Warum wir in der Schweiz schutte und tschute – der Kampf um die Sprache

In den Anfängen des Fussballs in der Schweiz wurden alle Fachausdrücke direkt aus dem Englischen übernommen. Nicht nur zur Freude der Freunde der deutschen Sprache. Doch während in Deutschland konsequent eingedeutscht wurde, halten sich in der Schweiz englische Vokabeln bis heute.

Fusslümmelei

In den Anfängen des Fussballs in der Schweiz wurden alle Fachausdrücke direkt aus dem Englischen übernommen. Nicht nur zur Freude der Freunde der deutschen Sprache. Doch während in Deutschland konsequent eingedeutscht wurde, halten sich in der Schweiz englische Vokabeln bis heute.

Als der Fussball in der Schweiz begann, die Kinder und Jugend zu begeistern, da sahen sich die Anhänger der neuen Sportart den Anfeindungen der national gesinnten Turner ausgesetzt. Wie in Deutschland reklamierten auch in der Schweiz die Turner, die einzig richtige Art der Körperbildung zu vertreten.

Fussballgeschichten aus der Region

Zum 75. Geburtstag des Fussballverbandes Nordwestschweiz kommt es zu einer ­Kooperation mit der Tages­Woche. Das Ziel: Online soll eine interaktive Geschichte des Fussballs in der Region entstehen, auf der die die wichtigsten Ereignisse des regionalen Fussballs, Anekdoten und Erinnerungen auf einer Zeitleiste dargestellt werden. ­

In Deutschland hatte dieser Kampf auch Einfluss auf die Sprache. Nach der deutschen Reichsgründung 1871 war alles Nicht-Deutsche grundsätzlich verdächtig. Um dem Vorwurf zu begegnen, Anhänger der «englischen Krankheit» hätten keine Vaterländische Gesinnung, werden deswegen die englischen Ausdrücke fast konsequent eingedeutscht.

In Deutschland wird konsequent übersetzt

Als Erfinder des deutschen Fussballvokabulars darf Konrad Koch gelten. Der Gymnasiallehrer aus Braunschweig legt bereits 1875 die Fussballregeln in einer deutschen Übersetzung vor. Es sind eben diese Regeln, die der Basler Regierungsrat J. J. Burckhardt 1886 der Spielkommission des Erziehungsdepartements zur Lektüre empfiehlt.

Koch präsentierte danach deutsche Übersetzungen für alle Fachausdrücke. Viele blieben haften, bei einigen aber musste er noch nachbessern, wie er 1903 feststellte: «Wenn wir darauf rechnen wollen, dass die deutschen Ausdrücke bei unsrer spielenden Jugend sich allgemein einbürgern und die englischen, vielfach arg entstellten gänzlich verdrängen, so ist bei ihrer Auswahl nicht allein darauf Rücksicht zu nehmen, dass sie möglichst treffend sind; nein, sie dürfen auch nicht farblos und gekünstelt sein, sondern müssen ihr voll und kräftig ins Ohr fallen. Im Kampfe gegen das hässliche Fremdwort ‘Goal‘, noch hässlicher ‘Johl‘ gesprochen, hat sich unser matter Ausdruck ‘Mal‘ als zu schwach erwiesen; also ersetzen wir ihn überall, wo es angeht, durch ‘Tor‘.»

In der Schweiz bleibt das Englische haften

Auch in der Schweiz gab es Kritik an der «Engländerei» im Fussball. Der Basler Professor Dr. Eduard Hoffman-Krayer, 1910 Gründungsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, beklagte sich 1912 heftig: «Am meisten würden sich die Engländer selbst darüber lustig machen, wenn sie hören würden, wie man im Publikum von Gorner, Penáldi, Haftihm, Zenter u. a. m. spricht.» (Ganzer Text weiter unten.)

Weil jedoch – anders als in Deutschland – der politische Druck fehlte, blieben in der Schweiz viele englische Begriffe haften. Ja, sogar noch mehr. Das schweizerdeutsche Wort für Fussballspielen kommt direkt aus dem Englischen. «Schutte» oder «Tschute» leitet sich vom englischen «to shoot» (schiessen) ab. 1906 hiess es etwa in «Der Football», dem Zentralorgan der Schweizerischen Football-Association: «Der Regen hinderte beide Mannschaften. Von sicherem und zuverlässigem Shooten war keine Rede.»

Noch heute hält sich auf den Pausenhöfen der Schweiz die Regel: «Drei Corner gänn ei Penalty.»

Englisch Deutsch Schweizerdeutsch
Goal Tor Goal
Goalkeeper Torhüter Goalie
Hands Handspiel Hands
Corner Ecke Corner
Offside Abseits Offside
Captain Kapitän/Spielführer Captain
Penalty Elfmeter Penalty
Volley Direktabnahme Volley
Prof. Dr. Eduard Hoffmann-Krayer beklagt die englischen Ausdrücke im Schweizer Fussball, 1912

«Es sind gerade die sprachlich Gebildeten, denen der Gebrauch unverstandener Bezeichnungen lächerlich vorkommt. Am meisten würden sich die Engländer selbst darüber lustig machen, wenn sie hören würden, wie man im Publikum von Gorner, Penáldi, Haftihm, Zenter u. a. m. spricht.

Aber auch abgesehen von diesen Zerrformen, scheint es uns eines schweizerischen Fussballbundes unwürdig, diese ausländischen Fachausdrücke immer noch weiter in offiziellen und inoffiziellen Berichten herumzuschleppen. Das Allerwidersinnigste jedoch ist das «Hurreh» am Schluss eines Wettspiels, wo wir in unserer Sprache doch das längst eingebürgerte «Hurra» haben.

Und weil wir gerade bei dieser schönen Sitte der freundschaftlichen Schluss-Ovation sind, so möchten wir den Wunsch äussern, dass das «Hurra» in Zukunft etwas voller, kräftiger und strammer klingen möge, als es bisher der Fall war, wo mehr eine Verdrossenheit oder Gleichgültigkeit durchzuhören war, als ein herzliches Einvernehmen.»

Nächster Artikel