Mit dem richtigen Mass an Arroganz – Xherdan Shaqiri blüht in Liverpool auf

Xherdan Shaqiri hat noch einmal einen Karrieresprung gemacht. In Liverpool sieht er sich zwar mächtiger Konkurrenz ausgesetzt, doch hat er dort einen Trainer, der ihn schätzt und neue Einsatzgebiete ausprobiert. Vielleicht auch in der Champions League gegen ein Team aus Serbien.

Förderer: Jürgen Klopp, 1,93 Meter gross, mit dem fast 30 Zentimeter kleineren Xherdan Shaqiri beim Spiel in Huddersfield.

Es war sein bislang bester Auftritt für den neuen Arbeitgeber. Und erst noch in einer Rolle, in der man ihn gerne sieht. In der Partie des Liverpool FC bei Huddersfield Town kam Xherdan Shaqiri letztes Wochenende nicht auf dem rechten Flügel, sondern etwas zurückversetzt in einer Dreierreihe im Mittelfeld zum Einsatz.

Anpassungschwiergigkeiten zeigte er keine. In einem zähen Spiel war er ein Aktivposten und trug entscheidend zum 1:0-Erfolg seines Klubs bei.

In der 24. Minute spielte er einen geschickten Steilpass in den Strafraum. Torjäger Mohamed Salah, der in der laufenden Saison noch nach der Leichtigkeit der letzten Spielzeit sucht, vollendete zum Siegtreffer. Eine Co-Produktion zweier Ehemaligen aus Basler Schule quasi.

Die Tabelle der Premier League

Nicht nur wegen seiner Torbeteiligung wirkte Shaqiri hinterher heiter und entspannt. Er ist auch ganz grundsätzlich mit seinem Start in Liverpool zufrieden. «Es war mir wichtig, diesen Transfer zu machen. Ich bin wirklich froh, hier zu sein. Der Prozess verläuft gut», sagte er, als er nach dem Spiel mit einer Kapuze auf dem Kopf und einem Kulturbeutel unter dem Arm das Stadion verliess.

Shaqiri hat im Sommer noch einmal einen Karrieresprung gemacht, den viele so nicht mehr erwartet hatten. Er wechselte von einem Absteiger zu einer Mannschaft mit Titel-Ambitionen in der Premier League. Von Stoke City wurde er – angeblich dank einer Ausstiegsklausel von umgerechnet knapp 17 Millionen Schweizer Franken – nach Liverpool transferiert.

Vorbereiter von Liverpools Siegtor in Huddersfield: Xherdan Shaqiri spielte in einer neuen Rolle im Mittelfeld.

Der Klub von der Anfield Road hat kräftig aufgerüstet. Neben Brasiliens Nationaltorwart Alisson vom AS Rom, der umgehend einen Platz in der ersten Elf bezogen hat, kamen vor allem Spieler, die den Kader in der Breite verbessern und Trainer Jürgen Klopp mehr Optionen verschaffen sollen.

Shaqiris Wechsel – ein «no brainer»

Einer dieser Spieler ist Shaqiri, der gerade seinen 27. Geburtstag gefeiert hat. «Ich hatte persönlich eine gute Saison in Stoke, doch ich wollte wieder Champions League spielen. Da rief mich Jürgen an und ich habe zugesagt.» So einfach klingt das in Shaqiris Worten.

Für den Trainer war der Transfer ein «no brainer», wie er es im Sommer formulierte, also eine leichte Entscheidung. Oder angesichts des finanziellen Aufwands: ein Klacks. «Wenn so ein Spieler verfügbar wird, musst du reagieren, wenn du schlau bist – das haben wir gemacht», sagte Klopp. Er schätzt an Shaqiri neben seinem Tempo und seinen technischen Fähigkeiten «das richtige Mass an Arroganz auf dem Platz».

Pudelwohl in Liverpool: Xherdan Shaqiri mit Dejan Lovren und Mohamed Salah.

Auf Shaqiris Spiel übertragen, lässt sich Klopps Beurteilung als eine Mischung aus Frechheit und Unverschämtheit lesen. Allerdings nur im begrenzten Rahmen. Shaqiri absolvierte für seinen neuen Klub erst sieben Einsätze in der Premier League, der Champions League und im Ligapokal und stand dabei nur dreimal in der Startelf.

Die Partie in Huddersfield war Shaqiris erstes Ligaspiel für Liverpool über die volle Distanz. Anders als noch in der vergangenen Saison sieht er sich mit grosser Konkurrenz konfrontiert.

«Versuche es dem Trainer so schwer wie möglich zu machen»

Shaqiri muss um seine Einsätze kämpfen und hat damit nach eigener Aussage kein Problem: «Der Trainer kennt meine Qualitäten. Ich versuche natürlich, ihm die Entscheidung so schwer wie möglich zu machen mit guten Leistungen und gutem Training. Langfristig will jeder immer in der ersten Elf stehen. Aber ich bin relativ relaxed.»

In Liverpools Angriff sind unter normalen Umständen Sadio Mané, Roberto Firmino und Salah gesetzt. Das Trio brachte es in der abgelaufenen Spielzeit zusammen auf sagenhafte 91 Tore. Shaqiri könnte künftig öfter eine Aufgabe im Mittelfeld zukommen. Zum Vorteil von Spieler und Klub.

Nach dem Verkauf von Regisseur Philippe Coutinho an den FC Barcelona Anfang des Jahres und wegen der Langzeitverletzung des offensiv starken Alex Oxlade-Chamberlain fehlt Liverpools Mittelfeld bisweilen die Kreativität. James Milner, Jordan Henderson und Georginio Wijnaldum, denen Klopp im Moment diese Zone anvertraut, sind eher seriöse Arbeiter. Shaqiri hat das Zeug, Liverpools Spiel im Zentrum unberechenbarer und zielstrebiger zu machen.

Serbien? Da war doch was

Die nächste Chance dafür könnte sich an diesem Mittwoch im Vorrundenspiel der Champions League gegen Roter Stern Belgrad an der Anfield Road bieten. Nach dem Sieg zum Auftakt gegen Paris Saint-Germain und der Niederlage beim SSC Neapel sollte für Liverpool gegen den vermeintlich schwächsten Gruppengegner vor eigenem Publikum ein Sieg her.

Serbien? Da war doch was. «Es ist nur ein Fussballspiel», beschwichtigt Xherdan Shaqiri vor dem Champions-League-Spiel des Liverpool FC gegen Roter Stern Belgrad.

Die Partie gegen den Klub aus Serbien steht für den gebürtigen Kosovaren wie immer unter speziellen Vorzeichen. Der Doppeladler-Jubel und die Affäre nach dem Schweizer 2:1-Erfolg an der WM gegen Serbien sind gerade erst verraucht. Die Fifa brummte Shaqiri, Granit Xhaka und dem solidarischen Captain Stephan Lichtsteiner dafür eine Geldstrafe auf.

https://www.20min.ch/schweiz/news/story/Shaqiri-erklaert-seine-Beziehung-zur-Schweiz-26002173

Vor der Partie in der Champions League glaubt Belgrads Geschäftsführer Zvezdan Terzic, dass Shaqiri «unter unglaublichem psychologischem Druck» stehe. Der Spieler versucht, die Lage nicht weiter anzuheizen. «Natürlich, vielleicht werde ich ausgepfiffen. Aber am Ende ist es nur ein Fussballspiel. Es ist Sport, keine Politik», sagt er.

Am Mittwoch hat Shaqiri nicht viel zu befürchten, weil für die Partie an der Anfield Road keine Fans von Roter Stern zugelassen sind. Das Rückspiel in Belgrad ist für den 6. November terminiert.

Liverpools genährte Hoffnung auf einen Titel

Liverpool will in dieser Saison das lange Warten auf einen Titel beenden. Die bislang letzte Meisterschaft stammt aus dem Jahr 1990, in der Champions League verpasste der Klub durch die unglückliche Finalniederlage im Frühjahr gegen Real Madrid den ersten Triumph seit 2005. Die Offensive auf dem Transfermarkt und der gute Start in die Spielzeit haben im Klubumfeld Zuversicht ausgelöst.

In der Premier League ist Liverpool noch ungeschlagen und liegt nach neun Spieltagen punktgleich mit Titelverteidiger Manchester City an der Tabellenspitze. «Man muss den Ball flach halten», sagt Shaqiri, «aber langfristig will ich mit diesem Verein Titel gewinnen.»

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