Was ist schiefgelaufen mit Shkelzen Gashi?

Shkelzen Gashi verlässt den FC Basel und wandert in die USA zu den Colorado Rapids aus. Ein Erklärungsversuch, warum der Torschützenkönig von 2014 und ’15 in Basel nicht mehr den Tritt gefunden hat und eine Übersicht zu den massiven Mutationen im Kader des FCB.

17.05.2015; Basel; Fussball Super League - FC Basel Meisterfeier; Shkelzen Gashi (Basel) bei der Meisterfeier auf dem Barfuesserplatz (Urs Lindt/freshfocus)

(Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Shkelzen Gashi verlässt den FC Basel und wandert in die USA zu den Colorado Rapids aus. Ein Erklärungsversuch, warum der Torschützenkönig von 2014 und ’15 in Basel nicht mehr den Tritt gefunden hat und eine Übersicht zu den massiven Mutationen im Kader des FCB.

«Man weiss nie, was der Morgen bringt.» So hat Shkelzen Gashi vor Jahresfrist in einem Interview mit fifa.com auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen geantwortet. Der Morgen heisst fussballerisch gesehen nun Colorado Rapids. Ein Franchise aus der US-amerikanischen Major League Soccer, wo der 27-Jährige am Montag einen Vierjahresvertrag unterschrieben hat.

» Die Mitteilung des FC Basel zum Gashi-Transfer
» Wie Gashi von den Colorado Rapids in Wort und Bild vorgestellt wird

Letzter Test gegen Xamax

An diesem Dienstag, 15.00 Uhr, probt der FC Basel ein letztes Mal. Auf dem Campus trifft er auf Xamax Neuenburg (im Livestream bei fcb.ch). In der Super League geht es am Sonntag (16.00 Uhr, St.-Jakob-Park) gegen den FC Luzern weiter.

Damit geht ein Kapitel vorzeitig und nach nur eineinhalb Jahren zu Ende, das mit einem Paukenschlag begonnen hatte. Als der FC Basel bei den Grasshoppers den aktuellen Torschützenkönig der Super League auslöste, war das im Sommer 2014 nicht zuletzt auch ein Zeichen der wirtschaftlichen Stärke des Branchenführers.

Und Gashi, der beim FCZ, Schaffhausen, Bellinzona, Xamax und Aarau spielte, knüpfte in Basel an seine Zürcher Torquote an. Hatte er für GC 19 Tore in der Super League erzielt, kamen im FCB-Trikot 26 Treffer (22 in der Liga) und 8 Assists zusammen.

Damit war er mit Abstand der effektivste Offensivspieler der Basler, und das, obwohl Gashi auch unter Paulo Sousa seine Anlaufschwierigkeiten gehabt hatte und der Portugiese ihn anfangs zum Beispiel in den internationalen Spielen auf der Bank schmoren liess.

Gashi profitierte vom System und von Streller

Gashi profitierte schliesslich von Personen und vom System. Der auf die Flügel ausweichende Marco Streller öffnete ihm Räume im Strafraum, die der albanische Nationalspieler mit seinem Torinstinkt und seinen Abschlussqualitäten weidlich ausnutze. Und damit Schwächen übertünchen konnte, was seine Schnelligkeit und sein defensives Gewissen anbelangt.

In Basel hinterlässt er nach dem Verlauf dieser Saison allerdings keine grosse Lücke. Unter Urs Fischer hat er es nicht mehr zu einer unverzichtbaren Kraft im Team geschafft, musste er hinter dem Isländer Birkir Bjarnason oder Jean-Paul Boëtius anstehen, fiel er verletzt aus und versprühte bei den wenigen Einsätzen keine Unwiderstehlichkeit.

Basel Trainer Urs Fischer, rechts, gratuliert seinem Spieler Shlezen Gashi, links, beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Lugano und dem FC Basel am Samstag, 22. August 2015, im Cornaredo Stadion in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Unter Trainer Urs Fischer (rechts) konnte Shkelzen Gashi (links) nicht an die beiden Vorsaisons anknüpfen. (Bild: Keystone/DAVIDE AGOSTA)

Eine Ausnahme bildete der Cup-Match in Muttenz im späten Oktober, den er mit drei Treffern quasi im Alleingang entschied, aber auch mit einer Sprunggelenkverletzung bezahlte, die ihn bis Weihnachten wieder aus dem Rennen warf. So bleibt Gashi in seiner zweiten Basler Saison bei sechs Toren und drei Assists stehen.

Dem FCB fehlte die Geduld, Gashi der Biss

Viele Aspekte hätten eine Rolle gespielt, sagte Bernhard Heusler am Rande der SFL Award Night am Montagabend in Luzern. «Es war eine Frage des Vertrauens, des Selbstvertrauens des Spielers, des Systems, das die Mannschaft spielt», so der FCB-Präsident, den die Situation Gashis an die Formschwankungen von Skispringern erinnert, die nach einem erfolgreichen Winter im nächsten 20 Meter kürzer landen – und dafür keine einleuchtende Erklärung finden.

Schon bald einmal im frühen Stadium dieser Saison gab es erste Anzeichen, dass beide Seiten nicht zufrieden sind. Der FC Basel hat es nicht hinbekommen, den zweimaligen Torschützenkönig der Liga in die Spur zu bekommen, und Gashi hat nicht den allerletzten Biss versprüht, seine Lage zu verbessern. Und das nach einem Jahr, in dem er mit Basel Meister geworden war, die Achtelfinals der Champions League erreicht hatte und bei Albaniens erster Qualifikation für eine EM-Endrunde beteiligt war.

Shkelzen Gashis Leistungsdaten der laufenden Saison:

Obendrein verpasste Gashi Teile der Winter-Vorbereitung wegen einer zwar nicht gravierenden, aber hartnäckigen Entzündung an der Fusssohle. So sind die 20 Einwechsel-Minuten im Testmatch gegen den SC Freiburg (1:1) vor elf Tagen im Trainingslager in Marbella die letzten Spuren Gashis beim FCB.

«Für die Verantwortlichen eines Clubs stellt sich die Aufgabe, eine Situation hier und jetzt zu beurteilen», so Heusler, «da spielen die Tore aus der Vergangenheit keine grosse Rolle mehr. Deshalb sind wir mit Gashi einig gewesen, dass für ihn ein Clubwechsel vielleicht wirklich besser ist.»

Heusler: «Für uns geht die Rechnung auf»

Man darf davon ausgehen, dass der FCB einen Ablösebetrag für Gashi aus den USA erhalten wird, auch wenn der nicht so hoch ausfallen dürfte wie die rund zwei Millionen Franken, die vor eineinhalb Jahren an GC überwiesen wurden. «Für uns geht die Rechnung auf», sagt Heusler, der den Erfolg nicht vergisst, den der FCB mit Gashi gehabt hat – die sechste Meisterschaft und die Achtelfinal-Qualifikation in der Champions League.

Aus besseren Tagen: Shkelzen Gashis Tore und Assists aus der Saison 2014/15:

Für Gashi wird die Saison in den USA erst am 6. März losgehen. Die Colorado Rapids, die in Commerce City, einem Vorort von Denver beheimatet sind und deren Namen an die Stromschnellen des Colorado Rivers angelehnt ist, traten in der MLS noch nicht gross in Erscheinung.

Im Palmarés ist ein Pokalsieg (2010) festgehalten, im Schnitt sahen vergangenes Jahr 15’000 Zuschauer die Heimspiele im Dick’s Sporting Goods Park, und die Saison beendete das Team als Zehnter der Western Conference und als 19. in der Gesamtwertung. Das aktuelle Kader weist kaum einen in Europa geläufigen Namen aus – mit Ausnahme des 61-fachen irischen Nationalspielers Kevin Doyle, eines 32-jährigen Stürmers.

Sonderstellung Gashis in den MLS

Die Rapids gehören Stan Kroenke, einem milliardenschweren Unternehmer, der auch Clubs im American Football, Basketball und Eishockey kontrolliert und Mehrheitsaktionär beim Arsenal FC ist.



Shkelzen Gashi am Montag in Commerce City bei Denver und bei seinem neuen Club, den Colorado Rapids.

Künftig burgunderrot statt rotblau: Shkelzen Gashi am Montag in Commerce City bei Denver und bei seinem neuen Club, den Colorado Rapids. (Bild: coloradorapids.com)

Gashi nimmt ebenso wie Doyle den Platz eines sogenannten «designated players» ein, den Clubs in der MLS Spielern aus dem Ausland mit Starcharakter einräumen können und deren Gage nicht unter den «salary cap», die Gehaltsobergrenze für die Teams fallen. Demzufolge ist der Vertrag mit den Colorado Rapids für Gashi nicht nur eine neue Herausforderung, wie er im Video auf der Website seines neuen Clubs sagt, sondern auch finanziell lohnend. 

Massive Kaderbereinigung des FCB

Mit Gashis Abgang hat der FC Basel innerhalb der zurückliegenden acht Wochen eine massive Kaderbereinigung abgeschlossen und eine ganze Menge Veränderungen vorgenommen. Zwölf Mutationen kommen zusammen, angeführt vom rund 12-Millionen-Franken-Transfer Mohamed Elnenys zu Arsenal und dem Abschied auf Leihbasis von Zdravko Kuzmanovic zu Udinese. 

Neu im Kader sind Stürmer Andraz Sporar aus Slowenien, Flügelstürmer Renato Steffen von den Young Boys sowie Mittelfeldspieler Alexander Fransson aus Schweden, allesamt Nationalspieler. Dazu kommt Dario Thürkauf als neuer dritter Torhüter.

Die Transfers des FC Basel im Winter 2015/16

ABGÄNGE

Name

Alter

Nationalität

neuer Club

 

Position

Mohamed Elneny 23 Ägypten Arsenal London   Mittelfeld
Zdravko Kuzmanovic 28 Serbien/Schweiz Udinese Calcio/ausgeliehen   Mittelfeld
Shkelzen Gashi 27 Albanien/Schweiz Colorado Rapids/USA   Angriff
Albian Ajeti 18 Schweiz FC Augsburg   Angriff
Yoichiro Kakitani 25 Japan Cerezo Osaka/Japan   Angriff
Mirko Salvi 21 Schweiz FC Lugano/ausgeliehen   Tor
Ivan Ivanov 27 Bulgarien offen   Abwehr
Veljko Simic 20 Serbien FC Schaffhausen/ausgeliehen   Mittelfeld
Behrang Safari (30, Schweden, Abwehr) verlässt den Verein im Sommer und kehrt zu seinem früheren Verein Malmö FF zurück.

ZUGÄNGE

Name

Alter

Nationalität

alter Club

Vertrag bis

Position

Andraz Sporar 21 Slowenien Olimpija Ljubljana 2020 Angriff
Alexander Fransson 21 Schweden IFK Norrköping 2020 Mittelfeld
Renato Steffen 24 Schweiz Young Boys Bern 2020 Angriff
Dario Thürkauf 18 Schweiz FCB U21 unbekannt Tor
Ausserdem hat der FCB Dereck Kutesa (18, Schweiz, Angriff) bis 2020 unter Vertrag genommen, leiht den U19-Nationalspieler jedoch bis Saisonende an seinen bisherigen Club Servette Genf aus.

Artikelgeschichte

In einer ersten Version hiess es, dass Stan Kroenke Interesse an einer Übernahme von Arsenal London nachgesagt wird. In der Tat ist Kroenke längst (seit 2011) Mehrheitsaktionär beim Premier-League-Club. » zum Wikipedia-Eintrag (engl.)

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