Michael Lang und der Ketchup-Effekt

Mit einer gewissen Anlaufzeit findet der FC Basel in Luzern zu einem überzeugenden Auftritt, der Trainer wechselt goldrichtig ein, Luca Zuffi demonstriert seine Fertigkeit mit links wie mit rechts und der Mann der Stunde heisst Michael Lang. Der Verteidiger schnürt beim 4:1-Sieg den zweiten Doppelpack seiner Karriere.

Es ist nicht überliefert, was sich die beiden zu sagen hatten – aber Michael Lang (links) erlebte als Doppeltorschütze den angenehmeren Abend als Reto Ziegler, der Teil einer beklagenswerten Luzerner Defensive war. (Bild: Manuel Geisser)

Tomas Vaclik  |  Torhüter

Neben ein bisschen Torhüter-Kleinkram, der halt so während 92 Minuten in Luzern anfällt und zu erledigen ist, sind es unter dem Strich zwei Bälle, die Vaclik aufs Tor bekommt: Den ersten lenkt Demhasaj zur Führung der Hausherren ins Tor, den zweiten Ball von Juric in der 39. Minute parierte Vaclik. Damit ist die Hauptarbeit erledigt; mehr kommt von den ziemlich blutleer wirkenden Luzernern nicht.

Michael Lang  |  rechter Aussenverteidiger

Wenn einer auch aus persönlicher Sicht auf eine «perfekte Woche» zurückblicken darf, dann Lang. Tor gegen den FC Sion, Tor gegen Manchester United, zwei Tore in Luzern. Nach vielen vergebenen Chancen in der ersten Saisonphase knüpft der Offensivverteidiger an seine herausragende Skorerquote des zurückliegenden Jahres an und spricht vom «Ketchup-Effekt» – erst kommt nichts, dann alles auf einmal. Zum zweiten Mal in seiner Karriere gelingt ihm ein Doppelpack, nachdem er in der ersten Saison im FCB-Dress ausgerechnet gegen seinen früheren Club GC zweimal getroffen hatte. Diesmal schüttelt er bei Tor Nummer 1 erst Rodriguez ab, lässt Ziegler stehen und markiert mit einem staubtrockenen Linksschuss den Ausgleich. Dann geht er in der Nachspielzeit noch einmal einen ganz weiten Weg und trifft mit einem elegaten Chip. Wieder mit seinem schwächeren linken Fuss. Und der Mann der Stunde beim FCB frohlockt: «Das Selbstverständnis und die Überzeugung sind zurück.»

Mit links: Verteidiger Michael Lang überwindet Luzern-Goalie Jonas Omlin beim 4:1 ein zweites Mal.

Marek Suchy  |  rechter Innenverteidiger

In der ersten Halbzeit von Demhasaj oder Juric noch in die eine und andere heikle Situation gebracht, liefert der Patron in der Viererkette nach Seitenwechsel eine ganz souveräne Leistung ab, ist zusammen mit Balanta eine für bescheidene Luzerner unüberwindbare Wand. Ausserdem auf Suchys Habenseite: der haargenaue 40-Meter-Pass auf Itten zum 3:1.

https://tageswoche.ch/sport/live-das-aufwaermprogramm-vor-luzern-basel-19-uhr/

Eder Balanta  |  linker Innenverteidiger

Eigentlich ein starkes Spiel vom Kolumbianer, der im ersten Durchgang nach stehenden Bällen auch zweimal aussichtsreich per Kopf zum Abschluss kommt und ansonsten den Luzerner Spitzen nichts zugesteht. Doch da sind noch zwei Szenen, die für Gesprächsstoff sorgen: Bei der Luzerner Führung kann er Demhasaj nicht am Torschuss hindern und strauchelt im letzten Moment auch noch. Dann hat er ziemlich Glück, dass Schiedsrichter Jaccottet seine Intervention gegen Juric zu Balantas Gunsten entschied. Die Fernsehbilder zeigen: Das hätte auch ein Notbremsenurteil mit Platzverweis hergegeben.

Raoul Petretta  |  linker Aussenverteidiger

Muss ein hässliches und schmerzhaftes Foul von Kryeziu einstecken, das dem Gegenspieler immerhin die Höchststrafe einträgt: rote Karte in der 86. Minute. Bis dahin liefert Petretta erneut einen höchst soliden Match mit sicherem Passspiel ab. Mit mehr Geistesgegenwart hätte er die Freistossflanke von Rodriguez zum 1:0 vielleicht bremsen oder ablenken können.

Taulant Xhaka  |  zentraler Mittelfeldspieler

Am Mittwoch gegen Manchester schaute er gesperrt zu, und somit ist er eine willkommene frische Kraft im FCB-Zentrum. Mit der üblichen Allgegenwärtigkeit macht Xhaka seine Sache gut. Kassiert in der 50. Minute die einzige gelbe Karte gegen den FCB und leistet sich nach dem Foul auch noch eine unschöne Geste gegen Christian Schneuwly.

Luca Zuffi, hier gegen den später vom Platz gestelltten Hekuran Kryeziu, zauberte zwei feine Torvorbereitungen auf das tiefe Geläuf in der Swissporarena.

Luca Zuffi  |  zentraler Mittelfeldspieler

Seine Startphase in der Swissporarena gipfelt in einem fiesen Fehlpass, unbedrängt in der eigenen Hälfte und meterweit am Adressaten vorbei ins Seitenaus. Danach reisst sich Zuffi wie einige anderen Teamkollegen auch am Riemen, ist der umsichtige, immer anspielbare Zuffi wie man ihn kennt. Und er packt die feine Klinge aus: Erst bei einem Doppelpass mit Lang und einem weiten Zuspiel in den Lauf Langs vor dem Ausgleich. Mit dem eher sparsam eingesetzten rechten Fuss timt Zuffi dann das ideale tiefe Zuspiel vor dem 1:4. Wieder auf Lang. Unterm Strich eine starke Vorstellung Zuffis.

https://www.bluewin.ch/de/sport/fussball/2017/11/25/basler-ungeschlagenheit-haelt-an.html

Alexander Fransson  |  zentraler offensiver Mittelfeldspieler

In der Super League in der Startelf stand der Schwede letztmals vor einem Vierteljahr – beim 1:1 gegen Lugano. In Luzern hat Fransson ein paar gute und ein paar weniger gute Szenen. Ein Tor hätte er fast machen müssen, hebt der 28. Minute jedoch den Ball aus bester Position übers Tor, und nach einer Stunde verstolpert er einen ebenso aussichtsreichen Ball. Kurz darauf ist dann Stabübergabe an Oberlin, und Fransson hat nur bedingt Argumente in eigener Sache gesammelt.

Renato Steffen  |  rechter Flügelspieler

Ihm schien der Mittwoch und der Kraftakt gegen Manchester noch am meisten in den Kleidern zu stecken. Aufsehenerregendes gelingt ihm jedenfalls nicht. Er ist für einmal eher Mitläufer denn Vorkämpfer.

Sehenswert: Die Flanke von Elyounoussi verwandelt Dimitri Oberlin mit einem Hechtkopfball zur wegweisenden 2:1-Führung in Luzern.

Mohamed Elyounoussi  |  linker Flügelspieler

Wie in den vergangenen Spielen auch, ist der Norweger wieder einer der Aktivposten in den Basler Reihen. Für den Gegner nicht zu kontrollieren, weil ständig in Bewegung und die Freiheiten nutzend, die er in Ballbesitz geniesst. Legt im ersten Durchgang wunderschön für Fransson auf, scheitert in der zweiten Halbzeit mit zwei Abschlüssen von der Strafraumkante und findet schliesslich Oberlin beim 1:3 mit einer gefühlvollen, passgenauen Flanke. Damit verteidigt Elyounoussi mannschaftsintern die Position 1 mit den meisten Skorerpunkten.

Albian Ajeti  |  Angriffsspitze

Immer wieder Ajeti – die Strichliste der aussichtsreichen Bälle, die ihn erreichen, wird in der ersten Halbzeit lang und länger. Chance um Chance eröffnet sich ihm – das dritte Saisontor will ihm aber nicht gelingen. Die beste Gelegenheit vergibt er in der 34. Minute nach schönem, tiefen Zuspiel von Fransson. Unter dem Strich ein ziemlich unglücklicher Auftritt Ajetis gemessen an den Möglichkeiten.


Dimitri Oberlin  |  Angriffsspitze

Für Fransson in der 63. Minute eingewechselt, braucht er sechs Minuten, um mit seinem vierten Meisterschaftstor dem FCB in Luzern auch ergebnistechnisch den Weg zu weisen. Völlig freistehend kann er zum Hechtkopfball ansetzen. Der Rest ist wie gehabt oberlinesk: eine Aktion beginnt vielversprechend, dann verheddern sich die lange Beine irgendwie mit dem Ball und dem Gegner oder beidem. Oberlin ist Unberechenbarkeit und Wundertüte in einem.

Klasse-Tor: Cedric Itten schüttelt mit perfekter Ballan- und mitnahme auf dem Weg zum 1:3 den Luzerner Lucas Alves ab.

Cedric Itten | Angriffsspitze

Ricky van Wolfswinkel, dessen Mittelfussbruchs wegen Itten aus Luzern zurückgeholt wurde, taucht in der Swissporena als Zuschauer auf. Meldet sich der Niederländer demnächst matchfit zurück, hat Itten einen noch schwereren Stand in der Stürmerhierarchie. Was gibt es also für ein besseres Argument, als elf Minuten nach der Einwechslung für Ajeti ein Tor zu erzielen? Feine Ballan- und mitnahme inklusive. Itten weiss um seine schwierige Position im Konkurrenzkampf, weiterführende Gedanken schiebt er aber in die Winterpause hinaus, und Sportchef Marco Streller sagt über Ittens 22 Minuten in Luzern anerkennend: «Das war Werbung in eigener Sache.»

Manuel Akanji  |  Innenverteidiger

Seine Einwechslung in der 79. Minute für Steffen ist rein taktischer und ergebnissichernder Natur. Fast ein Murat-Yakin-Gedächtnis-Wechsel. Die Rechnung mit einer Dreierabwehrkette in der Schlussphase geht auf und Akanji kommt somit auch im 16. Meisterschaftsspiel zum Einsatz, nach dem er erstmals in dieser Saison vom Trainer eine Verschnaufpause erhalten hat.

Nicht eingesetzt beim FC Basel: Mirko Salvi (Tor), Blas Riveros, Dominik Schmid, Davide Callà.

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