«Was für eine Geschichte!» – oder eben auch nicht

Seydou Doumbia trifft am Samstag mit dem FC Basel auf die Young Boys, seinen Ex-Verein. Aussergewöhnlich ist das nicht: Die Hälfte des Basler Kaders hat diese Erfahrung schon gemacht.

Der Basler Seydou Doumbia jubelt ueber sein 1:0 im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Vaduz, im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Samstag, 19. November 2016. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

(Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS / Montage: Hans-Jörg Walter)

Seydou Doumbia trifft am Samstag mit dem FC Basel auf die Young Boys, seinen Ex-Verein. Aussergewöhnlich ist das nicht: Die Hälfte des Basler Kaders hat diese Erfahrung schon gemacht.

«Was für eine Geschichte!» ist eine der vielen Phrasen der Sportberichterstattung. Verwendet, wenn ein Skirennfahrer bei seiner Rückkehr nach einer Verletzung an dem Hang das Rennen gewinnt, an dem er als Kind zum ersten Mal auf dem Schnee stand. Oder wenn ein Fussballer ein Tor erzielt gegen einen Verein, bei dem er einst in der Jugend spielte. «Ausgerechnet er!»

Wir Konsumenten haben uns an diese Geschichten gewöhnt, und nur ganz selten erstaunen sie uns. Denn oft sind sie konstruiert, irgendetwas gibt es immer, mit dem sich ein Ereignis in der Welt des Sports würzen lässt.

Am Samstag spielt der FC Basel gegen die Young Boys. Weil Marc Janko gesperrt fehlt und Andraz Sporar zuletzt angeschlagen war, wird aller Voraussicht nach Seydou Doumbia in der Angriffsspitze spielen. Der Ivorer kehrt in seine alte Heimat zurück, wo er in zwei Saisons zwischen 2008 und 2010 für die Berner 50 Tore erzielte und Liebling der Massen war. 

13 Spieler des FC Basel haben diese Erfahrung schon gemacht

Doumbias Rückkehr widmet die Sportpresse seit Tagen Nebensätze. Jetzt, da der Samstag näherkommt, sind es ganze Absätze, ganze Geschichten, eine nach der anderen.

Und wenn Seydou Doumbia in seiner einstigen Heimstätte auflaufen wird, werden wir das an dieser Stelle ebenfalls besonders herausheben. Wir werden die Reaktionen der Fans beschreiben und Doumbias Worte notieren, die er im Anschluss ans Spiel in der Interviewzone sagen wird.

Nur ist eine solche Rückkehr ganz und gar nichts Aussergewöhnliches. Ein Dutzend der 27 Basler Kaderspieler hat schon einmal gegen einen Ex-Verein gespielt (» zur Liste unter dem Artikel).

Einige von ihnen wissen sogar, wie es sich anfühlt, gegen die ehemaligen Farben spezielle Spielszenen zu erleben: Germano Vailati hat beispielsweise im St. Galler Tor einen Elfmeter gehalten, geschossen von Mauro Lustrinelli, der für Vailatis ehemaligen Verein Bellinzona antrat.

Tore gegen den Verein der Jugend: nichts Neues

Andere haben erlebt, wie sich ein Torerfolg gegen den Ex-Verein anfühlt. Beispielsweise hat Elyounoussi mit Molde im ersten Spiel gegen Sarpsborg gleich zweimal getroffen. Gegen den Verein seiner Jugend, bei dem er als marokkanischer Immigrant fussballerisch gross geworden ist.

Oder Marc Janko: Mit den Salzburgern, bei denen wenige Wochen zuvor der österreichische Getränkekonzern Red Bull eingestiegen war und heftige Proteste ausgelöst hatte, kehrte er als 22-Jähriger nach Maria Enzersdorf zurück. Gegen den VfB Admira Wacker, dem Janko als Siebenjähriger beigetreten war und der ihm den Einstieg in den Berufsfussball ermöglicht hatte, erzielte der Stürmer das letzte Tor zum 4:0-Sieg.

Neun Tore gegen sechs Vereine – YB ist nicht darunter

Seydou Doumbias Rückkehr nach Bern ist frei von solchen Nebengeschichten aus seiner Jugend. Der Rechtsfuss hat das Handwerk des Fussballers an der Elfenbeinküste erlernt, ist mit 19 Jahren nach Japan ausgewandert, kam dann in die Schweiz, verliess diese nach zwei Jahren in Richtung Russland, wo er bei ZSKA Moskau mit 95 Toren in 150 Spielen seine erfolgreichste Zeit erlebte. Nach Umwegen über die AS Roma und einem Leihgeschäft zu Newcastle ist Doumbia beim FC Basel gelandet. Ausgeliehen für ein Jahr. Zurück nach Rom will er nicht, nach Bern muss er; am Samstag als Arbeitnehmer des FC Basel.

Gegen sechs Mannschaften hat Doumbia seine neun Tore für den FCB erzielt. Gegen Bern hat der 28-Jährige noch nicht getroffen. Sechs Minuten im ersten Spiel gegen die Young Boys reichten dem besten Basler Torschützen dafür nicht.

Aber vielleicht trifft er ja im Stade de Suisse. Was wäre das für eine spezielle Geschichte! Oder eben auch nicht.

FCB-Spieler, die schon gegen einen Ex-Verein antraten 

Name

Spiele gegen Ex-Vereine

Tomas Vaclik
  • 1x mit MFK Vitkovice gegen Viktoria Zizkov
  • 1x mit Sparta Prag gegen Viktoria Zizkov
Germano Vailati
  • 2x mit Sion gegen Locarno
  • 1x mit Sion gegen Chiasso
  • 2x mit Sion gegen Bellinzona
  • 1x mit Sion gegen Lugano
  • 1x mit FCB gegen Locarno
  • 1x mit FCB gegen Chiasso
  • 4x mit St. Gallen gegen Bellinzona
  • 3x mit St. Gallen gegen Sion
  • 2x mit FCB gegen Sion
  • 1x mit FCB gegen St. Gallen
Michael Lang
  • 12x mit GC gegen St. Gallen
  • 3x mit FCB gegen St. Gallen
  • 5x mit FCB gegen GC
Luca Zuffi
  • 9x mit FCB gegen Thun
Taulant Xhaka
  • 4x mit GC gegen FCB
  • 9x mit FCB gegen GC
Geoffoy Serey Dié*
  • 6x mit FCB gegen Sion
Renato Steffen
  • 11x mit YB gegen Thun
  • 3x mit FCB gegen YB
Davide Calla
  • 4x mit Aarau gegen Wil
  • 2x mit GC gegen Servette
  • 5x mit GC gegen St. Gallen
  • 3x mit Aarau gegen St. Gallen
  • 7x mit FCB gegen St. Gallen
  • 3x mit Aarau gegen GC
  • 9x mit FCB gegen GC
  • 4x mit FCB gegen Aarau
Birkir Bjarnason
  • 2x mit FK Bodö Glimt gegen Viking Stavanger
  • 1x mit Delfino Pescara gegen UC Sampdoria
Mohamed Elyounoussi
  • 4x mit FK Molde gegen Sarpsborg08
Marc Janko
  • 3x mit Salzburg gegen Admira Wacker
Seydou Doumbia*
  • 1x mit FCB gegen YB
* Berücksichtigt sind die Zeitperioden, seit die Spieler in Europa sind.

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