Solidarität, Besonnenheit und grosse Verunsicherung

Das Viertelfinalspiel der Champions League zwischen Dortmund und Monaco wurde abgesagt, weil drei Sprengkörper den Dortmunder Mannschaftsbus beschädigten und einen Spieler verletzten. Im Stadion solidarisierten sich die französischen mit den deutschen Fans. Auf die Hintergründe der Tat gibt es noch keine Hinweise, inzwischen ist aber ein Bekennerschreiben aufgetaucht, dessen Echtheit geprüft wird.

A camera man films Dortmund's team bus after it was damaged in an explosion before the Champions League quarterfinal soccer match between Borussia Dortmund and AS Monaco in Dortmund, western Germany, Tuesday, April 11, 2017. (AP Photo/Martin Meissner)

(Bild: MARTIN MEISSNER)

Das Viertelfinalspiel der Champions League zwischen Dortmund und Monaco wurde abgesagt, weil drei Sprengkörper den Dortmunder Mannschaftsbus beschädigten und einen Spieler verletzten. Im Stadion solidarisierten sich die französischen mit den deutschen Fans. Auf die Hintergründe der Tat gibt es noch keine Hinweise, inzwischen ist aber ein Bekennerschreiben aufgetaucht, dessen Echtheit geprüft wird.

Es dauerte einige Momente, bis die Leute im Stadion verstanden hatten, dass es keinen Grund gab, wütend zu sein. Sondern dass sie vielleicht sogar froh sein konnten.

Bekennerschreiben aufgetaucht – Echtheit wird geprüft
» Artikel der Nachrichtenagentur

Im ersten Affekt hatten viele Besucher gepfiffen, als ihnen um 20.32 Uhr mitgeteilt wurde, dass das Spiel von Borussia Dortmund gegen die AS Monaco an diesem Abend nicht stattfinden werde. Denn wenige Minuten, nachdem der Mannschaftsbus des BVB sich um 19.15 Uhr vom Hotel L’Arrivée auf den Weg ins Stadion und zum grossen Champions-League-Viertelfinal gegen die AS Monaco gemacht hatte, «waren drei Sprengsätze ausgelöst worden», die in einer Hecke am Wegesrand platziert waren, berichtete Hans-Joachim Watzke.

» Weitere Informationen auf dem Twitter-Account von Borussia Dortmund

Doch offenkundig ist der unmittelbar hinter der Hoteleinfahrt verübte Anschlag halbwegs glimpflich verlaufen. Nur der Verteidiger Marc Bartra ist verletzt worden, er habe «eine gebrochene Speiche im rechten Handgelenk und diverse Fremdkörpereinsprengungen erlitten», sagt BVB-Sprecher Sascha Fligge. Alle anderen kamen mit dem Schrecken davon.

60’000 Zuschauer im Stadion zu keinem Zeitpunkt gefährdet

Das Spiel wurde daraufhin in Absprache mit den Gästen aus dem Fürstentum und dem europäischen Fussballverband Uefa auf den Mittwoch verlegt. Anpfiff wird dann um 18.45 Uhr sein, die Tickets behalten ihre Gültigkeit oder werden zurückgenommen.

Über die Hintergründe des Anschlages mochte an diesem Abend erst mal niemand spekulieren, und auch im Stadion wurden die spontanen Pfiffe schnell von einem verständnisvollen Applaus übertönt. «Wir sind natürlich geschockt», sagte Watzke, der selber nicht mit im Bus war und dem Publikum im Stadion versicherte, dass sich die Explosionen «weit von hier weg» ereignet habe.



Fussball: Champions League, Borussia Dortmund - AS Monaco, K.o.-Runde, Viertelfinale, Hinspiele am 11.04.2017 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). BVB-Geschaeftsf�hrer Hans-Joachim Watzke wird auf einer Anzeigetafel im Stadion angezeigt. Nach drei Explosionen am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist das Champions-League-Spiel am Dienstagabend gegen AS Monaco abgesagt worden.(KEYSTONE/DPA/Federico Gambarini)

Hans-Joachim Watzke informiert die Fans im Stadion. (Bild: A3730/_FEDERICO GAMBARINI)

Die rund 60’000 Menschen im Stadion waren offenbar zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Sie machten sich besonnen auf den Heimweg.

Zuvor hatten die Gäste aus Monaco lautstark ihre Solidarität mit dem BVB bekundet, als sie von dem Anschlag erfuhren. «Dortmund, Dortmund», riefen die Zuschauer im Gästeblock.

Pfiffe für einen Nebenschauplatz

Jenseits des Schocks wehte dieses für solche Situationen typische Gefühl der Solidarität durch das Stadion. Nur als Watzke berichtete, dass die Partie am Mittwoch bereits um 18.45 Uhr und nicht wie üblich um 20.45 Uhr angepfiffen werde, «um nicht mit dem Spiel der zweiten deutschen Mannschaft im Wettbewerb zu kollidieren», pfiffen einige Leute. Dass ihnen in dieser Situation der FC Bayern in die Quere kommt, passte vielen Dortmundern natürlich nicht.



Fu�ball: Champions League, Borussia Dortmund - AS Monaco, K.o.-Runde, Viertelfinale, Hinspiele am 11.04.2017 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Fans von Borussia Dortmund im Stadion. (KEYSTONE/DPA/A3730/_Federico Gambarini)

Die Fans im Stadion informieren sich via ihre Mobiltelefone über die aktuelle Lage. (Bild: A3730/_FEDERICO GAMBARINI)

Aber das blieb eine Nebensächlichkeit an einem Abend, der eine grosse Verunsicherung zurücklässt. Denn nach diesem ersten, tatsächlich ausgeführten Anschlag im Rahmen eines Fussballspiels in Deutschland müssen sich viele Fans fragen, ob ihr Spiel nun auch hier zum Ziel von Bombenterror wird.

Beruhigend versuchte Watzke zu wirken, als er das «professionelle Krisenmanagement» aller Beteiligten lobte. Die Polizei versicherte, dass für die Menschen im Stadion keine Gefahr bestehe, und lobte die Leute später für ihre Besonnenheit.

Eine Explosion auch auf der Busseite von Thomas Tuchel

Der Mannschaft im Bus half das aber nicht weiter. Zwei der drei Explosionen haben offenbar Beschädigungen an dem Fahrzeug hinterlassen, weiter hinten, wo Marc Bartra sass und vorne im Bereich der Trainerplätze. Thomas Tuchel sei «auch geschockt» gewesen, sagte Watzke, «weil eine der Explosionen auf seiner Seite war».



Dortmund players stand outside the team bus after it was damaged in an explosion before the Champions League quarterfinal soccer match between Borussia Dortmund and AS Monaco in Dortmund, western Germany, Tuesday, April 11, 2017. (AP Photo/Martin Meissner)

Betroffene Dortmunder Spieler nach dem Anschlag. (Bild: MARTIN MEISSNER)

Wie die Mannschaft nur einen Tag nach diesem Erlebnis ein gutes Fussballspiel absolvieren soll, vermochte da erst mal niemand zu sagen. Die Spieler sollten «versuchen, das in irgendeiner Weise zu kanalisieren, um einigermassen wettbewerbsfähig zu sein», riet der Geschäftsführer den Profis.

Derweil erklärte BVB-Präsident Reinhard Rauball, er sei «der Ansicht, dass die Spieler in der Lage sind, das wegzustecken». Darüber hinaus hoffe er, «dass die Mannschaft spürt, dass eine grosse Solidarität da ist».

Entwarnung aus der Mannschaft

Ob es den vielen jungen Spielern tatsächlich gelingt, eine positive Energie aus dem schrecklichen Erlebnis zu ziehen, hängt aber sicher auch davon ab, was in den Stunden vor der Partie über die Hintergründe des Anschlags bekannt wird. Wenn sie sich auch weiterhin bedroht fühlen müssen, sind das natürlich denkbar schlechte Voraussetzungen für ein freudvolles Fussballspiel, zu dem dieses Viertelfinale eigentlich werden sollte.



Fu�ball: Champions League, Borussia Dortmund - AS Monaco, K.o.-Runde, Viertelfinale, Hinspiele am 11.04.2017 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Eine Anzeigetafel im Stadion informiert �ber einen Vorfall mit dem Mannschaftsbus des BVB. (KEYSTONE/DPA/A3730/_Federico Gambarini)

Die Informationsübermittlung im Stadion. (Bild: A3730/_FEDERICO GAMBARINI)

Wo die Mannschaft die Nacht verbringen werde, mochten die Dortmunder aus Sicherheitsgründen erst mal nicht verraten. Dann kam irgendwann doch noch eine Nachricht aus dem Kreis der Spieler. Alexander Isak, der erst 17-jährige Schwede, twitterte, dass die Verletzung des Spaniers Marc Bartra nicht allzu schwer sei.

Und das war immerhin eine kleiner Lichtblick an diesem düsteren Abend, der ganz sicher noch lange nachwirken wird.

Konversation

  1. Solange wir Toleranz als oberstes Slogan auf der Fahne haben und Islamisten, Hassprediger, Koranverteiler gewähren lassen, solange haben wir Terror und Unruhe in Europa. Je länger man wartet desto einseitiger wird der Ausgang des Konfliktes sein.

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  2. Es gibt ja Fans und Hooligans mit beschränktem Horizont. Bloss einen Bus plus komplette gegnerische Mannschaft wegzubomben dazu bedarf es schon echt mieses Gedankengut. Das sieht sehr nach Terror aus. Der Mannschaftsbus ist ja gepanzert gewesen, sonst hätte es vermutlich wirklich Tote geheben.

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  3. „Bombenstimmung“ (oder über den Kampf zum Sieg).

    Die kommt immer dann auf, wenn sich die wohlstandsverwahrlosten „Fans“ keinem zivilen Widerstand gegenüber sehen.

    Zuletzt beobachtet: Als Guillaume Hoarau mit ausgerenkter Hüfte vom Feld getragen wurde (und sich die „Muttenzer Kurve“ mit ihrem hasserfüllten Gegeifer selbst benässte).

    Nächster Schritt? Fanarbeit.

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