Schweizer Meister – das war aber auch einfach

Ein statistischer Vergleich der 13 stärksten Ligen Europas zeigt: Nirgendwo war es diese Saison einfacher, Meister zu werden, als in der Schweiz.

Nicht nur gefühlt ein mässig souveräner Titel – niemand in Europa hatte weniger Gegenwehr als der FC Basel. (Bild: Georgios Kefalas / Keystone)

Ein statistischer Vergleich der 13 stärksten Ligen Europas zeigt: Nirgendwo war es diese Saison einfacher, Meister zu werden, als in der Schweiz.

Wir haben die gemäss Uefa-Koeffizient stärksten 13 Ligen Europas verglichen (die Schweizer Super League liegt aktuell auf ebendiesem 13. Rang) und stellen fest: Nirgendwo war diese Saison es einfacher, die Konkurrenz hinter sich zu lassen als in der Schweiz.

Als Kritierium für diese – wir geben es zu – natürlich etwas vereinfachte Rechnung nehmen wir den Punkteschnitt des Zweitplatzierten. Warum? Wer Meister werden will, muss den Punkteschnitt des Zweiten überbieten. Je weniger Punkte der Zweite im Schnitt pro Spiel holt, desto mehr Ausrutscher kann sich der Meister leisten (Stichwort: 15 Unentschieden).

Wie die untenstehende Grafik zeigt: In keiner anderen der 13 stärksten Ligen Europas hat der Zweitplatzierte im Schnitt pro Spiel dermassen wenige Punkte gemacht. Gerademal 1,81 Punkte pro Spiel hat GC vorgelegt, das konnte der FC Basel mit ebenfalls nicht berauschenden 2,0 Punkten pro Spiel leicht überbieten.

Zum Vergleich: In England reichte ein Schnitt von 2,08 Punkten pro Spiel dem FC Arsenal gerademal zum vierten Schlussrang. Um Meister zu werden musste Manchester City die 2,21 Punkte pro Spiel des FC Liverpool überbieten. Noch stärker gefordert wurden die Meister in Portugal, Italien und Spanien.

Atlético Madrid, das sich am letzten Spieltag in Barcelona den Titel gesichert hat, darf für sich in Anspruch nehmen, die europaweit hartnäckigste Gegnerschaft hinter sich gelassen zu haben. 2,29 Punkte im Schnitt hatte das zweitplatzierte Barcelona am Ende vorzuweisen, mehr als jede andere zweitplatzierte Mannschaft in den Top-13 Ligen. Kommt hinzu, dass der Drittplatzierte, Real Madrid, die Saison mit genau gleich vielen Punkten wie Barcelona abschloss.

Gemäss unserer Rechnung am zweitmeisten gefordert – obschon es mit 17 Punkten Vorsprung Meister wurde – war Juventus Turin. Die 2,24 Punkte pro Spiel der AS Roma galt es in der Serie A zu toppen, was Juventus Turin locker gelang. 102 Punkte zu Saisonende bedeuten italienischen Rekord, 2,68 Punkte pro Spiel absolute Spitze in Europa (auf Platz zwei folgen die Bayern mit 2,65).

» Die Rohdaten als Google Spreadsheet (Daten: Wikipedia, Berechnung: TagesWoche)

Atletico de Madrid supporters wave a flag with their team emblem as they celebrate the Spanish first division title ''La Liga'' with his team players at the Neptuno fountain in Madrid, Sunday May 18, 2014. A 1-1 draw against Barcelona on the last match ga

Der erste Titel nach 18 Jahren war hart erkämpft: Fans von Atlético feiern in Madrid. (Bild: DANIEL OCHOA DE OLZA / Keystone)

Konversation

  1. … hat die Analyse von Herrn Bauer durchaus, finde ich.
    Die Zusammenstellung gibt ziemlich treffend wieder, was sich der jeweilige Meister in der vergangenen Saison „erlauben“ konnte, um den ersten Platz zu erlangen. Und ebenfalls, inwiefern die Meisterclubs von der Konkurrenz – oder jedenfalls dem Zweitplazierten – unter Druck gesetzt wurden.
    Die 15 Unentschieden des FCB als Meister suchen ihresgleichen. Und die Vergleichszahlen legen doch schön dar, dass der FCB vergleichsweise auf eine schwache nationale Konkurrenz zählen konnte, auch wenn die Schweiz von schottische Verhältnissen zum Glück weit entfernt ist.

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  2. Den Einwand hatte Christoph Emch auf Twitter ebenfalls erhoben. Ich habe daraufhin mit den Rohdaten die Ligen nach Differenz zwischen Meister und Letztem sortiert – was ein anderes Bild ergibt (siehe: http://bit.ly/ersterletzter).

    Ich bin allerdings der Ansicht, dass das Berücksichtigen der schwächsten Teams einer Liga primär Aufschluss darüber gibt, wie ausgeglichen eine Liga ist. Das ist sicher auch ein Indikator, wie schwierig es ist, die Liga zu gewinnen, aber in meinen Augen nicht unbedingt ein besserer als denjenigen, den ich verwendet habe.

    Man denke etwa an die schottische Liga vor dem Zwangsabstieg der Rangers. Die Liga war alles andere als ausgeglichen – de facto ein Zweikampf zwischen Celtic Glasgow und den Rangers. Trotzdem war die Liga schwer zu gewinnen, weil jeder Punktverlust bereits zu viel sein konnte.

    Nichtsdestotrotz handelt es sich natürlich – wie bereits im Artikel geschrieben – um eine vereinfachte Rechnung, eine Spielerei. Ich habe die Rohdaten verfügbar gemacht und freue mich natürlich über weitere, andere Ansätze.

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  3. Naja, die ganze Rechnerei steht wohl noch auf wackeligen Füssen. Wenn David Bauer jetzt noch ausrechnen würde, wie viele Punkte die drei Letztplatzierten jeder Liga gewonnen oder abgegeben haben, dann ergäbe diese ein differenziertes Bild der Kräfteverhältnisse in den verschiedenen Ligen.

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