Teurer Betrieb und wenig Interesse – die Old Boys steigen freiwillig ab

Der BSC Old Boys Basel zieht sich aus der Promotion League zurück und will sich künftig verstärkt auf seine Rolle als Quartier- und Ausbildungsverein besinnen. 

Letzter grosser Zahltag: Am 17. September 2017 spielten (und gewannen) die Berner Young Boys im Schweizer Cup bei den Basler Old Boys. Ansonsten ist der Zuschauerzuspruch sehr dürftig.

Eigentlich wähnte man die Old Boys auf gutem Weg. Am Wochenende haben sie mit dem 2:0 gegen den SC Cham den vierten Sieg hintereinander (und das ohne Gegentreffer) gefeiert. Damit wurde eine Serie von vier Niederlagen zu Rückrundenbeginn ausgebügelt, und der Klassenerhalt in der Promotion League ist für das Team von Trainer Aziz Sayilir in Reichweite.

Doch die sportliche Leistung wird für die kommende Saison keine Rolle spielen. Der BSC Old Boys zieht sich nach sechs Jahren in der dritthöchsten Schweizer Spielklasse freiwillig zurück und startet die neue Saison eine Stufe tiefer in der 1. Liga.

In einem Communiqué, das der Verein am späten Dienstagabend versendet hat, wird dieser Schritt mit einer als unumgänglich betrachteten Neuorientierung begründet. Verkürzt heisst das: Die Promotion League ist den Old Boys sportlich wie finanziell zu aufwendig, das Augenmerk soll noch mehr der Ausbildung von Junioren gelten, wo OB zu den grössten Organisatoren schweizweit gehört, sowie der Partnerschaft mit dem FC Basel im Junioren-Spitzenfussball.

Dem Rückzug aus der Promotion League gingen, so heisst es, «lange Diskussionen» im Vorstand und mit der sportlichen Leitung voraus. Und wie schon vor zwei Jahren klingt es nach einer Vernunftsentscheidung. Damals klopften die Old Boys nach einem sportlichen Höhenflug sogar an die Türe zur Challenge League, nach reiflicher Abwägung verzichteten sie aber darauf, eine Lizenz für den Profifussball zu beantragen.

Durchschnittlich 25 zahlende Zuschauer

In der Erklärung schreibt Beat Fläcklin, der Präsident der OB-Fussballsektion: «Die Suche nach Spielern, welche sich auf diesem Niveau behaupten können und darüber hinaus einen regionalen Bezug haben, gestaltet sich immer schwieriger. Vermehrt mussten auswärtige Spieler engagiert werden, als direkte Folge davon schafften immer weniger eigene Junioren den Sprung in die erste Mannschaft. Dieser Umstand ist für einen Ausbildungsverein, als den sich OB definiert, auf Dauer nicht befriedigend.»

Aus den Anforderungen, die die Promotion League stellt, ergibt sich ein stetig steigender finanzieller Aufwand, was im Widerspruch zum «geringen Publikumszuspruch» und dem «mangelnden Interesse an einem substanziellen Sponsoring» steht, wie es weiter heisst.

Präsident einer Fussballsektion, die es wie viele im Bereich unterhalb des Profisports nicht einfach haben: Beat Fläcklin vom BSC Old Boys.

Gegenüber der TagesWoche hat Beat Fläcklin das präzisiert: Das Budget für das Team in der Promotion League bewegt sich in einem mittleren sechsstelligen Bereich, «womit wir bereits mit Abstand das Team mit dem schmalsten Budget der ganzen Liga sind». Die durchschnittliche Zuschauerzahl auf der Schützenmatte bewegt sich bei circa 100 Besuchern.

Fläcklin macht kein Hehl aus den Realitäten: «Ein Grossteil der Zuschauer stammt aus der eigenen OB-Familie. Durchschnittlich zählen wir nur etwa 25 Zahlende. Mit zehn Franken Eintritt ist das also nicht wirklich eine substantielle Einnahmequelle zur Deckung des Aufwandes, wenn man davon ausgeht, dass alleine schon das Schiedsrichter-Trio pro Heimspiel 1100 Franken kostet. Wir hatten diese Saison auch schon Spiele mit gerade mal drei zahlenden Zuschauern.»

Die letzte namhafte Einnahme stellt somit der Cup-Match gegen die Young Boys dar, als am 17. September vergangenen Jahres 2500 Zuschauer auf die Schützenmatte pilgerten.

Einsparungen um ein Drittel sind das Ziel

Eine Leistungsstufe tiefer wird auch kein lupenreiner Amateurfussball gespielt. Für die kommende Saison in der 1. Liga ist es das Ziel der Old Boys, die Kosten um ein Drittel zu reduzieren, «und trotzdem weiterhin ein ambitioniertes OB-Team auf den Rasen stellen zu können», so Fläcklin.

Allerdings sollen «Ausgaben und Einnahmen im Gleichgewicht gehalten und die Zukunft des Klubs nachhaltig gesichert werden», schreibt der Vorstand und erlaubt sich zu betonen, «dass OB seinen finanziellen Verpflichtungen in der Vergangenheit termingerecht nachgekommen ist. Mit der Neuorientierung soll dies auch künftig garantiert sein.»

Die Tabelle der Promotion League

Mit dem Rückzug der Old Boys aus der Promotion League verliert Basel den im Schatten des FCB am höchsten klassierten Verein. In der in drei Staffeln à 14 Teams aufgeteilten 1. Liga trifft OB auf die Black Stars, die sich in dieser Saison im Mittelfeld der Gruppe 2 gehalten haben.

Embolo & Co. als Einnahmequelle

Künftig wollen sich die Old Boys wieder mehr auf ihre Rolle als Quartierverein besinnen, der mit seinen 30 Junioren-Teams einen wichtigen Beitrag zur Bewegungsförderung und der Integration von Migranten leistet. Dafür wünscht sich der Klub einen Austausch und Unterstützung durch die Kantonsverwaltung. Vor allem, was die Infrastruktur und Trainingsmöglichkeiten im Stadion Schützenmatte speziell in den Wintermonaten anbelangt.

Im Junioren-Spitzenfussball wollen die Old Boys die nach einigen Irrungen und Wirrungen erst vor einem Jahr erneuerte Partnerschaft mit dem FC Basel intensivieren und in die Ausbildung von Junioren investieren. Spieler, die über OB zum FCB fanden und später am Transfermarkt einen Erlös brachten, spülten den Old Boys in der Vergangenheit immer wieder nette Beträge in die Kasse. Für Eren Derdiyok (aktuell bei Galatasaray Istanbul), Timm Klose (Norwich City) und Breel Embolo (Schalke 04), die alle bei den Old Boys anfingen, dürfte über die von der Fifa festgelegten Entschädigungen für die Ausbildungsvereine rund eine halbe Million Franken auf der Schützenmatte angekommen sein.

https://www.srf.ch/news/regional/basel-baselland/old-boys-basel-gibt-forfait-im-kampf-um-den-aufstieg
https://tageswoche.ch/sport/die-old-boys-liebaeugeln-mit-der-challenge-league-und-beantragen-die-lizenz/
https://tageswoche.ch/sport/ob-praesident-flaecklin-noch-im-mai-sprachen-wir-von-einer-vertieften-zusammenarbeit/

Konversation

  1. Einen Schritt zurückzutreten zeugt von Realitätsnähe und Mut. Immer mehr, besser, teurer hat halt mal Grenzen. Auch der FCB muss langsam kleinere Brötchen backen.

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  2. Der Link zum SRF ist verwirrend. Dort wird über den Aufstieg in die Challenge League geredet. Dieser Artikel ist aber sehr alt und passt nicht wirklich rein. Oder hat es die Tageswoche nötig, Werbung für SRF zu machen?

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