«Der Pöbel muss draussen bleiben» – er sprayt aber Anti-Uni-Slogans an die Martinskirche

Zum Dies academicus haben Unbekannte in der Nacht auf Freitag eine Reihe historischer Gebäude, darunter die der Martinskirche, mit Sprayereien verunstaltet.

Unbekannte haben in der Nacht auf Freitag, 24. November 2017, Botschaften gegen die Uni auf der Martinskirche und anderen Gebäuden hinterlassen. (Bild: Gabriel Brönnimann)

Der diesjährige Dies academicus, der Feiertag der Universität Basel, an welchem die Studentinnen und Studenten frei haben und die Lehrenden Kontakte pflegen, Reden halten und gemeinsam feiern, wird dieses Jahr von Misstönen begleitet. Die Vollversammlung der Studierenden hat zu einem «Trauermarsch» vor der Martinskirche, dem Zentrum der universitären Feier, aufgerufen.

«In getragener Trauer soll die Universität beerdigt werden und den ProfessorInnen einen Spiegel vorgehalten werden. Wir fordern von den ProfessorInnen Solidarität mit den Studierenden über die akademischen Hierarchien hinweg, eine klare Positionierung gegen Studiengebührenerhöhungen und die Sparmassnahmen. Die Umsetzung der Sparmassnahmen ist ein Angriff auf die Universität an sich einschliesslich aller Beteiligten»,

heisst es in der Information zur geplanten friedlichen Protestaktion gegen den im Rahmen des neuen Auftrags entstandenen Druck auf Fächer, Stellen und ganze Departemente.

https://tageswoche.ch/politik/stagnation-und-faecher-abbau-der-neue-auftrag-ist-gift-fuer-die-uni-basel/

Unbekannte haben in der Nacht auf Freitag zu drastischeren Mitteln gegriffen, um ihre Botschaft zu verbreiten. Die Fassaden der Martinskirche, des gegenüberliegenden Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) sowie des Eikones-Instituts am Rheinsprung wurden mit Parolen besprayt.

Unbekannte haben in der Nacht auf Freitag, 24. November 2017, Botschaften gegen die Uni auf der Fassade des WSU und anderen Gebäuden hinterlassen.

Die TagesWoche hat mit den Organisatoren des geplanten Protests gesprochen. «Wir waren das nicht», heisst es von der Vollversammlung der Studierenden. Sprecherin Anthea Nauer: «Die Sprayereien haben nichts mit unserem Protest zu tun. Das möchten wir betonen. Wir distanzieren uns von dieser Aktion.»

Die plumpen Parolen an den Wänden richten sich denn auch nicht gegen einen politisch verordneten Abbau, sondern gegen die Uni an sich.

Unbekannte haben in der Nacht auf Freitag, 24. November 2017, Botschaften gegen die Uni auf der Fassade des WSU und anderen Gebäuden hinterlassen.
Am Eikones-Gebäude am Rheinsprung war schon vor 8 Uhr jemand mit einer ersten Reinigungsaktion am Werk.
Die Martinskirche am 24. November 2017, kurz vor acht Uhr morgens.

Konversation

  1. Leider sehe ich auf meinem Weg zur Arbeit immer wieder derartige Schriftzüge auf Mauern und Hauswänden. Diese Art von Protest ist vor allem eins: Sachbeschädigung. Die Schmierer sind offenbar nicht fähig, sich auf politischem Weg Gehör zu verschaffen, oder sie kennen die entsprechenden Wege nicht. Und so kommt mir immer wieder das Bild eines Hundes in den Sinn, der an jeder Ecke markiert; der denkt auch nicht.
    P.S. Übrigens bin ich strikt gegen jeglichen Bildungsabbau, der bei den geplanten Sparmassnahmen klar folgen wird, sei es an der Uni Basel oder an den Schulen.

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  2. Ich bin froh, dass es in Basel eine Universität gibt. Sie ist auch ein Ort, wo es differenzierter zu und her geht, als zum Beispiel in der „Arena“ oder bei „Teleblocher“.
    Die beklagten Probleme in den unteren sozialen Schichten haben mit einem Kapitalismus zu tun, der wenn schon an einer Wirtschaftshochschule gelehrt wird oder wurde, und eigentlich ein amerikanisches Produkt ist. Turbokapitalismus, Hire & Fire, Hungerlöhne sind Ausdruck einer Gesinnung, die nicht an der Uni wächst, ihren Ursprung woanders hat. Da, wo man sich dem Finanzkapitalismus verschrieben hat, wo mehr Geld mit Geld „verdient“ wird, statt mit Arbeit, dort wären Die Sprüche adäquater gewesen. Die verstehen es aber elegant, sich im Schatten zu halten.
    Wer plumpe Steuererleichterungen für Grossfirmen ermöglicht, gleichzeitig aber die Kosten für das Putzpersonal drückt, wer statt Sozialhilfe nur noch Nothilfe für die Ärmsten übrig hat, hätte solche Sprüche viel eher verdient.

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  3. Diese Botschaften sind alles andere als plump. Sie treffen voll ins Schwarze!
    Wir haben z.B. zwar einen Überfluss an Zahnärzten, aber die Preise sinken nicht. Lohndruck gibt es nur für Nichtademiker. Die Parlamente sind verseucht von Akademiker, sie sind krass überproportional vertreten. Das Gesundheitswesen ist eine einzige Umverteilungsmaschine von Nichtakademiker zu Akademiker. Und die Finanzindustrie unterschlägt die Gewinne, welche in der produktiven Wirtschaft erarbeitet werden.
    Aber der Tag wird kommen, an dem der Pöbel seinen Dampf nicht nur in Form von Rechtspopulisten-Wählen oder Parolen-Sprayen ablassen wird. Ich freue mich darauf und werde an vordester Front mit dabei sein!

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    1. Ihr anarchistisch angehauchter Beitrag strotzt vor unausgegorenen Allgemeinplätzen. Churchill wusste solch abstruses Zeugs richtig einzuordnen: Wenn man mit 20 kein Sozialist ist, hat man kein Herz. Wenn man mit 50 immer noch einer ist, hat man kein Hirn.

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    2. Ja, man hat so seine Referenzen.
      Churchill! Die angelsächsische Upperclass, möge sie zum Teufel gehen!

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    3. Die Parlamente „verseucht“, die Akademiker als Krankheitsträger? An „vordester Front“? Interessante Wortwahl, Hauptmann.

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    4. Ja richtig! Dünkel, Gier und Habsucht sind Krankheiten und die sollte man mit den geeigneten Mitteln bekämpfen.

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  4. Feige, plumpe und grenzdebile Aktion.

    Die Parolen erinnern an die „Uni-Besetzung“ bei der nur linksgesinnte Akzeptiert waren beim Mitmachen (Selber damals so erlebt) – und am Schluss das „Selbstverwaltete“ sanft einschlief.

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