Mit Pogba und Zlatan hat Manchester wieder gut brüllen

Vor dem Auftritt in der Champions League in Basel bringt sich Manchester United in Stimmung – nicht zuletzt durch die Rückkehr zweier schillernder Figuren. Während Paul Pogba am Mittwoch geschont werden könnte, darf sich Basel wohl auf Zlatan Ibrahimovic freuen.

Torjubel mit Handschellen-Geste für die Opfer der Sklaverei: Paul Pogba feiert bei seinem Comeback den Treffer zum 3:1 für Manchester United. Hinten der fabelhafte Spielmacher Juan Mata. (Bild: Imago/Simon Bellis)

Dass grosse Spieler nicht immer 90 volle Minuten brauchen, um einem Spiel ihren Stempel aufzudrücken, ist nicht die neueste Erkenntnis. Paul Pogba aber gelang bei seiner umjubelten Rückkehr nach zweieinhalbmonatiger Verletzungspause am Samstagabend ein noch grösseres Kunststück: Der Franzose sorgte mit einer Aktion für Begeisterungsstürme im Old Trafford, als er gar nicht mehr auf dem Platz stand.

Sekunden nach seiner Auswechslung in der 70. Minute hatte der 24-Jährige ein kleines Tänzchen vor dem Spielertunnel aufgeführt. Die beschwingten Hüftschlenker galten Manchester-United-Kollege Romelu Lukaku, der gerade zum 4:1-Endstand im Match gegen Newcastle United getroffen hatte, und versetzten das sowieso schon hoch zufriedene Publikum vollends in Ekstase.

Ein Spieler tänzelt seine gute Laune –  Paul Pogba:

Nach Wochen des tristen Verwaltungsfussballs herrscht bei den Red Devils wieder höllische Partystimmung. Mit Pogba ist bei United auch der Spass zurückgekehrt. «Er bringt die Tricks vom Spielplatz mit und zeigt sie vor 80’000 Leuten im Stadion», sagt Manchesters Ex-Verteidiger Rio Ferdinand.

Trainer José Mourinho liess sich von der Euphorie um das Comeback des grossen Entertainers in der Zentrale nur bedingt mitreissen. Der Portugiese beschrieb Pogba als «eine Klasse für sich» und attestierte ihm eine «Top-Leistung», klang dabei aber in etwa so lebenslustig wie die Computer-Ansagen in der Trambahn. Man hatte beinahe das Gefühl, dem 54-Jährigen war es ein wenig zu viel der guten Laune.

«Nachmittag der alten Schule»

Mourinho ahnte vielleicht, dass die Anhänger des Rekordmeisters sich unter anderem auch darüber freuten, dass United mit jenem Schuss Draufgängertum agiert hatte, der ihm, dem unerbittlichen Ergebnistrainer, eigentlich zuwider ist. In der United-Abwehr hatte es gerade in der ersten Hälfte, vor und nach dem 0:1 von Dwight Gayle (14.) mitunter gehörig gewackelt, nicht zuletzt Pogba hatte die Defensivarbeit beim Gegentreffer der Magpies (Elstern) ein wenig vernachlässigt.

Beim Gegentor schlampte Pogba, dann bereitete er einen brillanten Treffer vor und erzielte das 3:1 höchstselbst.

Doch die Imperfektion in der Statik machte den Sturmlauf der Gastgeber erst zu einem Spektakel, das an die Ära von Alex Ferguson erinnerte. «Es war ein Nachmittag der alten Schule», notierte die «Daily Mail».

Mit Pogba hatte United zu Saisonbeginn vier von fünf Spielen in Liga und Champions League gewonnen. Sein Ausfall im Heimspiel gegen den FC Basel – eine Oberschenkelverletzung als angebliche Folge eines nicht vom Club genehmigten Sondertrainings – fiel nicht zufällig mit einem Unentschieden (0:0 in Liverpool) und zwei Niederlagen (1:2 in Huddersfield, 0:1 bei Chelsea) zusammen.

Boden in der B-Note gutgemacht

Es war eine Mini-Krise, die United möglicherweise bereits die Meisterschaft gekostet hat. Spitzenreiter Manchester City scheint mit acht Punkten Vorsprung uneinholbar enteilt und hat dazu noch den weitaus unterhaltsameren Fussball gezeigt. Immerhin im Bereich der B-Note konnte Mourinhos Equipe am Wochenende Boden gut machen.

Pobgba ist nicht nur aufgrund seiner ausser-sportlichen Starqualitäten von enormer Bedeutung für die Roten. Der Mann aus Lagny-sur-Marne, einem Vorort auf halber Strecke zwischen Paris und Disneyland, bringt mit seiner Dynamik und Kreativität die besonderen Momente in das eher unterdurchschnittlich besetzte Mittelfeld. Vor allem aber kann United dank ihm Mourinhos Lieblingstaktik des Umschaltspiels viel besser umsetzen.

Einweisung für einen Routinier: José Mourinho (rechts) mit Zlatan Ibrahimovic vor dessen Comeback nach sieben Monaten Verletzungspause.

Pogbas unwiderstehliche Vorstösse mit Ball am Fuss erlauben blitzartigen Raumgewinn aus tiefen Abwehrstellungen und bringen so dringend benötigtes Tempo auf den Rasen. Ohne sein genialisches Moment wirkte der Spielaufbau beim Tabellensechsten des Vorjahres dröge und schemenhaft.

Zlatan Ibrahimovic: «Löwen erholen sich schneller»

Pogba, der die Partie mit seinem Treffer zum 3:1 für die Hausherren (54.) entschieden hatte, widmete das Tor mit einer Handschellen-Geste den Opfern der «Sklaverei in Libyen» und bedankte sich mit einem «Merci» im TV-Interview für die Liebesbekundungen der Fans. Für United ist der Franzose so wichtig, dass Mourinho erwägt, ihn beim Abstecher in den St.-Jakob-Park am Mittwoch zu schonen.

Aber der Trainer hat in Zlatan Ibrahimovic ja noch einen zweiten grossen Individualisten wieder zur Verfügung. Der Schwede wurde nach einem Kreuzbandriss und siebenmonatiger Pause dreizehn Minuten vor Schluss eingewechselt und trug allein mit seiner Anwesenheit zur ausgelassenen Stimmung bei. Er habe nie an seinem Comeback gezweifelt, beschied der 36-Jährige den Reportern gewohnt bescheiden, denn «Löwen erholen sich schneller als Menschen».

Mit Zlatan und Pogba können sie jetzt wieder gut brüllen – und tanzen – bei United. Keine guten Nachrichten für Basel.

So spielte Manchester United beim 4:1 gegen Newcastle: De Gea – Valencia (C), Lindelof, Smalling, Young – Matic, Pogba (70. Fellaini) – Rashford, Mata (83. Herrera), Martial (77. Ibrahimovic) – Lukaku.

Manchester United vs Newcastle Zusammenfassug und Tore 18/11/2017 | Premier League by footbie.com

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