Wie der FC Concordia eine nationale Trophäe gewann – und doch wieder verlor

Der FC Concordia ist der einzige Basler Fussballclub neben dem FC Basel, der je einen nationalen Wettbewerb gewinnen konnte. Doch den Pokal des Och-Cup, in dem er 1922 triumphierte, musste er drei Jahre später wieder abgeben – obwohl der Wettbewerb bereits wieder eingestellt worden war.

FC Concordia 1921. Stehend: Eckenstein, Hägi, A. Ganter, K. Ganter, Feralli. Sitzend: Kielmeyer, Hubert, Wolff, Bäumler, Müller, Goalie: Birbaum.

Der FC Concordia ist der einzige Basler Fussballclub neben dem FC Basel, der je einen nationalen Wettbewerb gewinnen konnte. Doch den Pokal des Och-Cup, in dem er 1922 triumphierte, musste er drei Jahre später wieder abgeben – obwohl der Wettbewerb bereits wieder eingestellt worden war.

«Der heute über Etoile erzielte 1:0-Sieg reiht sich würdig an die zahlreichen Erfolge dieses gegenwärtig zweifellos stärksten schweizerischen B-Club, dem es, durch Trainerhand geleitet, nächstes Jahr sicherlich gelingen wird, seine längstersehnten Wünsche erfüllt zu sehen.» Der Berichterstatter der «Basler Nachrichten» im Jahr 1922 sollte sich als guter Prognostiker erweisen. Denn einige Monate nach diesen Zeilen stieg der FC Concordia Basel im Frühjahr 1923 tatsächlich erstmals in die höchste Schweizer Spielklasse auf, die Serie A.

Der Club war damit endlich am Ziel. 1912 war er schon einmal Meister der Serie B geworden, doch «mangels Tradition» verweigerte die damalige Schweizerische Football Accociation dem 1907 gegründeten Basler Verein die Aufnahme in die höchste Liga. In der Folge gehörten die Congeli weiterhin zu den besten Teams der Serie B.

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Das zeigte sich auch am 6. August 1922, als es im Final des Och-Cups auf gegnerischem Platz gegen Etoile La Chaux-de-Fonds ging. Der Och-Cup war einer der beiden Vorläufer des heutigen Schweizer Cups. Zwischen 1903 und 1913 war bereits der Anglo-Cup ausgetragen worden, dessen letzte Auflage nach drei aufeinanderfolgenden Siegen des FC Young Boys der FC Basel gewonnen hatte. Es war der erste nationale Titel für die Rot-Blauen, der heute allerdings in Vergessenheit geraten ist.

Der Sponsor: das älteste Sportgeschäft des Landes

Der Ausbruch des 1. Weltkriegs bedeutete das Ende des Anglo-Cups. Als sich der nationale Fussball nach dem Ende des Kriegsgeschehens wieder normalisiert hatte, wurde der Och-Cup von den Gebrüdern Albert und Maurice Och ins Leben gerufen.

Werbung für Bälle der Firma Och Frères.

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Die beiden hatten 1912 in Montreux das erste Sportgeschäft in der Schweiz eröffnet und offerierten nun, 1921, dem Schweizerischen Fussball- und Athletikverband einen Pokal, um den im englischen Cupsystem gespielt werden sollte. Der FC Bern gewann 1921 die Erstauflage. 1922 ging es vor 2000 Zuschauern in La Chaux-de-Fonds um die Trophäe.

Die Basler gewannen «dank flacher Kombination» bald die Oberhand – zur Pause waren jedoch noch keine Tore gefallen. Erst nach dem Seitenwechsel erzielte Armand Feralli nach einer schönen Kombination das Tor des Tages.

Ein Nationalspieler bei Congeli

Feralli war in jenen Jahren der beste Spieler des FC Concordia und war 1918, als Serie-B-Spieler, sogar in einem Länderspiel des Schweizer Nationalteams eingesetzt worden. Bei der 1:2-Niederlage in Budapest gegen Ungarn spielte er auf der halbrechten Stürmerposition.

Nun durfte Feralli mit dem FC Concordia einen nationalen Cupsieg feiern. Denn trotz der verstärkten Ausgleichsanstrengungen von Etoile La Chaux-de-Fonds vermögen die Basler «mit verstärkter Hintermannschaft den Sieg und Becher zu erringen», wie die «Basler Nachrichten» schreiben. Der «National-Zeitung» war der Erfolg übrigens nur eine knappe Resultatmeldung wert.

Vielleicht lag das auch daran, dass bereits bekannt war, dass der Och-Cup nach nur zwei Austragungen bereits wieder eingestellt werden würde. «Die letzte Och-Cup-Meisterschaft sollte vor ihrem Begrabenwerden noch ein höchst dramatisches Leichengeleite erhalten: ein B-Club hat diese Trophäe errungen», meldeten die «Basler Nachrichten».

Der FC Bern beansprucht den Pokal für sich

Doch der Pokal sollte nicht für alle Zeiten im Trophäenschrank des FC Concordia lagern. Der FC Bern, Sieger 1921, meldete ebenfalls Anspruch auf den Besitz der Trophäe an. Und so wurde nach Jahren der Diskussionen ein pragmatischer Entscheid gefällt. Der Sieger des Serie-A-Meisterschaftsduells zwischen den beiden Mannschaften am 11. Januar 1925 auf dem Basler Landhof sollte gleichzeitig in den definitiven Besitz des Och-Cups kommen.

Die Basler waren trotz des überraschenden 3:2-Erfolges im Auswärtsspiel gegen den FC Bern in jener Saison der Aussenseiter. Die Berner waren 1923 Schweizer Meister geworden, der Titel wurde ihnen jedoch nachträglich wieder aberkannt, weil sie einen ihrer Spieler angeblich zu spät angemeldet hatten. Nun, als sie mitten im Winter 1924/25 zum Serie-A-Spiel nach Basel kamen, waren sie wieder Tabellenführer der Gruppe Zentralschweiz der Serie A.

Paul Schmiedlin, Nationalspieler in Reihen des FC Bern.

Paul Schmiedlin, Nationalspieler in Reihen des FC Bern.

Die Berner wussten einen überragenden Mittelläufer, Nationalspieler Paul Schmiedlin, in ihren Reihen, dazu kamen Nationaltorhüter Alfred Berger und der sehr robuste Verteidiger Jakob Schneebeli. Diesen Akteuren hatten sie ihre ganz starke Defensive zu verdanken. Concordia hingegen lag im hinteren Bereich der Tabelle und genoss vor der Partie nicht viel Kredit.

Die Berner sind zu stark

Doch dann erlebten die Pessimisten ihr «blaues Wunder», wie die «National-Zeitung» berichtet. Die Basler waren eine Halbzeit lang das bessere Team und hatten die klareren Torchancen. Doch die zwingend nötige Führung gelang ihnen nicht. Offenbar hatten sie sich in den ersten 45 Minuten etwas übernommen, denn die zweite Hälfte gehörte klar den Bernern. Ihre Halbstürmer Brand – mit einem Distanzschuss – und Amrein sorgten schliesslich in der letzten Viertelstunde für die Entscheidung.

Der Pokal der «Och Frères» wurde nach dem Schlusspfiff an den FC Bern übergeben. Dieser holte sich noch in derselben Saison den Zentralschweizer Meistertitel, verpasste aber die Schweizer Meisterschaft im Finalturnier knapp. Und im Sommer 1925 ist klar, dass der Schweizerische Fussballverband mit seinem neu initiierten Schweizer Cup beginnt, der sich bis in die heutige Zeit gehalten hat.

Noch dreimal sorgt Concordia für Aufsehen

Der FC Concordia Basel sorgt in diesem Wettbewerb noch einige Male für grösseres Aufsehen. In der Spielzeit 1928/29 bezwingt er hintereinander den FC Basel (3:2), die Young Fellows Zürich (1:0) und den FC Lugano (2:0) und stösst bis in den Halbfinal vor. Dort unterliegt er dem späteren Sieger Urania Genf auswärts mit 1:2. Zwei Viertelfinalqualifikationen folgen 1940/41 (2:5 gegen GC) und 1955/56 (0:5 gegen Grenchen). 1960/61 schlagen die «Congeli» als Erstligist den NLA-Verein FC Basel mit 2:1, setzen sich auch gegen das NLB-Team FC Bern durch und werden erst im Achtelfinal vom FC Cantonal Neuchâtel (1:2) gestoppt.

2007/2008 erlebt der FC Concordia ein weiteres Cup-Highlight. Als Club der Challenge League fordert er im Sechzehntelfinal im St. Jakob-Park den FC Zürich beim 1:1 bis in die Verlängerung, ehe er sich im Penaltyschiessen geschlagen geben muss. Ein Jahr später eliminierten die «Congeli» im Achtelfinal Neuchâtel Xamax solide mit 4:0, mussten dann aber im Viertelfinal auf dem Rankhof gegen den FC Luzern (0:2) die Segel streichen.

Es sollte das letzte ganz grosse Cup-Highlight des Basler Clubs sein, der nach dem Konkurs in der regionalen 2. Liga wieder von vorne beginnen musste und heute in der Ersten Liga, der vierthöchsten Schweizer Spielklasse, vertreten ist.

Das Spiel um den definitiven Gewinn des Och-Cups 1925

FC Concordia Basel – FC Bern 0:2 (0:0)
11. Januar 1925. – Landhof, Basel. – 2000 Zuschauer. – SR Epiney (Genf). – Tore: 77. Brand 0:1. 88. Amrein 0:2.

FC Concordia: Weber; Bäumler, Kielmeyer; Vögeli, Ganter I, Lehmann; Dumas, Ganter II, Breitenstein, Haas, Dettwyler.
FC Bern: Berger; Beuchat, Schneebeli; Stämpfli, Schmiedlin, Osterwalder; Motta, Amrein, Wenger, Brand, Molteni.

Bemerkungen: Terrain sehr tief, nachdem unmittelbar zuvor bereits das Serie-A-Spiel FC Basel – FC Luzern (2:0) ausgetragen worden war.

Quellen

Quelle und Zitate u.a.: Fussballclub Nordstern Basel 1901-2001, 100 Jahre Idealismus, Glück und Pech; Redaktion: Hans Hunziker.

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