1973 miterlebt hat, ist er stets ein Begriff der grossen Benthaus-Ära geblieben. Nun ist Marcel Kunz, der in 283 Spielen das Tor des FCB gehütet hat, im Alter von 74 Jahren gestorben.  

Mit dem FC Basel im Cupfinal 1972 in Bern gegen den FCZ: Marcel Kunz, Zweiter von rechts neben Captain Karl Odermatt. (Bild: Keystone)

Marcel Kunz bestritt zwischen 1963 und 1975 im Tor der ersten FCB-Mannschaft in sieben verschiedenen Wettbewerben, darunter auch im Europacup der Meister, 283 Spiele, womit er in der «Ewigen Rangliste des FCB» unter den ersten 25 Spielern platziert ist. 

Unter allen Torhütern in der Geschichte des FC Basel kam er knapp hinter Walter Müller (291 Spiele) und Pascal Zuberbühler (289) am drittmeisten zum Einsatz. Neben diesen annährend 300 Wettbewerbsspielen bestritt Kunz noch fast 100 Freundschaftsspiele.

Damit war Marcel Kunz der bedeutendste FCB-Goalie in der ersten Erfolgs-Ära des Vereins. Bei fünf der sieben Schweizer-Meister-Titel, die der FC Basel damals mit Trainer Helmut Benthaus gewann, stand mehrheitlich Kunz im Tor, auch wenn er vor allem mit dem 2014 verstorbenen Elsässer Jean-Paul Laufenburger starke interne Konkurrenz hatte. 

7 Titel für den FCB

Zu den fünf gewonnenen Meistertiteln in den Jahren 1967, 1969, 1970, 1972 und 1973 kamen fünf Cupfinals, in denen Kunz die Nummer 1 im Team des FCB war. Bei seiner ersten Cupfinalteilnahme 1967 gegen Lausanne-Sports und bei seiner letzten im Jahr 1975 gegen den FC Winterthur gehörte er zum Siegerteam, dazwischen lagen die drei Finalniederlagen gegen den FCZ, die Kunz allesamt mit erlitt.

Ein Tor, das weh tat: Der FC Zürich gewann an diesem 18. Mai 1970 den Cupfinal im Wankdorf-Stadion gegen den FC Basel nach Verlängerung mit 4:1.

Marcel Kunz war 1963 vom Zweitligaverein FC Gerlafingen als 20-Jähriger zum FCB gekommen und hatte damals neben den beiden um mehr als zehn Jahre älteren Kurt Stettler und Hansruedi Günthardt das Torhüter-Team im Kader des damaligen Trainers Georges Sobotka ergänzt. 

Ein Torhüter für die Geschichtsbücher

Zum allerersten Einsatz im «Eins» kam Kunz schon am 10. August 1963 – im freundschaftlichen Ablösespiel gegen den FC Gerlafingen, das der FCB 4:1 gewann. Einen Monat später bekam er dann die ersten 90 Einsatzminuten in der Nationalliga A – und auch dies unweit seiner Heimat: Er stand am 8. September 1963 beim 1:0-Auswärtssieg gegen den FC Grenchen erstmals in einem Wettbewerbsspiel im Basler Goal.

Zu mehr als insgesamt sieben Einsätzen reichte es Kunz allerdings nicht, bis dann 1965 der Trainerwechsel von Sobotka zu Benthaus erfolgte. Zum einen gab es damals kein Vorbeikommen an Kurt Stettler, zum anderen warf ihn ein Armbruch, erlitten im April 1964 in einem NLA-Spiel in Schaffhausen, zurück. 

Unter Benthaus wurde Marcel Kunz die neue Nummer 1, und die sollte er für zehn Saisons auch bleiben.

Dennoch kann festgehalten werden, dass im heutigen Fussball ein derart direkter Aufstieg aus einem Zweitligaverein in ein Super-League-Tor kaum mehr denkbar ist. Ohne eine frühe und gründliche Schulung in einer professionellen Nachwuchsabteilung geht es schon lange nicht mehr.

Ab 1965 festigte der neue Spielertrainer Helmut Benthaus die interne Torhüter-Hierarchie, nachdem sich in der Saison zuvor Sobotka nie richtig klar zwischen Laufenburger, Günthardt und Kunz hatte entscheiden können. Ab jetzt war Kunz die Nummer 1 und blieb das die folgenden zehn Saisons lang auch, selbst wenn Laufenburger und später der junge Nachwuchs-Mann Hans-Jean Müller ebenfalls mit hoher Verlässlichkeit zur Stelle waren, wenn aus Verletzungs- oder auch mal aus Formgründen ein Wechsel angesagt war.

Zum 283. und letzten Mal hatte Kunz das Tor der Rotblauen am 14. Juni 1975 bei einem 1:1 auswärts gegen Chênois Genf gehütet. Der letzte Spieler, der dem langjährigen und verdienten Basler Torhüter fünf Minuten vor dem Ende seiner FCB-Karriere einen Gegentreffer zumutete, war im Übrigen der spätere Schweizer Nationalverteidiger Lucio Bizzini.

14 Länderspiele

Nach 1975 folgte als neue Nummer 1 Jean Müller und zweite Jahre später mit Hans Küng ein weiterer Schweizer Nationalgoalie. Marcel Kunz selber hängte in der Saison 1975/76 noch ein Jahr in der Nationalliga B beim FC Nordstern an, ehe er seine Spielerkarriere, zu der auch einige Länderspiele gehörten, beendete. 

Mit vereinten Kräften: Der Zürcher Stürmer Fritz Künzli wird von zwei Basler Verteidigern gebremst und Marcel Kunz kann den Ball so leicht abwehren. Der FCZ gewinnt dennoch auch den Cupfinal vom 22. Mai 1972, diesmal mit 1:0.

Obwohl für einen Torhüter relativ klein gewachsen (was in jener Zeit allerdings auch viele seiner Kollegen wie Grob, Barlie, Bersier, Donzé und andere zutraf), erhielt Kunz tatsächlich bald die ersten Aufgebote für die Schweizer A-Nationalmannschaft. In der war zwar in jenen Jahren Mario Prosperi (Lugano) gesetzt, und es gab mit anderen Könnern wie Karl Grob (FCZ), Jacques Barlie (Servette) und René Deck (GC) weitere starke Konkurrenten. Gleichwohl brachte es Kunz zwischen 1967 und 1971 auf immerhin 14 Länderspiele.

Ein treuer FCB-Begleiter

Nach seinem Anhängsel-Jahr bei Nordstern blieb Kunz dem Fussball noch geraume Zeit als Trainer erhalten, dies bei den Amateurclubs FC Langenthal, FC Oberwil, FC Riehen, FC Nordstern und SC Kleinhüningen, ehe er sich ganz seinem Beruf als Aussendienst-Mitarbeiter bei der Feldschlösschen AG widmete. Bis zu seiner Pensionierung blieb Kunz der Brauerei in Rheinfelden treu.

Zu seinem Lebensmittelpunkt gehörte damit auch mehr als es in seiner Fussballerzeit möglich gewesen war, seine Familie. 1968 verheiratete sich Marcel Kunz mit Sylvia Dienst, einer Tochter des legendären Schiedsrichters Gottfried Dienst. Tochter Corinne und Sohn Sascha kamen zur Welt und belebten die Wohnung in Riehen, die bis zu seinem Tod die Heimat der Familie Kunz blieb. 

Für den Meister-Cortège zum zweiten Stern reichte die Kraft nicht mehr.

Auch wenn Marcel Kunz im Verlauf der Jahre die Öffentlichkeit immer weniger suchte, blieb er dem FCB verbunden. Bis vor vier Jahren gehörte er der Senioren-Abteilung an, er schaute sich bis zuletzt jedes FCB-Spiel am Fernsehen an und hatte sich vor ein paar Jahren an seinem 70. Geburtstag sehr über den Gratulations-Besuch seines «Nachnachnachfolgers» Yann Sommer gefreut. 

Und noch am 3. Juni dieses Jahres erlebte er wenigstens auf «Telebasel» die Zwei-Sterne-Feierlichkeiten mit dem grossen Cortège in der Innenstadt mit – jenen fantastischen Umzug, zu dem er selbst auch auf einen Wagen der Benthaus-Ära eingeladen war. Seine Kräfte aber waren nicht mehr gross genug, um dieser Einladung Folge leisten zu können. Am Samstag, 22. Juli 2017, ist Marcel Kunz im Basler Claraspital nach längerer Krankheit gestorben.

«Unser Vater hat in seiner letzten Zeit das Näherkommen seines Sterbens annehmen können, weshalb für ihn, da sind wir uns in der Familie ganz sicher, der Tod eine Erlösung ist. Diese Gewissheit ist uns allen ein grosser Trost», sagt Tochter Corinna Gehrig-Kunz. 

Josef Zindel ist langjähriger Begleiter des FC Basel – als Journalist, als FCB-Kommunikationschef  und nun in der Funktion des Clubhistorikers.

Konversation

  1. Ist mir mind. ein halbes Dutzend mal passiert, dass ich kurz vor dem Ableben mir offenbar wichtiger Personen an sie dachte. meist 1 Woche zuvor. ein einziges Mal 3 Wochen. MK war der letzte, mir aber nicht persönlich bekannt. Die damalige FCB-Landhof-Zeit offenbar sehr prägend. Ich vermute es ist Verschränkung.

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  2. Kurzes und knappes «Dankeschön» dafür, dass ihr hier als einzige das für den FCB und seine Fans (keine «Fans») nicht unbedeutende Sportlerleben von Marcel Kunz würdigt.

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  3. Schon nur das schwarz weiss Foto ist ein Knaller. Diese Mannschaft war eine der Besten, die der FCB auf dem Platz hatte. Aber halt lang, war ich damals schon geboren? Ne, kann doch nicht sein…

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