Sieg der Starwings: Rokas Uzas von der Muse geküsst

Die Starwings gewinnen gegen den BC Boncourt dank Rokas Uzas‘ Dreier Sekunden vor dem Ende mit 95:92. Zum besten Spieler wird Justin Rutty gewählt, dessen auslaufenden Vertrag die Starwings gerne verlängern würden – doch dazu fehlt das Geld.

National Liga A BasketballStarwings Basket Regio Basel-EnergyInvestments MassagnoRoskas Uzas erziehlt einen Korb (Bild: Hans-Jürgen Siegert )

Die Starwings gewinnen gegen den BC Boncourt dank Rokas Uzas‘ Dreier Sekunden vor dem Ende mit 95:92. Zum besten Spieler wird Justin Rutty gewählt, dessen auslaufenden Vertrag die Starwings gerne verlängern würden – doch dazu fehlt das Geld.

Rokas Uzas geht mit gesenktem Haupt und feuchten Augen in Richtung Kabine, wofür ein Fehlgriff der Vereinsführung und der anwesenden Journalisten verantwortlich ist: Letztere hatten drei Minuten vor dem Ende der Partie Justin Rutty als besten Spieler erkoren – und die Verantwortlichen übernahmen diese Wahl, obwohl Uzas zuvor mit einem Geniestreich das Spiel entschieden hatte.

1,6 Sekunden vor der Schlusssirene erzielte der Litauer von weit hinter der Dreipunktelinie die letzten Zähler zum 95:92-Sieg der Starwings Basket Regio Basel gegen den BC Boncourt: Die Birstaler liegen damit zwei Punkte hinter einem Playoffplatz (siehe Tabelle).


Der entscheidende Wurf in bewegtem Bild (Quelle: Youtube)

Rutty zerrte den übergangenen und verdutzten Uzas am Trikot in die Mitte des Spielfeldes zur Ehrung des besten Akteurs, denn auch der Amerikaner wusste, dass der Preis nicht ihm, sondern dem Litauer gebührte.

«Ich weiss nicht, ob ich ihn küssen oder ihm an den Kragen gehen soll»

Uzas‘ Tränen rühren nicht allein von seiner Gefühlswelt nach der Partie gegen den Tabellenletzten aus dem Jura: Er gehört allen voran zu denjenigen Spielern, die vor der Saison hoch gelobt ihre Arbeit antraten, mit dem Team bald zum erweiterten Titelkandidaten ernannt wurden – und sich nach wenigen Spielen bereits in einer Situation befanden, in der selbst ein Playoffplatz nicht mehr selbstverständlich war.

Der Litauer konnte die Erwartungen an seine Person nie vollends erfüllen und zeigt doch immer wieder, zu was er fähig und mit welchem Talent er ausgestattet ist. Viktor Mettler, seit Ende letzten Jahres Trainer der Starwings, fasst seine Beziehung zu Uzas pointiert zusammen: «Ich weiss jeweils nicht, ob ich ihn küssen oder ihm an den Kragen gehen soll.»

Licht und Schatten

Mettler dürfte Uzas nach der Partie gegen Boncourt eher liebkost haben, obschon die Leistung des 25-Jährigen über das ganze Spiel gesehen nicht frei von Fehlern gewesen war: Er verzeichnete am meisten Ballverluste (3) und die zweitschwächste Wurfquote (knapp 50 Prozent). Demgegenüber standen die meisten Punkte (29) und die höchste Anzahl Rebounds (15) seines Teams.

Uzas steht stellvertretend für das Licht und den Schatten im Spiel der Starwings: ausgezeichneter Beginn, Einbruch, Kampf zurück in die Partie, erneuter Einbruch, Aufholjagd und Sieg in letzter Sekunde (siehe grafischer Spielverlauf am Ende des Textes).

Des Gegners neue Spieler in den alten Trikots

«Es ist mir ein Rätsel», sagt Mettler, «warum wir es uns immer derart schwer machen müssen, wenn es doch so einfach ginge. Diese Mannschaft braucht ein Messer am Hals, damit sie Leistung zeigt.» Er könnte richtiger nicht liegen, denn gegen den Tabellenletzten Boncourt durfte jeder der 595 Zuschauer in der Sporthalle Birsfelden einen klaren Sieg erwarten; zumal die Gäste drei Spieler ins Team integrieren mussten, die allesamt erst derart kurz in der Mannschaft sind, dass sie in den Trikots ihrer Vorgänger spielen mussten.

Zwei von ihnen, den Kanadier Stephen Sir und den Amerikaner Emmanuel Holloway, bekamen die Starwings nie in den Griff. Ersterer genoss ein Herrenleben an der Dreipunktelinie, von der er meist unangegriffen 12 seiner 18 Punkte erzielte – und Letzterer war schlicht und einfach schneller auf den Beinen als die gesamt Abwehr der Starwings: 28 Punkte für den Amerikaner, der als einziger der Neuen wenigstens den Namen des ehemaligen Trikotbesitzers mit Tape verdeckt hatte.

Vertragsverlängerung mit Rutty hat höchste Priorität

Holloways Landsmann in den Reihen der Starwings, Justin Rutty, bewies mit 22 Punkten, 11 Rebounds und der zweitbesten Wurfquote erneut seinen Wert für die Birstaler. Doch der Vertrag des Amerikaner läuft Ende Januar aus, denn er war einst nur als Ersatz für den verletzten Adomas Drungilas gedacht.

Aufgrund der sportlichen Leistungen Ruttys sind die Starwings nun daran interessiert, den Amerikaner längerfristig an sich zu binden: «Die Vertragsverlängerung mit Rutty ist das Wichtigste in den nächsten Tagen», sagt Mettler.

Das Problem der Starwings: Der wiedergenese Drungilas spielte im Vorfeld der Partie gegen Boncourt mit dem Nachwuchs, womit dessen Lohn nicht mehr von der Versicherung übernommen wird. Somit haben die Birstaler bis Ende Januar fünf Ausländer auf der Lohnliste – und nach der möglichen Vertragsverlängerung Ruttys auch über den Januar hinaus.

Es fehlt: das Geld

Für den Luxus von fünf Ausländern fehlen den Starwings 10000 Franken bis Ende Saison. Und dies obschon Ruttys Wohnung dem Verein kostenlos zur Verfügung gestellt wird, drei der vier Litauer kostengünstig zusammen in einer Wohngemeinschaft hausen und der Trainer ehrenamtlich arbeitet.

Können die Starwings die Summe nicht auftreiben, wird Rutty das ihm «vorliegende Angebot aus Frankreich» (Mettler) annehmen und werden die Starwings entscheidend geschwächt das Rennen um die Playoffplätze bestreiten. 

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