Klein gegen Übergross

Einmal mehr ist der Torhüter der beste Spieler auf dem Feld. Tomas Vaclik wehrt sich mit Händen und Füssen, seine Vorderleute vor allem mit den Füssen, den in den Kopfballduellen sind die körperlich überlegenen Spieler von Manchester unantastbar.

Ein Debüt in der Champions League, das schwieriger kaum hätte sein können: Blas Riveros (rechts) gegen seinen Gegenspieler Ashley Young, der ihn das ganze Spiel über beschäftigte. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Tomas Vaclik | Torhüter

Es war wie so oft in solchen Spielen: Tomas Vaclik war der beste Basler, auch wenn diese drei Gegentore kassierten. Der Tscheche wehrte sich gegen Lukakus Schuss in der 15. Minute, rettete seine Farben im Liegen gegen Mkhitaryans Nachschuss (22.), holte sich bei einem Konter aufmerksam den Ball vor Lukaku (30.), parierte in der 52. Minute gegen Martial, nach einer Stunde wiederum gegen Lukaku und in der 67. Minute gegen Young. Ein weiteres Bewerbungsschreiben des Tschechen an die Adressen aller Premier-League-Vereine, zu denen er dereinst so gerne wechseln würde. 

Manuel Akanji | rechter Innenverteidiger

Kam nach 80 Sekunden in der Realität dieser Partie an, als er Lukakus Abschluss knapp vor der Linie abwehrte. Entweder verlor er in diesem Moment einen Teil seiner Nervosität beim ersten Champions-League-Einsatz – oder es wurde noch schlimmer. Unverändert blieb, dass auch Manuel Akanji als grösster Basler gegen die Spieler von Manchester eher klein wirkte.

Eine von Tomas Vacliks zahlreichen Paraden: Der Basler Torhüter war gegen dieses übermächtige Manchester der beste Basler.

Marek Suchy | zentraler Innenverteidiger

Und immer wieder Lukaku, wird sich Suchy während 90 Minuten gedacht haben. Gegen ihn sah auch der robuste Tscheche wie ein durchschnittlich trainierter Fussballer aus. Und wie so viele Innenverteidiger dieser Welt hatte auch er seine liebe Mühe, wenn der Ball immer wieder zur Spitze des englischen Offensivspiels gelangte. Dass er vor dem 2:0 zusammen mit Eder Balanta das Kopfballduell gegen Lukaku verlor, sollte nicht passieren – passiert aber ganz automatisch gegen Akteure dieser Gewichtsklasse.

Eder Balanta | linker Innenverteidiger

Der Draht, der ihn im Zaun halten sollte, glühte nach knapp einer halben Stunde beinahe durch: Balanta grätschte Mkhitaryan im vollen Lauf von vorne um und sah zurecht die gelbe Karte. Versuchte ansonsten, so nahe wie möglich am Gegenspieler zu sein, was schwer genug war. Beispielhaft für die Schwierigkeit der Aufgabe war die Szene, als er auch in Zusammenarbeit mit zwei Mitspielern Lukaku nicht stoppen konnte und dem Stürmer einen Abschluss zugestehen musste. 

Michael Lang | rechter Mittelfeldspieler

Stach gegen die Angriffe von Manchester immer wieder aus der Fünferkette heraus, um im Mittelfeld in die Zweikämpfe zu kommen. Überliess die Zone rechts hinten in diesen Fällen Renato Steffen, konnte sich nach einer Stunde nur noch mit einem Foul gegen Anthony Martial helfen und kassierte dafür Gelb. In der Offensive kam immerhin einmal eine von Langs Flanken ins Zentrum. 

Taulant Xhaka | zenraler Mittelfeldspieler

An ihm wurde überdeutlich, was im Old Trafford Sache war: Der FC Basel war diesem Gegner nur schon körperlich nicht gewachsen. Xhaka wurde beispielsweise von Lukaku derart wuchtig umgerannt, dass einem angst und bange werden musste um den kämpferischsten aller Basler Kämpfer. 

Luca Zuffi | zentraler Mittelfeldspieler

Hatte immerhin den besten Basler Abschluss in Halbzeit eins. Sein Dropkick verfehlte David De Geas Tor, Trainer Raphael Wicky führte die Hände in Gebetsstellung zum Mund, denn da wäre sie gewesen, eine dieser wenigen Chancen, die der FCB doch so unbedingt nutzen wollte. Ein Torerfolg, wie letzte Saison in der Königsklasse gegen Paris Saint-Germain, blieb Zuffi also verwehrt. Nicht verwehrt blieb ihm die Rolle des Mannes, der sich auch gerne mal eines Befreiungsschlags ins Nichts bediente, um die Gefahr vom eigenen Tor fernzuhalten.

Luca Zuffi (links) und Mohamed Elyounoussi in der Nachbearbeitung: Die beiden hatten die besten Basler Torchancen.

Blas Riveros | linker Mittelfeldspieler

Lieferte sich ein Privatduell mit Ashley Young und zog dabei regelmässig den Kürzeren. Dafür reichte dem englischen Aussenverteidiger zuweilen eine einzige, einfache Körpertäuschung. Beispielsweise in der Szene vor dem 1:0, als Riveros Young nicht am Flanken hindern konnte. Der Paraguayer erlebte ein Champions-League-Debüt mit solchen Tiefs, aber auch mit einigen Szenen, die ihm Mut machen dürfen. Mit dem Ball spielte er seine Schnelligkeit aus, so gut es gegen die physisch überragende englische Mannschaft eben ging.

Renato Steffen | rechter Flügelstürmer

Ehrlich war, wie er nach dem zweiten Gegentreffer hilflos die Hände auf seine Schenkel hämmerte. Überlegt war, wie er Sekundenbruchteile danach die Haltung bewahrte und seine Mannschaft antrieb, dieses Spiel nicht aufzugeben. Er selbst hatte die eine oder andere gute Szene mit dem Ball, vor allem nach der Pause, als er sich gegen vier Rote durchsetzte, zog aber in der Verteidigungsarbeit wie alle meist den Kürzeren.

Ricky van Wolfswinkel | Mittelstürmer

Vielleicht hatten die englischen Journalisten das gemeint, als sie Raphael Wicky am Tag vor dem Spiel gefragt hatten, ob van Wolfswinkel nicht ein überschätzter Stürmer sei. Zumindest bei seinem ersten Auftritt in der Champions League konnte er die Meinung der englischen Presse nicht ändern. Denn auf sich alleine gestellt sah er gegen den Tabellenführer der Premiere League kaum Land und wurde in der 66. Minute für Kevin Bua ausgewechselt. 

Der Basler Eder Balanta (rechts) gegen Manchesters besten Akteur: Marouane Fellaini.

Mohamed Elyounoussi | linker Flügelstürmer

Hätte beinahe doch noch einen Basler Treffer erzielt. Doch seinen Schuss nach einer Stunde wehrte der kaum beschäftigte De Gea mit einer feinen Parade ab. Dabei war der Abschluss von beinahe exquisiter Qualität. Mit einem Haken liess er den Gegenspieler ins Leere laufen, legte sich den Ball mit links auf den rechten Fuss und schoss aus spitzem Winkel. War zudem naher Beobachter der Szene, in der sich Paul Pogba verletzte.


Kevin Bua | Mittelstürmer

Ersetzte in der 66. Minute van Wolfswinkel und erlebte seinen ersten Einsatz in der Champions League. Die knappe halbe Stunde reichte nicht, um noch irgendeinen Strick zu zerreissen, auch keinen ganz, ganz dünnen.

Dimitri Oberlin | Stürmer

«Nein, nein», schien sich der im Mittelfeld allmächtige Fellaini gedacht haben und nahm Oberlin kurz vor dem Ende der Partie den Ball so einfach weg wie ein Viertklässler einem Erstklässler eine Süssigkeit. In der 77. Minute war Oberlin ins Spiel gekommen und erlebte bei seinem Debüt in der Königsklasse, was ihn in den kommenden Wochen in diesem Wettbewerb erwartet: ein übermächtiges Manchester und ein Lissabon, das in einer ähnlichen Gewichtsklasse spielt und ZSKA Moskau, das gegen Lissabon eine erste Überraschung schaffte.

Nicht eingesetzt beim FC Basel: Salvi (ET), Gaber, Fransson, Schmid, Calla

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Konversation

  1. Der Grundton dieser Beurteilung ist mir zu negativ. Der Auftritt des FCB war in vielen Hinsichten ganz ordentlich. Auch wenn es nicht immer gelangt, so wurde doch in vielen Situationen (vor allem in HZ 2) versucht, beim riesigen gegnerischen Druck nicht nur die Bälle nach vorne zu dreschen, sondern konstruktive Lösungen zu suchen. Man muss sich vergegenwärtigen, wer der Gegner war. Das MU von heute ist ein ganz anderes Kaliber als das MU, gegen das unter Fink ein 3:3 erspielt und erkämpft wurde.

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