Startschuss im Tessin

Für den FC Basel geht die neue Saison quasi diesen Sonntag mit dem Auswärtsspiel in Lugano los. «Jeder Spieler kann die Tabelle lesen und ist sich bewusst, was das Minimalziel sein muss», sagt Raphael Wicky. Der FCB-Trainer hofft, den Schwung aus der Partie in Bern mitnehmen zu können und hat das gleiche Personal zur Verfügung. 

Der FC Basel im Cornaredo, hier mit Luca Zuffi beim 4:0-Sieg Mitte Oktober: Im Tessin hat der FCB zuletzt im Jahr 2000 verloren. Eine der wenigen Serien, die noch Bestand haben.

Die Ausgangslage: Ernst

Es ist Spiel 1 nach der zur Gewissheit geronnenen Vermutung, dass der FCB seinen Meistertitel abgeben muss. Herrscht darüber auch so etwas wie Erleichterung? «Bei mir sicher nicht», entgegnet Trainer Raphael Wicky.

Immerhin steht noch Platz 2 auf dem Spiel. Und nach dem schlechtesten Saisonquartal seit Menschengedenken wird in Lugano eine erste Antwort darauf gegeben, ob sich die Mannschaft dem Ernst der Lage bewusst ist. Es geht um die Qualifikation zur langwierigen Qualifikation für die Champions League. Und damit beginnt im Cornaredo quasi schon ein bisschen die neue Saison.

Die personelle Lage: Ab in die U21

Ein Bild aus glücklichen Basler Tagen: Raoul Petretta (rechts, daneben Albian Ajeti) feiert Mitte Oktober beim 4:0 in Lugano sein erstes Tor als Profi.

Eder Balanta, wen wundert es, ist noch nicht weiter als auf dem Level Lauftraining. Der Trainer hofft, das tut er nun seit zehn Wochen, den Kolumbianer («Einer der besten Innenverteidiger in der Schweiz») in der Schlussphase der Saison noch einmal zur Verfügung zu haben.

Ansonsten schickt Wicky vier junge Spieler – Raoul Petretta, Yves Kaiser, Afimico Pululu sowie Noah Okafor – in die U21. Petretta, der diese Saison schon einige Einsätze auf der grossen Bühne absolviert hat, soll nach verletzungsbedingtem Ausfall Spielpraxis sammeln, um für das Fanionteam wieder zur Verfügung zu stehen. Denn gleich anschliessend an die Tessin-Reise folgen zwei englische Wochen mit der Heimspiel-Trilogie gegen den FCZ (11.4.), Lausanne (15.4.) und GC (18.4.). Etwaigen Experimenten oder dem Einsatz von Novizen erteilt Wicky eine Absage: «Wir sind nicht in der Situation, um zu testen.»

Was der Trainer sagt: «Jeder kann die Tabelle lesen»

Raphael Wicky:
«Jeder kann die Tabelle lesen, die Spieler auch. Der Abstand zu YB ist nicht kleiner geworden, und die Spieler wissen auch, wie gross der Abstand nach hinten zum Drittplatzierten ist. Jeder ist sich bewusst, was das Minimalziel des FC Basel sein muss.

Ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie in Bern nach einem eher schüchternen Anfang ein sehr gutes Spiel gemacht hat und eigentlich den Sieg verdient gehabt hätte. Das muss uns Selbstvertrauen geben für die kommenden Aufgaben. Wir wollen in Lugano die drei Punkte holen, und dann wollen wir auch in den englischen Wochen unsere Spiele gewinnen.»

Der Gegner: hü und hott

So schön, wie Lugano in die zweite Saisonhälfte gestartet ist, mit vier Siegen am Stück und rosigen Aussichten bis hin zu den Europacup-Plätzen, so verschärft stellt sich die Situation aktuell nach fünf Niederlagen in Serie dar. Dreimal unterlagen die Bianconeri dabei Gegnern mit einem Lauf (St. Gallen, YB, Luzern), dazu beim FCZ und letzte Woche in Lausanne, das mit den Tessinern Platz 7 und 8 tauschte.

Die Mannschaft von Pierluigi Tami gilt Wicky nichtsdestotrotz als eine, «die eigentlich immer gepflegten und konstruktiven Fussball spielt». Vorgeführt auch am 4. Februar beim 1:0 in Basel – der Niederlage, mit der der FCB in die Krise rutschte. 

Viel übriggeblieben von früherer Basler Herrlichkeit ist nicht. Manch stolze Serie ist pulverisiert worden in dieser Saison und eine der letzten Wegmarken ist die Ungeschlagenheit im Tessin: Die währt nun seit dem 12. November 2000 und einer 0:1-Niederlage im Cornaredo (Torschütze: Christian Giménez). Seither gab es inklusive eines Cuperfolgs sechs Basler Siege und drei Remis.

● Gesperrt bei Lugano: Davide Mariani.

Das Wiedersehen: Servus, Marc Janko

#schwierig: Marc Janko im Tessin.

Er hat in Basel seine Fangemeinde und nun soll Marc Janko statt für Basel Tore gegen den FCB erzielen. Im vergangenen Sommer beim Doublegewinner aussortiert (mit der fetten Quote von 34 Treffern in 66 Spielen), hat Janko ein weiteres Mal in seiner Karriere einen Griff ins Klo getan. Wie schon bei Trapzonspor, geriet er auch bei Sparta Prag ins Abseits und musste als Sündenbock hinhalten, etwa beim Aus in der Europa-League-Qualifikation.

Umso glücklicher schätzte sich der bald 35-Jährige, als sich die AC Lugano und ihr Präsident Angelo Renzetti um ihn bemühte. Anfang Februar unterschrieb Janko für anderthalb Jahre in der Sonnenstube. Auf fünf Einsätze (einmal in der Startelf) sowie einen Treffer hat es Janko seither gebracht, und wie er seine Saison bisher sieht, hat der österreichische Nationalspieler (zuletzt nicht mehr aufgeboten) in dieser Woche in einem Tweet festgehalten:

Ausserdem erinnern wir an dieser Stelle an ein Interview, das Marc Janko vor Jahresfrist der TagesWoche gegeben hat:

https://tageswoche.ch/form/interview/und-woher-haben-sie-diesen-gorilla/
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