Konfiszierte Pyrotechnik als Auslöser – FCB und Liga warten auf das Videomaterial

«Blick» und «Le Matin» publizieren Ausschnitte von Überwachungsvideos, die die Ausschreitungen im Rahmen des Spiels FC Sion–FC Basel dokumentieren. Sion sagt, dass der Auslöser für die Szenen konfiszierte Pyrotechnik gewesen sei. Der FC Basel und die Liga kennen die Bilder nur aus den Medien.

Auszug aus dem Videomaterial vom 18. April 2015 im Stade de Tourbillon in Sion: Die Fans des FC Basel stehen dem Walliser Sicherheitspersonal gegenüber. (Bild: Screenshot lematin.ch)

«Blick» und «Le Matin» publizieren Ausschnitte von Überwachungsvideos, die die Ausschreitungen im Rahmen des Spiels FC Sion–FC Basel dokumentieren. Sion sagt, dass der Auslöser für die Szenen konfiszierte Pyrotechnik gewesen sei. Der FC Basel und die Liga kennen die Bilder nur aus den Medien.

Am 18. April hat der FC Basel im Wallis gegen den FC Sion mit 1:0 gewonnen. Nach dem Spiel erhoben die Walliser Vorwürfe gegen die Fans des FCB, weil diese den Gästesektor zerstört hätten und zur Bedrohung für das Sicherheitspersonal geworden seien. 

Noch vor wenigen Tagen richtete der FC Sion aus, dass die Bilder der Überwachungskameras nicht den Medien zugespielt würden. Nun hat der «Blick» und «Le Matin» Auszüge davon erhalten und publiziert.

» Ausschnitt des «Blick»
» Ausschnitt von «Le Matin»

FCB und Liga haben die Videos noch nicht erhalten

Der FC Basel richtet derweil aus, dass er die Bilder nur aus den Medien kenne. Noch immer warte man auf das komplette Material, eine Beurteilung der Lage sei deswegen nach wie vor nicht möglich.

Die Swiss Football League bestätigt ebenfalls, die Videos noch nicht erhalten zu haben. Offenbar sei das Material aber inzwischen auf dem Postweg unterwegs, so habe es der FC Sion der Liga zumindest mitgeteilt, sagt Philippe Guggisberg, Kommunikationsverantwortlicher der SFL.

Sowohl der FCB als auch die Liga kennen die Bilder also nur aus den Medien. Sie zeigen den Eingangsbereich zum Gästesektor im Tourbillon, wo ein Teil der Basler Fans und das Sicherheitspersonal aneinandergeraten. Die vom Verein engagierte Sicherheitsfirma setzt chemische Reizmittel ein, um unter anderem ein Tor zu stützen, das die FCB-Fans zu öffnen versuchen. 

Auslösende Szene ist nicht zu sehen

Was auf dem Video nicht ersichtlich ist, sind die Gründe, warum es zu den Ausschreitungen kam. Die Sequenz setze nach der auslösenden Szene ein, wie Sions Mediensprecher Nicolas Pillet erklärt: «Unser Sicherheitspersonal hat bei den Basler Fans pyrotechnisches Material gefunden und konfisziert.» Das habe den FCB-Anhängern nicht gefallen und sei letztendlich die Ursache für die «Gewaltszenen» gewesen.

Das würde heissen, dass am Ursprung des Aufeinandertreffens von Sicherheitspersonal und FCB-Anhang das Verhalten einiger Basler Fans stand. Die Videos, rund zwei Minuten lang und sowohl vom «Blick» als auch von «Le Matin» mehrfach geschnitten, lassen allerdings zumindest keine eindeutige Schlussfolgerung in diese Richtung zu.

Das Videomaterial umfasst insgesamt rund 20 Minuten

Klarheit würde möglicherweise die Sichtung des ganzen Materials schaffen. «Rund 20 Minuten» bewegte Bilder habe der FC Sion zur Szene, dem «Blick» stünden davon ca. 10 Minuten zur Verfügung, sagt Pillet und stellt klar: «Das Medium hat selbst entschieden, welchen Ausschnitt es davon zeigt.»

Die Veröffentlichung des Videos habe derweil nichts mit der Tatsache zu tun, dass der Gegner der FC Basel war: «Es schien uns wichtig, diese Bilder zu veröffentlichen, was wir schliesslich freiwillig getan haben. Wir hätten das bei den Fans jedes anderen Vereins ebenfalls gemacht. Auch, wenn es unsere eigenen gewesen wären», sagt Pillet.

Die Polizei als beobachtender Akteur

Die Polizei, so der Mediensprecher, sei nicht an den Szenen beteiligt gewesen, sondern habe die Geschehnisse lediglich von aussen beobachtet. Den FCB-Fans gegenüber stand also ausschliesslich das vom FC Sion organisierte Sicherheitspersonal: einerseits die Personen mit den weissen Pullovern, die für die Eingangskontrollen zuständig sind, und andererseits die Personen mit den roten Helmen, die bei Hochrisikospielen nicht besser gerüstet seien als bei anderen Begegnungen.

Mit der Publikation des Videomaterials betrachtet der FC Sion die Affäre vorläufig als abgeschlossen. Wegen der Sachschäden hat der FC Sion zusammen mit der Gemeinde Sitten, der Besitzerin des Stadions, eine Klage gegen Unbekannt eingereicht. Der Verein lässt nach wie vor offen, ob er bei künftigen Spielen gegen den FC Basel den Gästesektor geschlossen lässt.

Konversation

  1. „Was auf dem Video nicht ersichtlich ist, sind die Gründe, warum es zu den Ausschreitungen kam. Die Sequenz setze nach der auslösenden Szene ein, wie Sions Mediensprecher Nicolas Pillet erklärt“

    Was – wie schon ehedem in Zürich – sehr stark darauf schliessen lässt, dass hier von Sittener Seite etwas verheimlicht werden soll, das ihnen nicht in den Kram passt.

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    1. Zitat Dänny: Was – wie schon ehedem in Zürich – sehr stark darauf schliessen lässt, dass hier von Sittener Seite etwas verheimlicht werden soll, das ihnen nicht in den Kram passt.

      Replik:

      Theaterfestspiele Sitten 2015: Der Krawall der konkordatslosen Basler Erlebnisfans; uraufgeführt in Social Media; kommentiert vom Mob

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  2. Lustig ist ja zum einen mal, dass sich im Forum eines differenzierten Mediums wie der TaWo die undifferenziertesten Leser am lautesten zu Wort melden.

    Zum anderen: Dass Boulevardmedien vom FC Sion mit dem Bildmaterial beliefert werden, während die indirekt beteiligten Parteien (Liga, FCB) darauf warten müssen, ist nichts anderes als skandalös.

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  3. Es ist beschämend, wie schon ohne sich Fragen zu stellen medial (nicht hier, zum Glück) pauschalisiert wird. Es ist nicht das erste mal, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Fans am Eingang kommt. In der Vergangenheit war der Auslöser auch das Verhalten der Sicherheitskräfte. Nicht so lange ist es her, dass sich ein Mitarbeiter auf Facebook damit gerühmt hat, sich aufs Spiel zu freuen, damit er Basler verdreschen kann (das „Basler“ kann beliebig ersetzt werden). Einfach so eskaliert eine solche Situation nicht. Oder ist ein solches Beispiel irgendwie das, was man von „echten“ Securitymitarbeiter erwartet?: https://www.youtube.com/watch?v=CRLCYyHIpOI – Auf dem Blick-Video sieht man, wie Fans weggezerrt werden. Und zwar so, dass einige einschreiten. Ich gehe davon aus, dass man davor noch einiges mehr sehen kann. Dinge, die dem Boulevard nicht dienlich sein könnten, ein einfaches, undifferenziertes Bild von „all den Fussballkrawallbrüder“ zu zeigen. Die Auflage zählt. Nach der Abführung und einigen aufgebrachten Fans sieht man sofort den Gebrauch der Spraydose anstatt deeskalierend zu wirken. Gewalt statt Worte zu verlieren. Warum der Bildschnitt des Blicks nach dem Spraydoseneinsatz?

    Ich wäre dankbar, dass man die Besucher in Sion nicht in einen Topf wirft mit Matchbesucher, die Petarden nach unten werfen und in Pratteln die Notbremse zu ziehen, um beim Bahnhof mal so richtig die Sau rauszulassen. Immer schön Differenzieren. Sion war ein Konflikt, der laut Bilder völlig unnötig eskalierte (wie lange dauert so eine Securityausbildung? Was wird dort gelehrt?). FCB:FCZ war dümmste Randale. Den Befürworter irgendwelcher Hardliner-Schwachsinnsgesetze soll es ja recht sein. Die Medien bringen das, was der dumme Pöbel hören will. Service für die Auflage, nicht zur Reflektion irgendwelcher Wahrheit.

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  4. Wir sollten uns glücklich schätzen, dass uns Bewegtbilder des gelebten «Enthusiasmus» des Basler Anhangs zur Verfügung gestellt werden.

    Aber bereits wird wieder abgewiegelt (es gilt die Unschuldsvermutung).

    Es braucht tatsächlich Tote.

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