Norwegen: Der Fussballverband sieht Pyros als etwas Positives

Während in der Schweiz bereits der Besitz von Pyro-Materialien als gewalttätiges Verhalten gilt, versucht Norwegen eine etwas andere Herangehensweise an das Problem.

Während in der Schweiz bereits der Besitz von Pyro-Materialien als gewalttätiges Verhalten gilt, versucht Norwegen eine etwas andere Herangehensweise an das Problem.

Geht es um Pyro-Technik in Fussballstadien, dann tickt Norwegen anders als die Schweiz. Seit 2001 sind bengalische Fackeln in den Stadien erlaubt. Der Norwegische Fussballverband NFF vertritt sogar offiziell die Ansicht, dass Pyros nicht des Teufels sein müssen. Für eine solche Haltung würde ein Schweizer Liga-Vertreter wohl von Politikern und Medien über offener Flamme gegrillt. In Norwegen dagegen sagt Emil Waters, Justiziar des NFF, ganz selbstverständlich: «Wir denken, dass Pyros positiv zur Stimmung an den Spielen beitragen können.»


Komplett freigegeben ist das Abbrennen von Feuerwerk allerdings nicht. Es sind nur Fackeln erlaubt, die von Heimfans vor dem Anpfiff in der Nähe des Spielfelds und nicht auf den Tribünen abgebrannt werden. Und es braucht eine Bewilligung der örtlichen Polizei, der Feuerwehr und des Stadion- betreibers. Diese wird meist für zwölf Monate erteilt. Trotzdem müssen die Fans den Verband vor jedem geplanten Pyro-Einsatz um eine Berechtigung anfragen.

Der gute Dialog mit den Fans


Sämtliche Probleme sind mit dieser Regelung nicht aus dem Weg geräumt. Die Ultras sehen mit dem legalisierten Abbrennen die Spontaneität in den Kurven bedroht und zünden trotz des Verbots auf den Tribünen. Fünf bis sieben solcher Fälle gebe es pro Saison, sagt Waters: «Meist sind es Auswärtsfans. Insgesamt hat das illegale Abbrennen dank unserer Regelung stark abgenommen. Trotzdem braucht es noch Arbeit. Aber wir stehen in einem guten Dialog mit den Fans.»

Die Clubs werden mit Bussen von 4000 bis 10’000 Franken belegt, wenn ihre Anhänger gegen die Regeln verstossen. Der Verband könnte auch die Bewilligung für einen Pyro-Einsatz verweigern, um so illegales Abbrennen im Nachhinein zu bestrafen. Getan hat er das aber noch nie. «Wir wollen nicht die Mehrheit, die sich korrekt verhält, für das Verhalten einer Minderheit bestrafen», erklärt Waters einen weiteren Grundsatz, der in der Schweiz im Umgang mit Fussballfans ausser Mode gekommen ist.

Ratlos reagiert Waters auf die Frage, ob die liberale Haltung zu Pyros die Gewalt in und um die Stadien beeinflusst habe: «Das ist nicht zu beurteilen, weil das ja zwei unter- schiedliche Dinge sind.» In der Schweiz dagegen wird das Abbrennen von Feuer- werk rund um ein Fussballspiel explizit mit einer Gewalttat gleichgestellt. «Merkwürdig», findet das Waters.

Nächster Artikel