Punktesammler und ein frustrierter Torjäger

Die Basler Defensive bleibt beim 1:0 gegen die Grasshoppers zum zwölften Mal in dieser Saison ohne Gegentor, und Mohamed Elyounoussi äufnet sein Skorerkonto. Die Einzelkritik zu einer Mannschaft, die sich schwertut im Vorwärtsgang.  

Hinein ins Vergnügen: Ziemlich allein gelassen macht Mohamed Elyounoussi in der 74. Minute das Tor des Abends im Joggeli.

Tomas Vaclik  |  Torhüter

Zum zwölften Mal im 30. Ligaspiel bleibt der FCB ohne Gegentreffer, und dazu leistet der Tscheche im Tor mit zwei Paraden seinen persönlichen Beitrag. Erst als Pusic nach schönem Doppelpass mit Kodro aus kurzer Distanz, aber unpräzis abzieht (16.), dann gegen Andersen, der plötzlich frei vor ihm auftaucht. Das war in der 64. Minute beim Stand von 0:0 der wichtigste Beitrag von Vaclik zum vierten Basler Sieg in Serie.

Michael Lang  |  rechter Aussenverteidiger

Sucht immer wieder die Tiefe, ist der erste, der auf der Zürcher Grundlinie auftaucht und den ersten Corner herausholt. In einer Szene, in der er sonst langartig pflegt, das Risiko einer Direktabnahme zu nehmen, zögert er – und verpasst die Chance. Sein Distanzschuss in der 39. Minute geht der Grosschance für Campo voraus. Ansonsten in der Defensive mehr beansprucht als auch schon.

Marek Suchy  |  rechter Innenverteidiger

Auch wenn es zwei-, dreimal brannte im Basler Strafraum ein weitgehend fehlerloser Auftritt des Captains, der dann in der spielentscheidenden Szene mit seiner Kopfballvorlage den Weg zum 1:0 bahnt. Es ist sein sechster Assist in dieser Saison – kein schlechter Wert.

Der Captain fliegt voran: Marek Suchy, später Vorbereiter des Siegtreffers, wirft sich bei einem Eckball ins Getümmel des GC-Strafraumes, den Goalie Heinz Lindner hier sauber hält.

Fabian Frei  |  linker Innenverteidiger

Einmal entwischt ihm Pusic bei der Zürcher Grosschance in der Anfangsviertelstunde, dann kann er Andersen in höchster Not am Torschuss hindern (26.) und ist dann im Spiel drin. Antizipiert gut, läuft Bälle ab, sticht im richtigen Moment heraus und ist passsicher.

Blas Riveros  |  linker Aussenverteidiger

Die Streuung seiner Flanken ist enorm und diese Bälle zum Teil aus unbedrängter Situation einfach ungenügend. Die beste Hereingabe in der Nachspielzeit von Halbzeit eins auf den Kopf von Elyounoussi zwingt Lindner zu einer Glanzparade. Ansonsten aufmerksamer in der Defensive als auch schon, zum Beispiel, als er den allein aufs Tor ziehenden Andersen seinen Atem im Nacken spüren lässt.

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Geoffroy Serey Dié  |  zentraler defensiver Mittelfeldspieler

Zuerst zum unschönen Teil: Eine halbe Stunde ist gespielt, als Serey Dié es mit seinem Einsatz übertreibt und den am Boden liegenden Numa Lavanchy im Kampf um den Ball im Gesicht trifft. Ohne Serey Dié Absicht zu unterstellen, ist die erste Diagnose für den Gegenspieler niederschmetternd: Verdacht auf Jochbeinbruch. Serey Dié kommt ohne Verwarnung davon und wirkt anschliessend keineswegs schüchterner. Knüpft, was Kampfgeist und Willen anbelangt, an die gute Leistung vom Sonntag an.

Samuele Campo  |  zentraler Mittelfeldspieler

Es ist ein hartes Brot, das er auf dem Weg zum Spielmacher knabbert. Hat in seinem manchmal zu schleppenden Spiel so ziemlich alles an Gutem und Schlechtem dabei: Einen schrecklichen Ballverlust zum Beispiel, der GC die grosse Führungschance in der 26. Minute eröffnet. In der 39. Minute semmelt er aus zehn Metern den Ball über das Tor. Dann landet ein Freistoss aus seinem zweifellos feinen linken Fuss an der Lattenoberkante (45. +1). Er traut sich, als sich der FCB nach einer Stunde fängt, Bälle in die Tiefe zu, er zirkelt den Freistoss vor dem Siegtreffer vors Tor – und zum Schluss vermasselt er noch eine prächtige Kontersituation in Überzahl.

Hatte alles in seinem Spiel von Gut bis Böse: Samuele Campo.

Mohamed Elyounoussi  |  offensiver zentraler Mittelfeldspieler

Ist drauf und dran zum Mister Chancentod dieser Partie zu werden. Und als er schon etwas weggetaucht scheint nach einem Positionswechsel auf den linken Flügel nach der Einwechslung von van Wolfswinkel, da ist der Norweger dann doch noch zur Stelle: humorloser Abschluss aus acht Metern, als ihm Suchys Kopfballvorlage vor die Füsse fällt. Es ist sein siebtes Tor und der 18. Skorerpunkt in der Meisterschaft, was seine Position als teaminterne Nummer 1 in der offensiven Schaffenskraft zementiert.

Valentin Stocker  |  rechter Flügelsstürmer

Nach dem starken Auftritt vor Wochenfrist gegen den FCZ scheint das Zwischenhoch verpufft. Bleibt wie schon gegen Lausanne weitgehend wirkungslos. Eine schöne Vorarbeit für Ajeti nach dem Seitenwechsel bleibt in Erinnerung und eine Verwarnung. Weil es im zehnten Einsatz die vierte ist, wird Stocker am Sonntag in Sion eine Sperre absitzen müssen.

Kevin Bua  |  linker Flügelstürmer

Ist über weite Strecken einer der aktivsten und produktivsten Spieler des FCB, weshalb seine Auswechslung in der 70. Minute überrascht.

Albian Ajeti  |  Mittelstürmer

Hat einen schweren Stand gegen Bergström und Rhyner, kann von den langen Bällen nicht viele behaupten und kommt nur zu ganz wenigen Chancen wie bei einem Kopfball in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit und dann in er 85. Minute, als er zu lange zögert. Zollt dem Pensum der zurückliegenden beiden Englischen Wochen offenbar Tribut.


Ricky van Wolfswinkel  |  Mittelstürmer

Kommt in der 61. Minute für Stocker und damit in der heikelsten Phase der Partie, als dem FCB das Spiel zu entgleiten droht und es Pfiffe von den Rängen gibt. Ohne dass der Niederländer einen entscheidenden Beitrag leisten kann, verlagern sich die Gewichte wieder. Dass er zur Zeit die vom Trainer erklärte Nummer 2 hinter Ajeti ist, kann Wolfswinkel nur schwer akzeptieren. Er verweist auf seine Statistik – auf die acht Tore, die er als Startspieler in zwölf Partien erzielt hat – und sagt: «Es ist momentan frustrierend.»

Neftali Manzambi  |  rechter Flügelspieler

Nicht Dimitri Oberlin, der gerade erst ein Grippe auskuriert hat, kommt als weiterer offensiver Ergänzungsspieler zum Zug – sondern der Mann aus dem eigenem Nachwuchs. Macht es anstelle von Bua ordentlich, ohne dem Spiel noch einen Schmuckrand verleihen zu können.

Léo Lacroix  |  Innenverteidiger

Wie gross die Sorge von Raphael Wicky um die defensive Dichte gewesen sein muss, zeigt sich in diesem Wechsel: Stürmer Ajeti geht in der 86. Minute und Verteidiger Lacroix kommt, um GC für die Schlussphase eine Fünferabwehrkette entgegenzustellen. Passiert ist dann gar nichts mehr – also hat der Trainer Recht.

Nicht eingesetzt beim FC Basel: Mirko Salvi (Tor), Raoul Petretta, Dimitri Oberlin, Noah Okafor.

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