Barfi.ch steht vor der Schliessung

Die Basler News-Plattform Barfi.ch steht vor dem Aus. Das Unternehmen befindet sich in Nachlassstundung. Gelingt es nicht, bis in vier Monaten Geldgeber zu finden, dürfte es zur Schliessung kommen. 

Drei Jahre Optimismus: Christian Heeb hat seit der Gründung 2015 Millionen in Barfi.ch investiert.

Bei Christian Heeb kommen gerade einige Dinge zusammen. In ein paar Wochen geht der Basler Medienmacher formell in Rente, und am 1. August feiert sein Onlineprojekt Barfi.ch den dritten Geburtstag. Es könnte sein, dass Heeb bald doppelt Abschied nimmt: von seinem Berufsleben und seinem Medium.

Heeb hat heute Donnerstag ein trauriges Editorial veröffentlicht. «Wie sieht die Zukunft von Barfi.ch aus?», fragt Heeb im Titel. Der Text ist mit einer Sonne bebildert, die von Wolken umschlossen ist. Einige davon wirken düster.

Heeb schreibt, dass das Basler Zivilgericht die Nachlassstundung über sein Portal verfügt hat. Ein vom Gericht eingesetzter Sachwalter hat jetzt zwei Monate Zeit, neue Geldquellen zu erschliessen oder die Gläubiger zu einem Schuldenverzicht zu bewegen.

Scheitern die Bemühungen, kommen bestenfalls zwei weitere Monate Gnadenfrist hinzu. Es ist wenig Zeit, um das zu schaffen, was vorher nicht gelang.

«Gläubiger», sagt Heeb auf Anfrage, «bin fast nur ich.» Unter zwei Millionen Franken habe Barfi.ch pro Jahr gekostet, erklärt Heeb. Doch die Kosten liefen mehrheitlich bei ihm auf.

Mehrere Millionen Franken hat der Gründer von Radio Basilisk bereits in sein Onlineprojekt gesteckt. Trotz stolzer Zugriffszahlen gelang es Barfi.ch nie, ausreichend Werbeeinnahmen zu generieren. Der durchaus erfolgreiche Mix aus Nostalgie, Lokalnews und Service liess sich nie monetarisieren.

Barfiland soll wachsen

Christian Heeb wäre nicht, wer er ist, würde er auch in diesen düsteren Zeiten keinen Optimismus versprühen. «Wir sind bei der Werbung vieles falsch angegangen», erklärt er. Lokale Unternehmen anzusprechen sei ungemein schwierig gewesen und nationale Agenturen hätten zu wenig eingebracht. Jetzt habe er aber einen neuen Vermittlungspartner an der Hand. «Die sind auf uns zugekommen», sagt Heeb.

Auch seinen Plan, im Franchise-System das Barfiland zu vergrössern, hat er noch nicht abschliessend beerdigt. Rastlos suchte er in den letzten Monaten nach Partnern. Mit Ablegern in anderen Städten hätte ein Verbund entstehen sollen mit genügend Reichweite, um für die Werbung interessant zu sein.

Zuletzt hätte es fast geklappt mit einem neuen Verbündeten, erzählt Heeb. Am 28. Juni sei dann der vereinbarte Betrag nicht wie versprochen auf dem Konto erschienen. «Da bin ich sofort ans Zivilgericht gelangt, ich will mir nicht Konkursverschleppung vorwerfen lassen.»

Der Richter habe ihm dann erzählt, es bestehe gar kein Grund für einen Konkurs, eine Überschuldung könne er nicht feststellen. «Mir hat das Mut gemacht», sagt Heeb.

Auch in die Fähigkeiten seines Sachwalters setzt er «grosse Hoffnungen». Was kann er sonst auch tun?

Noch kein Sozialplan

Elf Vollzeitstellen beschäftigt der frühere Radiomacher von Barfi.ch. «Das verschworenste Team, das ich je hatte in 50 Jahren Medien», sagt Heeb über seine Leute. Deren berufliche Zukunft ist ungewiss. An einen Sozialplan denkt er trotzdem noch nicht. «Wir schaffen das», sagt er.

Aber glaubt er noch an die Wende, oder wird er, wenn das Wunder ausbleibt, nochmals Geld einschiessen? Heeb will sich auf kein Bekenntnis einlassen. Er sagt: «Im Vordergrund stehen jetzt die Gespräche mit zwei potenziellen Partnern.»

«Wie sieht die Zukunft von Barfi.ch aus?», fragt Heeb in seinem Editorial. Er dürfte die Antwort kennen.

Konversation

  1. Falls barfi.ch weiter existieren darf, sollten sie mal die Qualität überdenken. Was auf barfi.ch teilweise an falschen Fakten und Grammatik- und Rechtschreibfehlern offenbar unredigiert veröffentlicht wird, ist abenteuerlich.

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  2. Ich erinnere mich zurück an die Zeiten von Radio Basilisk! Heeb war jung, schön, gut vernetzt im Daigg und erfolgreich. Alle „mussten“ das Lokalradio hören. Das war im letzten Jahrhundert!
    Als Aktivist bei Radio Dreyeckland Basel erlebte ich, wie unser „Hörer-Radio“ damals politisch verhindert worden ist. Es durfte nur DAS Lokalradio geben. Wie wenn man im Tessin experimentierhalber die AHV nicht eingeführt hätte…
    In 30 Jahren hat sich alles geändert. Heute „muss“ man im Internet surfen und der Daigg ist mit dem Radio nicht mehr präsent. Und anscheinend auch nicht mit „dem barfi.ch“.
    „Monopolmedien“ verlieren ihre zentrale Stellung. JedeR hoppelt auf seiner eigenen App und hat keine Ahnung wie die übrigen hoppeln. Soziale Atomisierung auf allen Ebenen. Wichtig ist geworden, seine „Liebe mit einem Malschlösschen“ auf der Rheinbrücke der Welt zu verkünden. Wen interessierts? Auch da muss periodisch wieder „abgeräumt“ werden. Amen

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  3. Basel eine Presse- Wüste.
    Wer ist der nächste?
    Neue kamen und gingen.
    Die Alten sowieso.
    Was kommt nun?
    Bild, Hürriyet oder CNN ?

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