Neuenschwander und Kreienbühl jubeln in Zürich

Am 10. Zürich Marathon stellten sich Maja Neuenschwander und Christian Kreienbühl perfekt auf schwierige Bedingungen ein. Beide wurden belohnt: Sie mit erfüllter Olympia-Limite und er mit dem ersten Schweizer Meistertitel und persönlicher Bestzeit.

Die Bernerin Maja Neuenschwander strahlt nach der Unterbietung der Olympia-Limite beim 10. Zürich Marathon. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Am 10. Zürich Marathon stellten sich Maja Neuenschwander und Christian Kreienbühl perfekt auf schwierige Bedingungen ein. Beide wurden belohnt: Sie mit erfüllter Olympia-Limite und er mit dem ersten Schweizer Meistertitel und persönlicher Bestzeit.

Die Tagessieger jubelten im Ziel verhalten. Sie kämpften gegen Wind und Kälte: Franklin Chepkwony (Ken) und Workenesh Tola (Äth). In 2:10:57-Stunden siegte er, in 2:31:23-Stunden sie, beides starke, aber keine Topzeiten. «Meine Muskeln erreichten zwar die nötige Betriebstemperatur», sagte Chepkwony, «aber die Extremitäten wurden unangenehm steif und gefühllos.» Er war wie die meisten Afrikaner mit Bedingungen konfrontiert, die er kaum kennt. Erstmals lief Chepkwony in Europa die 42,195 km. Dass er dabei zwei Sekunden unter Viktor Röthlins Zeit von dessen erstem Zürich Marathon blieb, hatte für ihn keine Bedeutung.

Röthlin bewundern liess sich zwar nicht beim 10-Jahr-Jubiläumslauf. Trotzdem aber schrieben die Einheimischen erfreuliche Renngeschichten. Vor allem die neuen Schweizer Meister Maja Neuenschwander, die Zweite bei den Frauen und Christian Kreienbühl, der Elfte bei den Männern. Beide zeigten ihm Ziel Emotionen, strahlten überglücklich und sprachen in Superlativen. Grosses erreichten sie: Neuenschwander unterbot die Limite für die Olympischen Spiele dieses Sommers in London, Kreienbühl durchbrach die 2:20-Stunden-Grenze, was in Zürich seit Röthlin und seit 2007 niemandem mehr geglückt war.

Röthlins Aufmunterungs-SMS

Mit den beiden langjährigen Marathon-Begleitern Thomas Mullis und Stephen Staehli stieg die Berner Gymnasiallehrerin Neuenschwander optimistisch ins Rennen. Und die Kontinuität machte sich einmal mehr bezahlt. Die 32-Jährige konnte sich unterwegs ganz auf sich konzentrieren und einfach laufen, mitlaufen. Fürs restliche sorgten die beiden erfahrenen Langstreckler: für den nötigen Rhythmus, die Kontrolle der Zwischenzeiten, die regelmässige Verpflegung. Und für moralische Unterstützung.

So kam nie Aufregung auf, das Trio war stets im Fahrplan unterwegs. Spätestens auf der langen Zielgeraden am Mythenquai wusste Maja Neuenschwander: «Da kann nichts mehr schief gehen. Das grosse Ziel ist erreicht.» Nach 2:31:55-Stunden kreuzte sie die Ziellinie. Über 1:05-Minuten Reserve verfügte sie zum geforderten Minimalwert für Olympia. Und ihre eigene Bestmarke vom letzten Herbst in Berlin steigerte sie um nicht weniger als 1:50-Minuten.

Dieses Resultat war die Bestätigung für das konsequent durchgezogene Training ohne Konzessionen an Wetter, ohne Verletzungen oder Krankheit. Steigern konnte sie sich in ihrem zwölften Marathon vor allem auf dem letzten Streckenviertel. «Wir haben viel in im Hinblick auf diese Phase gearbeitet», betonte sie und lobte die Vorbereitung mit ihrer langjährigen Trainerin Sandra Gasser. Für einen moralischen Kick sorgte eine SMS von Viktor Röthlin, erhalten in den letzten Tagen vor dem Rennen: «Beiss auf die Zähne, Maja, kämpfe auf den letzten Kilometern, wenn’s hart wird und überall schmerzt. Es lohnt sich.» An diese Worte dachte die Bernerin auf dem letzten Abschnitt.

Auch Kreienbühl jubelt

Ebenfalls mit höchsten Glücksgefühlen hatte gut zwölf Minuten vor Maja Neuenschwander der Zürcher Oberländer Christian Kreienbühl (Rüti) das Ziel als elfter und erster Schweizer erreicht. Wie Neuenschwander errang er damit den Marathon-Meistertitel. «Idealer hätte dieses Rennen für mich kaum verlaufen können», sagte der IT-Spezialist bei einer Züricher Grossbank nach dem Rennen. «In den Tagen vor dem Rennen nannte ich als primäres Ziel das Durchbrechen der 2:20-Stundengrenze, als es dann aber derart regnete, verschob sich die Priorität, war mir die Rangierung am Wichtigsten.» Jetzt glückte ihm beides: eine Siegerzeit von 2:19:37-Stunden wie auch der erste Schweizer Meistertitel – letztes Jahr belegte er vier Mal Rang 2, im Marathon, über 10 km auf der Strasse und über 5000 und 10’000 Meter auf der Bahn.

Kreienbühl profitierte von keinen Tempomachern. Mit Patrick Wieser verfügte er aber über drei Viertel der Distanz über einen ebenbürtigen Mitkonkurrenten. «Wir harmonierten gut miteinander», sagte Kreienbühl und verdeutlichte: «Indem wir uns regelmässig in der Führungsarbeit ablösten, waren wir weniger dem zum Teil doch heftigen Wind ausgesetzt.»

Und damit glückte dem 31-Jährigen bei seiner sechsten Teilnahme die sechste Steigerung: von anfänglich 2:46:28 und zuletzt 2:24:54 und 2:21:47 nochmals um einen Schritt von 2:10-Minuten hinunter. Und damit unterstrich Kreienbühl seine längerfristigen Ambitionen in Richtung Europameisterschaftsmarathon von 2014 in Zürich.

 

10. Zürich-Marathon
Männer: 1. Franklin Chepkwony (Ken) 2:10:57. 2. Shadrack Kemboi (Ken) 2:11:10. 3. Hailu Begashaw (Äth) 2:11:13. Ferner: 11. (SM-1.) Christian Kreienbühl (Rüti ZH) 2:19:37. 12. (SM-2.) Patrick Wieser (Aadorf) 2:20:36. 16. (SM-3.) Adrian Marti (Rapperswil SG) 2:29:52. 18. (SM-4.) Patrick Jeanneret (Corminboeuf) 2:31:03. 20. (SM-5.) Stéphane Heiniger (Yverdon-les-Bains) 2:31:38. 21. (SM-6.) Stephen Staehli (Bern) 2:31:51.
Frauen: 1. Workenesh Tola (Äth) 2:31:23. 2. (SM-1.) Maja Neuenschwander (Rubigen) 2:31:55. 3. Abdi Tigist (Äth) 2:34:39. 4. (SM-2.) Jasmin Nunige (Davos Platz) 2:44:28. 5. (SM-3.) Olivia Kurtz (St. Gallen) 2:50:12. 6. (SM-4.) Julie Freudiger (Zürich) 2:51:07. 7. (SM-5.) Lucia Mayer-Hofmann (Stans) 2:53:24. 8. (SM-6.) Karin Jaun (Därligen) 2:53:36.

 

 


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