Von Prellböcken und Bremsklötzen – die Einzelkritik zum FCB

Die Fallhöhe war hoch zwischen dem rauschenden 5:0 gegen Benfica am Mittwoch und dem verregneten Super-League-Samstagabend in Zürich. Wirklich gut war kein FCB-Spieler im torlosen Match gegen die Grasshoppers, und mancher Überflieger musste erkennen, dass es nicht nur Sternemenüs gibt sondern auch Graubrot.   

Immerhin steht am Ende einer ereignisreichen Woche die Null: Manuel Akanji im Zürcher Regen beim 0:0 gegen die Grasshoppers und Nabil Bahoui. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Tomas Vaclik  |  Torhüter

Am Ende einer ereignisreichen Woche steht hinten beim FCB die Null. Dafür beanspruchten Vaclik und die Basler Hintermänner Glück bei Bahouis Pfostenschuss in der fünften Minute. Den Nachschuss meisterte Vaclik, leistete sich dann ungewohnte Unsicherheiten, und musste nach Seitenwechsel nur noch einmal gegen Lavanchy klären (49.). Danach tauchten die Grasshoppers einfach nicht mehr vor dem Basler Tor auf.

Marek Suchy  |  rechter Innenverteidiger

Behielt trotz erzwungener Umstellung seine neue Position im Dreierblock, sah hüftsteif aus bei Bahouis Chance (-> Vaclik), streute in der ersten Halbzeit – wie seine Mitspieler auch – ein paar läppische Fehlpässe ein, und war in der 41. Minute der Prellbock bei Lavanchys Schuss. Stand später felsenfest und bereitete mit präziser Flanke aus dem rechten Halbfeld die Chance in der 81. Minute vor (-> Itten).    

Der Grasshopper Marko Basic, rechts, gegen den Basler Marek Suchy, links, beim Fussballspiel der Super League Grasshopper Club Zürich gegen den FC Basel im Stadion Letzigrund in Zürich am Samstag, 30. September 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Taulant Xhaka | zentraler Innenverteidiger

Weil Eder Balanta wie vom Trainer befürchtet angeschlagen ausfiel, rückte Xhaka in die zentrale Verteidigerrolle, die er zuletzt in der zweiten Halbzeit von St. Gallen spielte, und die er in Ausnahmefällen auch schon unter Paulo Sousa und Urs Fischer innehatte. In der Anfangsphase sah er nicht vorteilhaft aus, aber dafür, dass er sich schon in der 32. Minute eine gelbe Karte (Foul an Bahoui) einhandelte, spielte er den Rest sicher herunter, verzichtete jedoch auf jegliche Teilnahme am Spielaufbau. Xhaka ist nach einem Knatsch wieder für Albaniens Nationalmannschaft nominiert worden und wird nach der Länderspielpause seine persönliche Pause nehmen, weil er nach der vierten Verwarnung für die Partie in Lugano gesperrt ist. 

Manuel Akanji | linker Innenverteidiger

Zur Rochade in der Abwehr gehörte, dass Akanji wieder auf die linke Seite verschoben wurde. Auch sein Spiel war fehlerhaft, litt bisweilen unter der Fahrigkeit von -> Blas Riveros. In der ersten Halbzeit mit einer Halbchance nach einem Zuffi-Freistoss auf dem Notizblock und in der 88. Minute mit der letzten von wenigen nennenswerten Offensivsszenen, einem Distanzschuss.

https://www.srf.ch/play/tv/sport-clip/video/kein-sieger-zwischen-gc-und-basel?id=299270bb-e01c-4d73-972a-38adce464db6

Michael Lang | rechter Aussenverteidiger

Er stand ein bisschen stellvertretend für die Feststellung, dass die Mannschaft den Schwung aus dem Benfica-Spektakel nicht ins Letzigrund mitnehmen konnte. Tat sich wie alle anderen schwer mit der engmaschigen Defensive der Gastgeber, und am Ende des Tages konnte für Lang lediglich eine lobenswerte Aktion hervorgehoben werden (-> Vorlage zu Oberlin-Chance/38.). Umgekehrt kann man ihm jedoch auch nichts ankreiden. 

Blas Riveros | linker Aussenverteidiger

Was war das für ein Auftritt von ihm am Mittwoch als Einwechselspieler und mit dem ersten Tor im FCB-Dress. In Zürich war davon nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Im Übereifer reihte er Fehler an Fehler, und sein Gegenspieler Lavanchy hatte Narrenfreiheit. Riveros’ Auswechslung in der 68. Minute war in diesem Fall die oft bemühte Erlösung, und der 19-Jährige verabschiedete sich mit einem Stockfehler. 

Ein Kämpfer vor dem Herrn, aber halt kein Spielbeschleuniger: Geoffroy Serey Dié (rechts), hier Marko Basic.

Geoffroy Serey Dié | zentraler Mittelfeldspieler

Nahm den Platz von Xhaka ein und sah gleich einmal überhaupt nicht gut aus bei der grossen GC-Führungschance (5.), als er fast teilnahmslos nebenher trabte und Andersen so den Nachschuss ermöglichte. Krampfte sich dann in eine Partie hinein, der er keinerlei kreative Impulse geben konnte. Sobald in Ballbesitz, wirkte der Ivorer wie ein Bremsklotz im Spiel.  

Luca Zuffi | zentraler Mittelfeldspieler

«Es war nicht einfach, Lösungen zu finden», sagte Zuffi nach dem Match und räumte ein: «Dafür muss man schneller und präziser spielen.» Weil das namentlich im ersten Durchgang selten gelang, sorgte Zuffi immerhin mit zwei ruhenden Bällen für Gefahr. War massgeblich daran beteiligt, dass das Basler Mittelfeldspiel im zweiten Abschnitt etwas geordneter aussah und gab die Flanke zu Elyounoussis respektive Oberlins Grosschance in der 69. Minute.

Wieder einer weniger: Renato Steffen scheidet im Letzigrund frühzeitig verletzt aus.

Renato Steffen | rechter Flügelstürmer

Leitete die erste FCB-Chance mit feinem Steilpass auf Elyounoussi ein. Dann trat ihm Bergström auf das rechte Sprunggelenk. Nach Behandlung auf und neben dem Spielfeld versuchte es Steffen noch einmal, machte aber wenig später Itten Platz. Damit droht nach Ricky van Wolfswinkel ein weiterer FCB-Offensivspieler auszufallen.   

Mohamed Elyounoussi  |  zentraler Flügelstürmer

Ein gefühlvoller Chip wäre wahrscheinlich die bessere Lösung gewesen, als er in der sechsten Minute vor GC-Goalie Heinz Lindner auftauchte. Der Norweger war ein Aktivposten in einem ansonsten von der Taktik erstickten Spiel. Vilotic hätte Gelb sehen müssen für ein Foul an Elyounoussi in der ersten Halbzeit. Dessen Volleyabnahme in der 69. Minute war mutig, aber nicht von Erfolg gekrönt.  

Mohamed Elyounoussi (rechts) liess gegen die Grasshoppers (hier Numa Lavanchy) die beiden besten Basler Chancen liegen.

Dimitri Oberlin  |  linker Flügelstürmer

Der Trainer hatte ihm nach der Gala vom Mittwoch mit den beiden Toren und den zwei Assists vor dem GC-Spiel noch ins Gewissen geredet und Oberlin daran erinnert, dass es in erster Linie gelte, für die Mannschaft zu arbeiten. Das nahm sich der Shootingstar zu Herzen, eroberte auch wie schon gegen Benfica einige Bälle, was er aber mit dem Ball am Fuss veranstaltete, offenbarte die Fallhöhe, die der Fussball innert drei Tagen haben kann. Liess in 38. Minute eine gute Chance liegen, und in der zweiten Halbzeit war dann nichts mehr zu sehen von ihm bis auf die Szene, als er am von Lindner abgelenkten Elyounoussi-Volley vorbeirutschte.   


Cedric Itten  |  zentraler Stürmer

Ersetzte in der 25. Minute Steffen und hatte gegen Vilotic einen schweren Stand. Immerhin: Entmutigen lässt sich Itten von Widerstand nicht, und in der 81. Minute bekam er noch seine Chance – allerdings aus spitzem Winkel, und den Kopfball entschärfte Lindner. 

Raoul Petretta  |  linker Aussenverteidiger

Am Mittwoch noch Teil einer Basler Heldengeschichte, kam er in der 68. Minute anstelle von Riveros zum ersten Super-League-Einsatz in dieser Saison. Und siehe da: Mit seinem Eintritt beruhigte sich die Situation am linken Flügel, ging nicht mehr jeder zweite Ball verloren, herrschte Zucht und Ordnung. 

Kevin Bua  |  linker Flügelstürmer

Wurde in der 84. Minute für Oberlin eingewechselt, nachdem er sich alles in allem eine Stunde lang warm gemacht hatte an der Seitenlinie. Setzte zwei-, dreimal an, fand die schadhafte Stelle im GC-Beton aber auch nicht. 

Nicht eingesetzt beim FC Basel: Mirko Salvi (Tor), Pedro Pacheco, Alexander Fransson, Davide Callà.

https://tageswoche.ch/sport/live-der-start-in-das-zweite-saisonviertel-19-uhr/

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