«Unsere Kämpfer sind dünner als der Panda»

Am Sonntag finden in Münchenstein die Schweizermeisterschaften im Kung Fu statt. OK-Mitglied Alain Stopnicer erklärt, warum ein Besuch im Kultur- und Sportzentrum Bruckfeld (ab 9.15 Uhr) einem DVD-Nachmittag mit Kung Fu Panda vorzuziehen ist.

Der Dornacher Simon Butscher (20) startet an den Kung-Fu-Schweizermeisterschaften. (Bild: zVg)

Am Sonntag finden in Münchenstein die Schweizermeisterschaften im Kung Fu statt. OK-Mitglied Alain Stopnicer erklärt, warum ein Besuch im Kultur- und Sportzentrum Bruckfeld (ab 9.15 Uhr) einem DVD-Nachmittag mit Kung Fu Panda vorzuziehen ist.

Wer beim Stichwort Kung Fu nur an Bruce Lee, Karate Kid und Kung Fu Panda denkt, der hat am Sonntag die Chance, seinen Horizont mit realer chinesischer Kampfkunst zu erweitern. An den Schweizermeisterschaften in Münchenstein wird im Voll- und Leichtkontakt gekämpft. Dazu kommen Disziplinen, in denen es darum geht, Bewegungsabläufe ohne Kampf zu präsentieren, die so genannten Formen.

Alain Stopnicer, Mitglied des Organisationskomitees, über den Unterschied zwischen Pandas und realen Kung-Fu-Sportlern, Kämpfer, die für harte Treffer verwarnt werden und Kung Fu als Lebenseinstellung.

Alain Stopnicer, wofür soll ich mich am Sonntag entscheiden: für einen DVD-Nachmittag zuhause mit Kung Fu Panda oder für die Kung-Fu-Schweizermeisterschaften in Münchenstein?

Ich rate natürlich klar zu den Schweizermeisterschaften. Dort wird einerseits Kampfsport gezeigt. Andererseits gibt es die Kategorien, in denen Formen präsentiert werden. Das kommt den Szenen im Film durchaus nahe. Und der Show-Block mit dem Löwentanz ist mindestens so unterhaltsam wie Kung-Fu Panda

Hat der Trickfilm überhaupt irgendetwas mit dem realen Kung Fu zu tun?

Ich muss gestehen, dass ich nur einen Teil gesehen habe. Aber es kommen schon Elemente vor, die einem bekannt vorkommen. So gibt es z.B. für die im Film auftretenden Tiere jeweils eigene Kung-Fu-Stile. Aber auch Handstellungen und Winkel sind dem echten Kung Fu abgeschaut. Wobei ich anmerken muss: Wir haben durchaus Athleten, die schlänker sind als der Panda!

Die Homepage der Schweizermeisterschaft ist mit Kung Fu angeschrieben, der Verband aber heisst Swiss Wushu. Ja, was denn nun: Kung Fu oder Wushu?

Wenn Sie in der Freien Strasse die Leute fragen würden, was sie unter Wushu verstehen, würde wohl der eine oder andere auf chinesisches Essen tippen. Unter dem Begriff Kung Fu kann sich hingegen jeder etwas vorstellen. In Tat und Wahrheit ist Wushu jedoch der Überbegriff für alle chinesischen Kampfsportarten, und daher heisst der Verband auch Wushu.

Rein marketingtechnisch ist das natürlich …

… schwierig. Da gebe ich Ihnen Recht. Auf der anderen Seite haben Sie auch ein Problem, wenn Sie jemanden als Kung-Fu-Kämpfer bezeichnen würden, der Tai-Chi-Formen zeigt.

Was ist denn Kung Fu? Ist es eine Sportart – oder ist es eine Lebenseinstellung?

Eine gute Frage. Bei den Kampfdisziplinen Vollkontakt und Leichtkontakt steht sicher der Sport im Vordergrund. Aber natürlich werden auch Werte vermittelt: Zum Beispiel der Respekt vor dem Gegner. Viele der besseren Athleten suchen sowieso meist den Weg nach China und kommen so in Kontakt mit der Kultur. Bei den Formen spielen – neben sportlichen Höchstleistungen – auch Perfektionismus und Ästethik eine grosse Rolle.

Wie ist das zahlenmässige Verhältnis zwischen den Sportlern, die Formen zeigen und den Kämpfern? Nur eine Minderheit dürfte es wohl wagen, Vollkontakt zu kämpfen?

Das Verhältnis ist etwa sechzig Prozent Formen, vierzig Prozent Kampf. Und bei den Kämpfern hat es mehr beim Leichtkontakt. Das hat damit zu tun, dass jeder Athlet über den Leichtkontakt in die Kampfdisziplin einsteigt. Der Leichtkontakt hat auch eine erzieherisch Komponente: Es geht zwar auch darum, den Gegner mit klaren Treffern zu besiegen. Es handelt sich dabei aber nicht um harte Treffer. Im Gegenteil: Für harte Treffer kassiert der Athlet eine Verwarnung. Das oberste Gebot ist also die absolute Kontrolle über seine eigene Kraft und Reichweite.

Gibt es einen Wettkampf, auf den Sie sich am meisten freuen?

Nebst technisch hochstenden Kämpfen und spektakulären Formen freue ich mich auf den Löwentanz, der bereits eine Tradition ist. Ebenfalls gibt es in der Mittagspause einen Unterhaltungs-Block mit verschiedenen Shows der Ning Mui Gong Fu Schule Basel und 140 Teilnehmern, davon 90 Kinder. Ich freue mich daher, möglichst viel Publikum am Sonntag in der Kultur- und Sporthalle in Münchenstein begrüssen zu dürfen.

Quellen

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