Zurück in die Sackgasse

Unter dem Brennglas medialer Beachtung geht der Aufmarsch zwei der grössten Fanszenen beim Schweizer Cupfinal in Bern nicht ohne Auswüchse über die Bühne – mit den üblich gewordenen Übertreibungen anschliessend, Schuldzuweisungen und Drohgebärden. Die Stadt Bern mag den Final nun nicht mehr – vielleicht ist andernorts auch ein Endspiel mit weniger Aufregung im Vorfeld möglich.

Nie wieder? Bern will künftig weder Fanmärsch noch den Cupfinal in der Stadt. (Bild: Freshfocus, Christian Pfander)

Unter dem Brennglas medialer Beachtung geht der Aufmarsch zwei der grössten Fanszenen beim Schweizer Cupfinal in Bern nicht ohne Auswüchse über die Bühne – mit den üblich gewordenen Übertreibungen anschliessend, Schuldzuweisungen und Drohgebärden. Die Stadt Bern mag den Final nun nicht mehr – vielleicht ist andernorts auch ein Endspiel mit weniger Aufregung im Vorfeld möglich.

Vielleicht hätten sie besser geschwiegen nach diesem Cupfinal. Schiedsrichter Patrick Graf zum Beispiel, der mit einer kapitalen Fehleinschätzung soviel Einfluss auf den Ausgang der Partie nahm, wie es Spielleiter in ihren schlimmsten Träumen nicht erleben wollen. Dass Graf dafür gefeiert wurde, hinterher Stellung zu nehmen, ist eine der Übertreibungen, die dieses Spiel mit sich gebracht hat. Dass der Regelkundige anhand der Fernsehbilder immer noch keinen Elfmeter für den FC Basel erkannte – geschenkt.

Zumal der Cupsieg des FC Zürich in den Hintergrund gerät angesichts der Begleitmusik. Angefangen bei der bekannten Droh-Rhetorik aus Bern im Vorfeld («Nie mehr Fanmärsche») bis zu den Knallpetarden und Hassgesängen der Fanblöcke am Spieltag. Nachdem mühsam ein Weg geebnet wurde zu diesem Endspiel, steckt man nun wieder in der Sackgasse.

Es laufen einmal mehr die üblichen Schuldzuweisungen und Verantwortlichkeitsdebatten. Das Spiel war kaum abgepfiffen, da posaunte es aus der Berner Hardlinerecke von Sicherheitsdirektor Reto Nause: «Den Fans eine Chance gegeben – Chance verpasst.»

Es gab ohne Frage sehr unschöne Szenen, als tausende Fans – die meisten friedlich – durch die Stadt zogen, zuvorderst jene, die gerne besonders bedrohlich wirken möchten. Es gab Sachbeschädigungen, Verletzte, es gab einen Stein, der ein Loch in den Mannschaftsbus des FC Basel schlug.

Alte Behauptungen, neu aufgelegt

Nüchtern an Ausschreitungen gemessen, die bei Fussballspielen in der Schweiz oder bei anderen Massenveranstaltungen schon stattgefunden haben, gab es aber keine «Spur der Verwüstung», wie sie die «Rundschau» nachzeichnete. Das SRF-Politmagazin gab auch den SBB erneut eine Plattform, um von «drei Millionen Franken Schäden» zu reden, die durch Extrazüge an Fussballspiele pro Jahr verursacht werden sollen. Eine Behauptung, die schon längst widerlegt ist.

Es war am Ostermontag – schwierig genug  für Polizei, die Transportunternehmen, Fussballverband, Clubs und Fanarbeiter – das Zusammentreffen von zwei grossen und rivalisierenden, wilden und selbstbewussten Fanszenen der Schweiz. Für einmal fielen die Anhänger des FCB sogar weniger aus dem Rahmen als jene des FCZ. Seine Cupsiegerlaune wollte sich FCZ-Präsident Ancillo Canepa durch die unschönen Szenen nicht verderben lassen und schob die Schuld unbekannten Krawalltouristen in die Schuhe. Auch hier wäre Schweigen Gold gewesen.

Der SFV wird zur Kasse gebeten

In der Bundesstadt, dem traditionellen Austragungsort des Endspiels, heisst es nun: «Kein Cupfinal mehr in Bern». Vorerst will man noch beim  Schweizerischen Fussballverband abkassieren. Der hat sich bis Mittwoch noch nicht geäussert, wird jedoch kaum umhin kommen, die 200 000 Franken zu berappen, die er als Kostenbeteiligung in Aussicht gestellt hat. Das würde allein der Personalaufwand der Polizei rechtfertigen, den auch jeder Club bei jedem Spiel in der Swiss Football League verrechnet bekommt.

Das Geld wird der SFV verschmerzen können, dringlicher scheint ein Antwort darauf, warum der gesamte Cupwettbewerb an Zugkraft verloren hat, warum der Final nicht mehr zum Fussballfest wird und warum die 2014er-Auflage die am schlechtesten besuchte seit zehn Jahren war. Vielleicht freut man sich andernorts sogar auf ein Endspiel. Und vielleicht kann man ein solches Endspiel auch wieder einmal mit weniger Drohgebärden vorbereiten, als zuletzt in Bern.

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