«Voilà, da bin ich!» – FCB holt Serey Die

Der FC Basel hat sich auf jener Position verstärkt, auf der er die grösste Dringlichkeit erkannt hat. Vom FC Sion stösst im Januar Geoffroy Serey Die zu den Rotblauen. Er soll für Robustheit im defensiven Mittelfeld sorgen.

Serey Die muss nach der reduzierten Sperre noch dreimal pausieren. (Bild: Si)

Der FC Basel hat sich auf jener Position verstärkt, auf der er die grösste Dringlichkeit erkannt hat. Vom FC Sion stösst im Januar Geoffroy Serey Die zu den Rotblauen. Er soll für Robustheit im defensiven Mittelfeld sorgen.

Am 8. Dezember noch sah sich der FC Sion bemüssigt, eine Pressemitteilung mit dem Titel «Serey Die nicht zum FC Basel» zu veröffentlichen. Nicht einmal eine ganze Woche später sind diese Worte nur mehr Makulatur. Der 28-jährige Ivorer Geoffroy Serey Die wechselt im Januar von den Wallisern zum FCB, bei dem er einen Vertrag bis Juni 2016 unterzeichnet hat. Die Basler dürften geschätzte 1,5 Millionen Franken an den FC Sion überweisen.

Der FCB hatte bereits kurz vor Ende der Sommertransferperiode festgestellt, dass er auf der Position im defensiven Mittelfeld ein Defizit besitzt. Damals versuchte der Club, auf den letzten Drücker Veroljub Salatic von den Grasshoppers loszueisen – vergeblich.

Jetzt haben die Basler mit Serey Die einen Spieler verpflichtet, der bereits seit 2008 in der Super League spielt und beim FC Sion meist mit starker Präsenz und intelligentem Spiel überzeugte. Der aber auch immer wieder für einen Platzverweis gut war. In seinen viereinhalb Sittener Jahren ist er sechsmal vom Platz gestellt worden. Viermal in seinem ersten Halbjahr in der Schweiz 2008, als er feststellte: «In Afrika wird härter gespielt als hier.» Seither hat er sein Spiel angepasst und wurde noch zweimal des Feldes verwiesen. Einmal davon in der laufenden Saison.

Extrovertiert mit Eskapaden und Skandalen

Serey Die war im Wallis auch immer wieder für Eskapaden und Skandale gut. Am 2. Mai 2012 nervte er sich zum Beispiel derart über einen Lausanner Balljungen, dass er diesem eine Ohrfeige gab. Er wurde darauf hin von der Liga für acht Spiele gesperrt. Sein ehemaliger Mitspieler Goran Obradovic stellte einst fest, Serey Die sei derart extrovertiert, als ob er etwas überspielen wolle.

Als er im März 2010 bei einem Gastspiel bei den Grasshoppers noch vor der Pause vom Feld gestellt wird, klagt ihn Sions Präsident Christian Constantin öffentlich an: Serey Die habe das Spiel manipuliert. Am Ende dieser absurden Episode wurde der Spieler von der Staatsanwaltschaft entlastet. Sie eröffnete aus Mangel an Beweisen gar nicht erst ein Verfahren. Wenig später hat der FC Sionwird den Vertrag des Ivorers im Wallis bis 2014 verlängert.

Das Verhältnis zu Constantin scheint sich danach normalisiert zu haben. Auf jeden Fall boten die beiden der Schweizer Presse im April 2012 ein kleines Spektakel, als Serey Die versuchte, von 20 Weitschüssen mindestens 14 gegen seinen im Tor stehenden Präsidenten zu verwandeln. Die Ausbeute des Mittelfeldspielers lässt darauf schliessen, dass der FCB ihn nicht unbedingt wegen seiner Abschlussstärke verpflichtet hat: Bereits nach 19 Schüssen hatte Constantin das Duell für sich entschieden, Serey Die hatte sieben Bälle nicht im Tor untergebracht.

Dass Serey Die auch eine ruhige, verletzliche Seite hat, ist in einem kürzlich in der «NZZ» erschienenen Portrait mit dem Titel «Das Rätsel Serey Die» nachzulesen. Dort erzählt er, wie er nach seinem Übergriff auf den Balljungen drei Tage lang seine Tochter nicht mehr in den Arm genommen habe – aus Scham.

Eine Korrektur des Transfersommers

Dass Serey Die nun beim FC Basel landet, ist auch eine Korrektur des Basler Transfersommers. Obwohl die Rotblauen mit Marcelo Diaz, Gilles Yapi, Fabian Frei und Cabral vier gestandene Zentrumsspieler in den Reihen haben, bringt nur der Letztgenannte jene Zweikampfstärke mit, die im defensiven Zentrum wünschenswert ist.

Gut möglich, dass Serey Dies Zuzug die Karten im Verhandlungspoker zwischen Cabral und dem FCB neu mischt. Der Vertrag des 24-Jährigen läuft im Sommer 2013 aus. Der Verein hat ihm zwar ein Angebot für eine Vertragsverlängerung unterbreitet, Cabral zögerte bislang allerdings mit der Unterschrift.

FCB-Trainer Murat Yakin freut sich jedenfalls auf seinen neuen Spieler: «Ich habe ihn als einen Aufbauer wahrgenommen, der viel Verantwortung übernimmt und seine Mitspieler mitreissen kann.» Weil sich Yakin für ein 4-1-4-1-System entschieden zu haben scheint, war es für den FCB noch dringlicher geworden, einen weiteren defensiven Mittelfeldmann neben Cabral zu verpflichten.

Und Geoffroy Serey Die selbst? Der sah gar keine andere Möglichkeit, als dem Werben des FCB nachzugeben: «Basel ist ein grosser Verein, dem du nicht einfach so eine Absage erteilst. Als sich die Präsidenten der beiden Clubs einig waren, konnte ich gar nicht mehr Nein sagen. Und voilà, da bin ich.»

Sereso Geoffroy Gonzaroua Die, genannt Serey Die
1998-2001 Centre Nationale des Sports de Haut Niveau (Elfenbeinküste)
2001-2002 Volcan Junior (Elfenbeinküste)
2002-2003 Club Omnisports de Korhogo (Elfenbeinküste)
2003-2006 Stade d’Abidjan (Elfenbeinküste)
2006-2007 Etoile Olympique et Kram (Tunesien)
2007-2008 Entente sportive de Sétif (Tunesien/Sieger arab. Champions League 2008)
2008-2012 FC Sion (Cupsieger 2009/2011)
ab 2013 FC Basel

Konversation

  1. Wenn der FCB sich nur nicht einen „Kummerbuben“an Land gezogen hat. Der Club ist ja jetzt schon der „Hassclub Nr.1“ ausserhalb der Region Basel. Dies dürfte sich mit dem neuen Sympathieträger noch verstärken.

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