Des einen Rassismus ist des andern Tradition

Was an der Fasnacht kaum Anstoss erregt, sorgt im Hochsommer für rote Köpfe: Darf eine Gugge im Jahr 2018 noch «Negro» im Namen führen und auf ihrem Emblem das Zerrbild eines primitiven Wilden zeigen?

Einfach glatt oder voll daneben? Seit dem Fest der Kleinbasler Gugge wird heiss diskutiert.

Am Ausgangspunkt steht ein Fest: die Party einer altgedienten Basler Gugge vom vergangenen Sonntag auf dem Claraschulhof. Die Märsche sind längst verklungen, aber die Feier hallt nach. In den sozialen Netzwerken. Im Postfach der TagesWoche. Bei der Fachstelle Rassismus. Bei «20 Minuten».

Die Absender mehrerer Nachrichten zeigten sich darin irritiert, beleidigt bis wütend über das Banner der Festgesellschaft, das erst am Basel Open Air, dann auch auf dem Festgelände zu sehen war: «E nätts Negro-Fescht. Härzligg willkomme», stand dort. Neben dem Schriftzug spielte eine Figur mit dicken Lippen, Armschmuck, Bastrock und nackten Füssen die Pauke. Und ein Knochen im Haar. Es handelt sich um das Vereinsemblem der «Negro-Rhygass», die dieses Jahr ihren 60. Geburtstag feiern.

Rassismus und Kolonialismus reproduziert?

Das Banner mit Emblem und Schriftzug polarisierte, gelinde ausgedrückt. Die Nachrichten an die TagesWoche waren eindeutig: Es sei anzunehmen, schreibt ein Leser, «dass mit der Durchführung des Festes Rassismus und Kolonialismus öffentlich präsentiert und reproduziert werden». Andere schicken Bilder des Banners: «What do you think?»

In den sozialen Netzwerken kursieren der Aufruf, das Fest zum Erliegen zu bringen, und die «dringliche Bitte» auszusprechen, den Namen zu ändern.

Das Fest selbst wurde nicht attackiert. Zwei Passanten hätten während des Wochenendes um Auskunft gebeten, sagt Niggi Schmieder, der Obmann der «Negro-Rhygass». «Diesen wurde versucht, in höflichem Austausch zu erklären, was hinter dem Namen und dem Logo steckt.» Weitere Interventionen bei der Gugge blieben laut Schmieder aus.

Die Gugge führt ihre Geschichte als Argument gegen den Rassismusvorwurf an. Im Taschenformat geht die so:

1927 schliessen sich einige Kleinbasler unter dem Namen «Negro-Rhygass» zusammen und machten Guggenmusik. Zitat aus der Vereinshistorie: «Zu ihrem aussergewöhnlichen Namen verhalf ihnen der Schweizer Flugpionier Walter Mittelholzer, der in diesem Jahr bei einem kühnen Unternehmen mitten in Afrika notlanden musste. Daher auch unser Vereinsemblem: Ein kleiner Mohr mit Pauke.» Nach einer zwischenzeitlichen Flaute wurde die Gugge 1957 neu gegründet.

Ist etwas rassistisch, weil es so gemeint ist – oder ist es rassistisch, weil es so empfunden wird?

Die TagesWoche hat Obmann Niggi Schmieder mit den Rassismusvorwürfen konfrontiert. Wurde die «Negro-Rhygass» schon in der Vergangenheit mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert? Schmieder verneint: «Wir haben in den letzten 60 Jahren nur ganz selten kritische Rückmeldungen erhalten. Weder der Name noch das Emblem unseres Vereins suggerieren Rassismus.»

Dass sich eine Gugge ausgerechnet nach 60 Jahren und ausgerechnet im Hochsommer mit ihrem Namen herumschlagen muss, ist kein Zufall. Im Getümmel der Fasnacht ist der Name viel weniger exponiert und steht in einem anderen Kontext als während eines Quartierfests.

Ausserdem tragen die «Negro-Rhygass» an der Fasnacht niemals rassistische Sujets oder Kostüme zur Schau. Ihr Stammkostüm ist der Clown, ihr Markenzeichen sind die silbernen Schuhe und das Schweinchen auf der Nase. Nur auf den neu gekauften Trommeln, dort prangt ganz klein die Karikatur mit dem Knochen im Haar.

Auch wenn Obmann Schmieder sich nur an wenige kritische Rückmeldungen erinnert – aufgetaucht sind sie in der Vergangenheit immer wieder. Das zeigt schon eine kurze Recherche: Auf Facebook schreibt im September 2017 User Ruedi Scheidegger:

Die Bezaichnige «Guggemuusig Mohrekopf» und «Negro-Rhygass» geen nimme. Das isch absolut rassistisch. Y ha d Uffschrifte vo däne Snare & Bass Drums im Comité gmäldet. Das muess umgschryybe wärde in «Dunggli Rhygass» und ooni Nägerkopf im Logo. Jäwoll.

In einem Beitrag der «Basler Zeitung» vom Februar 2018 spricht  BaZ-Kolumnist -minu Obmann Schmieder auf mögliche Namensprobleme an, «wegen politischer Korrektheit». Er zitiert Schmieder mit den Worten: «Manchmal bekommen wir anonyme Briefe oder Zettel – man müsse die Bezeichnung ändern. Aber wir sind ja wirklich keine Rassisten. Und eine alte Tradition kann keiner plötzlich nicht mehr beim Namen nennen.» Eine verdrechselte Antwort auf eine umstrittene Frage: Ist etwas rassistisch, weil es so gemeint ist – oder ist es rassistisch, weil es so empfunden wird?

Obmann distanziert sich von Rassismus

Obmann Schmieder sagt, die «Negro-Rhygass» distanziere sich klar von Rassismus und jeglicher Form von Diskriminierung. «Der Name und das Logo repräsentieren einzig die Geschichte unseres Vereins, und dieser Name wie auch das Emblem haben nachweislich keinen rassistischen Ursprung.»

Man kann dies auch anders sehen. Im Juli 2018 widmete das Zürcher Landesmuseum dem Schweizer Flugpionier Mittelholzer eine Ausstellung. Und zwar ohne die problematischen Seiten des Fliegers und leidenschaftlichen Fotografen zu verschwiegen, wie die NZZ in ihrer Besprechung festhielt.

Mittelholzer lässt in den Schilderungen seiner Afrikareisen – ganz dem damaligen Zeitgeist entsprechend – immer wieder kolonialistische Wertungen erkennen. Und er hat viele seiner Bilder von Eingeborenen auch gestellt. So hat er die Leute etwa überredet, für die Fotos ihre Kleider abzulegen oder Stammeskleidung anzuziehen, die sie sonst nicht mehr trugen. All dies ist in der Ausstellung gut dokumentiert.

Die Doktorandin Jovita Pinto hat viel über Postkolonialismus und Rassentheorie geforscht. Für die TagesWoche wirft sie einen Blick auf das Emblem der Gugge und sagt:

«Diese Karikatur spiegelt den kolonialen Blick der 20er- und 30er-Jahre. Der Bastrock und die Nacktheit trennen die zivilisierte Betrachterin von der unterentwickelten, primitiven Kultur des afrikanischen Kontinents. Der Knochen weckt Assoziationen mit Kannibalismus. Dieser Exotismus war gerade in den 30er-Jahren weit verbreitet, zum Beispiel in der Werbung oder den populären Völkerschauen.»

Für die Doktorandin sind Emblem wie Festbanner eindeutig rassistisch. «Dass das infrage gestellt wird, zeigt, dass koloniale Vorstellungen immer noch Alltag sind», sagt Pinto.

Der Diskussionsbedarf scheint indes gross zu sein. Bei der Nordwestschweizer Beratungsstelle «Stopp Rassismus» ist laut einem Artikel von «20 Minuten» infolge der Debatte bereits ein Anruf des Kantons eingegangen. In den sozialen Netzwerken ist die Diskussion voll entbrannt. Allerdings wenig differenziert, Daumen hoch und durch.

Der Grundton der zahlreichen «Negro»-Verteidiger lautet, Fasnacht sei nun einmal nicht politisch korrekt. Und Tradition nun mal Tradition. Verteidigende Stellungnahmen finden sich auch aus Reihen der Politik wie von Baselbieter FDP-Landrat Marc Schinzel:

Mit «Hexenjagd» ist klar, wer hier das Opfer sein soll. Und der Rassismusfrage weicht man so auch aus. Was «Tradition» ist, das kann ja unmöglich schlecht sein. Oder?

Der «Schwarze Peter» wird fleissig herumgereicht. Nicht mitspielen darf derzeit «Negro-Rhygass». Die Facebook-Seite der Gugge – auch die der «Guggemusig Mohrekopf» – war am Mittwochmorgen nicht mehr aufrufbar. Auch die Eingabe von www.negro-rhygass.ch führt zu einer Fehlermeldung.

Dossier Nur noch schwarz und weiss

Hashtags ändern sich, die Debatten bleiben hässlich. Das kriegen wir besser hin, oder nicht?

Alles zum Thema (10)

Konversation

  1. Der eigentliche Witz an diesem Aufreger der Woche ist doch, dass hier grösstenteils Rassisten mit Rassisten streiten wer ein Rassist ist. Meiner Meinung nach sind Weisse, die dieses Banner bzw. Logo kritisieren die grösseren Rassisten als diejenigen die es (gedankenlos) verwenden. Letzterere sind einfach nur unreflektiert. Die (weissen) Kritiker jedoch posieren als Anwälte einer Minderheit der Sie nicht angehören. Sie massen sich an deren Gefühle einschätzen zu können. Sie versuchen sich als „gute“ und „rechtschaffene“ Menschen darzustellen ohne die vermeintlichen Opfer, die sie meinen verteidigen zu müssen, zu fragen ob sie das überhaupt wollen. Das ist die gleiche Denkweise wie bei den Kolonialisten im 19. Jahrhundert, die meinten sie müssten „den Wilden“ die Zivilisation beibringen. „Wir müssen die armen Farbigen vor den bösen Rassisten von der Negroclique verteidigen“ ist eine paternalistische Anmassung, als wären diese Farbigen kleine Kinder die noch nicht für sich selbst sprechen können. „White mans burden“ par excellence.

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    1. Ich bin nicht sicher was Sie mir mit diesem unkommentierten Link sagen wollen. Soll das eine Unterstützung meiner Position sein? Ein Gegenargument? Wollten Sie überhaupt eine eigene Meinung äussern?

      Im Artikel geht es um die moralische Beurteilung einer jahrhundertealten Kultur vom heutigen Standpunkt aus (ein Unterfangen das meines Erachtens sinnlos ist, ausser vielleicht als philosophische Fingerübung) und die Theorie der sogenannten „kulturellen Aneignung“ (die ich ablehne). In meinem Kommentar geht es um das Verhalten von Menschen hier und jetzt.

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    2. nach Ihrer Haltung dürfen also nur Frauen für ihre Rechte eintreten? Und solange das nicht erfolgreich geschieht, darf man weiterhin so mit Frauen umgehen, wie man das will.

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    3. Nein, das habe ich nicht gemeint. Besonders ihren zweiten Satz halte ich für eine unredliche Unterstellung. Ich habe – um ihre Analogie zum eigentlichen Thema zurückzuführen – nirgendwo gesagt, rassistisches Verhalten sei irgendwie ok, im Gegenteil, ich kritisiere Rassismus.

      Können Sie sich vorstellen dass es eine Diskussion geben kann in der beide Seiten unrecht haben?

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    4. ja, das kann ich. aber Sie verweigern einer Seite ja, überhaupt erst darüber nachzudenken/sprechen.

      ein mündiger Bürger/eine mündige Bürgerin soll sich doch auch für andere stark machen können, für andere eintreten. das verneinen Sie mit Ihrem Post – und das ist für mich nicht nachvollziehbar.

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  2. Selbstverständlich bin ich Antirassist. Selbstverständlich bin ich gegen rassistische Schikanen der Polizei, bin ich gegen die schändliche Behandlung der Flüchtlinge aus dem Süden, gegen die ungerechten Handelsgesetze mit den südlichen Ländern, gegen den Diebstahl an den Rohstoffen aus den armen Ländern usw. Aber ob ich „Neger“ sage oder nicht. Das zu diskutieren, ist reines Ablenkungsmanöver und bringt dem „Neger“ gar nichts.

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  3. Natürlich muss eine Umbenennung her. Im badischen Herten gibt es einen Campingplatz namens „Negerdörfle“. Scheint sich bisher niemand dran zu stören, leider.

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  4. Es darf kein Zweifel bestehen bleiben, wie der Name „Mohrenkopf“ oder „Negro“ gemeint sind. Die Begründung der Clique wie auch der Firma Richterich für die Namensgebung sind absoluter Schwachsinn. Ginge denn ein „Es nätts Neger-Fescht“ durch? Ja? Nein? Was jetzt? Zudem ist das schwarze Männchen eine schwarze Frau mit Baströckchen und Ohrringen. Das ganze also nicht nur rassistisch sondern auch sexistisch! Rückgrat wäre hin zu stehen und den Namen zu ändern. Schon längst überfällig.

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  5. würden die EX Europäer England sowas machen w ä r e es sicher
    Rassismus bei deren dahingehenden Vergangenheit und auch heute noch herrschenden GROSSHERRENGETUE. By uns aber isch NEGRO RHYGASS e Begriff wie dr MOHREKOPF au me muess nit alles eso ärnscht näh nähmt mi Wunder was fir Lyt eso-ne Gschyss mache, BASLER KENNE DAS NIT SI MIR HAENN HUMOR

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    1. Kleine Anmerkung am Rande: 1. gab es Sklaverei seit dem Altertum, 2. Auf allen Kontinenten, 3. waren es Briten und Franzosen welche als erste die Sklaverei abschafften bzgw. verboten.

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    2. @ Frank Bisky:

      Nr. 4: Die weissen Sklavenhändler gingen praktisch nie auf Sklavenjagd, sondern kauften ihre „Ware“ bei den schwarzen Herrschern an der Westküste ein.

      Aber wir sollten wahrscheinlich davon ausgehen, dass diese das – in den Augen der postmodernen Gerechtigkeitskrieger – durften, weil das die dortige althergebrachte Kultur war…

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    3. Wer schreit – das Äquivalent im schriftlichen Austausch ist die durchgängige Grosschreibung – hat meistens keine Argumente. Wie dieser Beitrag zeigt.

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  6. Diese Rassismus-Kritik ist völlig weltfremd. Es sind gerade die Cliquen und Guggen, die grossartige, praktische Integrationsarbeit leisten. Wohl weit mehr als diejenigen, die vom Kämmerchen aus Sprachhygiene betreiben. Wohin dieser resolute Kontrollwahn führen kann, muss nicht näher erläutert werden.

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  7. Die Qualität dieser und vergleichbarer Diskussionen ist zum kotzen.

    Natürlich ist diese Figur rassistisch, sie entspringt einem Gedankengut welches man bestenfalls als historischer Zeitgeist, auf jeden fall aber als menschenverachtend und xenophob bezeichnen sollte. Soviel mal dazu.

    Der ausschlaggebende Punkt ist aber Intention die hinter einer Darstellung steht. Wenn die SVP Ausländer als schwarze Schafe oder Terroristen darstellt, dann weil sie ein aktives Interesse daran hat, diesen Menschen zu schaden. Dann geht es um eine beleidigende, verletzende Verunglimpfung. Das geht nicht.

    Die Fasnacht, genau wie viele Arten von Kunst, Kultur und Brauchtum stehen in einer Tradition der Narrenfreiheit, der Unkorrektheit und der Unbequemheit. Dies birgt eine wichtige Qualität in sich. Figuren wie der „Waggis“ welcher die Elsässer karikiert oder der „Zwarte Piet“ in Holland sind Beispiele für an sich problematische Figuren, die sich aber im Brauchtum von ihrer Herkunft gelöst haben und auch nicht mehr mit dieser Intention benutzt werden. Wer denkt denn heute beim Waggis noch an die „doofen Elsässer“?

    Narrenfreiheit verlangt den Akteuren aber auch eine Auseinandersetzung mit ihrem Ausdruck ab. Wenn am Ilmtaler Karneval ein Nazipanzer mit der Aufschrift „Asylabwehr“ mitfährt dann ist dies in keinster Weise reflektiert und auch nicht intelligent überhöht sondern einfach nur Scheisse. Wenn Pegida sich Mülleimer über den Kopf stülpt und am Cortege mitläuft, dann missbrauchen sie die Narrenfreiheit für ihre schäbige Politik, dann wird der eigenen Agenda das Deckmäntelchen der Kunstfreiheit aufgelegt. Die Fasnacht soll und darf alles und jeden kritisieren, aber sie ist kein Transportmittel für eine politische Agenda.

    Wer sich exponiert sollte um seinen Ausdruck wissen. Provokation und künstlerischer Ausdruck verpflichtet. Und immer wieder stehen da Leute wie begossene Pudel im Regen und wundern sich dass gewisse Leute nicht toll finden was sie machen. Ich halte es grundsätzlich für völlig legitim wenn die Negro-Rhygass als Traditionsverein ihr Wappen weiterträgt. Zur gleichen Zeit muss sie aber ihre Geschichte dazu (die mit Herrn Mittelholzer und seiner Weltanschauung nicht umbedingt ganz sauber ist) reflektieren und Position beziehen können (Was sie inzwischen ja auch tun, wenn auch leider erst nachdem es mal geknallt hat). Wenn ich Kacke auf eine Leinwand schmiere dann muss ich ja auch erklären können warum ich das gerade wichtig und richtig finde. Die Mitglieder der Negro-Rhygass werden auch kein Stück weniger rassistisch wenn man ihnen verbietet ihren Namen zu tragen. Was für eine hirnrissige anmassende Vorstellung.

    Wir leben in einer turbulenten Zeit in der sich vieles wandelt. Die LGTB-Bewegung erkämpft sich ihre Rechte, der latent konservative Muff wird wieder und wieder in Frage gestellt, der Kapitalismus bröckelt, die Welt vernetzt sich, Menschen auf allen Kontinenten versuchen sich ihre Freiheit zu erstreiten. Das schafft auch Unsicherheit. Und eine Reaktion die ich vielmals beobachte ist, dass man sich geradezu zwanghaft vergewissern muss, zu den „Guten“ zu gehören. Dass man sich und allen anderen beweisen muss wie korrekt man doch ist, dass man gerade zu missionarisch für die Interessen derer kämpft von denen man denkt dass sie es nötig haben, ohne vorher einen Gedanken daran zu verschwenden ob genau das jetzt der wichtigste Kampf ist den man führen sollte. Und so verstricken sie sich in Grabenkämpfe für jeden Schnickschnack und machen am Schluss nichts anderes wie genau die Scheisse zu reproduzieren die sie eigentlich ausmisten wollen.

    Zur Blockierung der Facebook-Seite kann ich nur sagen, dass Facebook ein privater Anbieter ist und entscheidet welche Inhalte er zulässt. Die digitalen Kontrollorgane des Silicon Valley Giganten können sich auch unmöglich mit den hiesigen kulturellen Eigenschaften und Brauchtümern auseinandersetzen und eine differenzierte Entscheidung treffen. Klingt Scheisse, is aber so… Und etwas dass man nun mal in Kauf nehmen muss. Ich wurde auch schon für das posten einer zu feminin erscheinenden Brustwarze gesperrt, letzten Endes ist es unsere Entscheidung hier zu sein. Und dass Facebook ein Saustall ist das dürfte allen hier versammelten klar sein.

    Mit einer Hysterie werden jetzt „je suis negro“ Posts geteilt und geklagt. Was für ein Hohn gegenüber diesen Menschen die ihr Leben lassen mussten in der Redaktion des Satiremagazins. Ich finds auch doof dass man nach 10 Uhr im Pronto kein Bier mehr bekommt -> #Jesuisunterhopft oder dass ich mir auf dem Weg ins Bad den Fuss angestossen habe -> #Jesuiskleinerzeh Das einzige was sich mir mit diesem Verhalten zeigt ist, dass die Gegenseite genauso unreflektiert in ihren Mustern hängt wie die oder derjenige der in vorauseilendem Gehorsam gegenüber ihrer/seiner politisch korrekten Erziehung gleich sämtliche Register gezogen hat.

    Ich denke dass Rassismus ein effektives Problem in unserer Gesellschaft darstellt. Aber der problematische Rassismus ist nicht das völlig Inhaltsleere Überbleibsel einer Tradition, der problematische Rassismus ist für mich derjenige der dazu führt, dass Menschen mit exotisch klingendem Nachnamen keine Wohnung finden, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft in Camps am Stadtrand interniert werden, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe kontrolliert und verdächtigt werden, dass Ängste und Ressentiments geschürt und Menschen für die Rettung von Ertrinkenden bestraft werden. Und da sollte geschrien werden! So laut dass es alle hören! Wenn wir alle diese Probleme gelöst haben, eine aufmerksame und humanistische Grundhaltung der gesellschaftliche Konsens ist, dann, aber erst dann können wir uns mal über kleine schwarze Männchen unterhalten und werden merken, dass sich dieses Problem inzwischen schon längst von selbst gelöst hat.

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    1. Danke für diesen vielschichtigen Post mit wertvollen Gedanken.
      Ein Aber gibts gleichwohl: Klar gibt es grössere Probleme, klar, muss mann zuerst andere Probleme lösen. Bloss ist das halt nicht immer so einfach. Manchmal muss man auch den umgekehrten Weg gehen: Ausläufer des wirklichen Problems bekämpfen, um auf das wirkliche Problem hinzuweisen. Die „kleinen schwarzen Männchen“ sind natürlich nicht ein grosses Drama, aber sie sind eine Folge des grossen Dramas. Nur weil das grosse Drama nicht gelöst ist, heisst das noch lange nicht, dass man sich auch nicht über unbedeutende Ausläufer des Dramas ärgern soll/darf.

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    2. > Und dass Facebook ein Saustall ist das dürfte allen hier versammelten klar sein.

      Hahaha, dass man das noch sagen muss. Recht haben Sie allemal!
      (Fängt ja schon bei der Benutzerführung an. Schon mal versucht, etwas einzustellen? Igitt.)

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  8. Wenn man keine Probleme hat oder die Vorhandenen nicht erkennt macht man sich eben welche. Peinlich dass man Traditionen und Namen/Bezeichnungen die seit ganz vielen Jahren bestehen dem Rassismus zuordnet. Das Rassismusempfonden sind auf der unguten Seite angelangt. Egal ob Mohrenköpfe, Negro Rhygass, Zigeunerschnitzel oder toapktuell die JUSO Präsidentin welche sich über den Hitparadensong 079 auslässt und darin Sexismus erkennt. War nicht sie es, die vor kurzem Oben Ohne ihren BH verbrannt hatte ?
    Wie sieht es eigentlich aus mit Zürcher Geschnetzletem (!) oder den schlüpfrigen Basler Läckerli (!) Wer nimmt sich diesen Themen an ?
    Und auch ein wichtiges Thema – hat Druckerschwärze nicht auch bereits was Rassistisches ? Sollten wir Zeitungen lieber weiss auf weiss drücken ?
    Übrigens werdet Ihr in Afrika auch als Weissköpfe etc. Bezeichnet – auch dies politisch absolut nicht korrekt, nur schert sich auf diesem Kontinent niemand um sowas, denn da hat man oft andere Probleme!

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  9. Jaja die Traditionen! Die darf man/frau offenbar nicht in Frage stellen, aber es gab/gibt ja auch die Tradition der Skalverei, und die ist tausende Jahre älter als diejenige der Negro Rhygass oder der Mohrekepf. Soll man/frau diese auch weiterhin dulden, wegen der Tradition???

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  10. Geht Spass und Vergnügen rücksichtslos oder gar brutal auf Kosten von anderen, kann es Diskriminierung oder gar Rassismus werden. Die Übergänge sind fliessend. Ähnlich ist es mit dem Selbsterhaltungstrieb, der von gut auf böse kippen, und sich als Gier verheerend auswirken kann, wie wir dies aktuell mit den Folgen beispielsweise für die Umwelt erleben.

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    1. Genau und sehr begrüssenswert, dass sich die Firma nicht dem Druck beugt. Sorry aber Negerkuss ist ja kein wirklich passender Ausdruck und Schaumkuss etc. Klingt auch arg bescheuert. Mohrenkopf und gut ist – die grösste Mehrheit denkt da an das essbare Süssteil und nicht an Menschen !

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  11. Wenn Tout Bâle, oder zumindest ein paar versprengte StudentInnen, schon den Drang verspürt porentief politisch Korrekt zu sein, dann würde ich eher die unmittelbare Vergangenheit aufarbeiten. Eine Vergangenheit, welche wirklich schmerzhaft und entlarvend für einen Grossteil der damaligen Bevölkerung war. Kümmern wir uns um die Geschichte des Basler Zollis.

    Wiederkehrende und allseits beliebte Attraktionen waren zwischen 1879 bis 1935 die Völkerschauen im Zoologischen Garten Basel. Die Völkerschauen fanden übrigens nicht ausschliesslich in Zoologischen Gärten statt (auch die ZürcherInnen kamen in den Genuss von solchen Attraktionen), sondern auch in Varietés und Zirkussen. Auch der Zirkus Knie zeigte diverse Völkerschauen. 1931 beispielsweise eine Indianerschau. 1935 wurde in Basel noch ein letztes Mal eine «Marokkanergruppe« gezeigt, danach schien das Publikumsinteresse nach solchen Völkerschauen zu erlahmen. Es würde nicht schaden, wenn man rund um diese Völkerschauen die Geschichte aufarbeiten würde. Auch die Geschichte des Basler Zollis.

    Da wirkt die jetzige Aufregung über Reminiszenzen der Basler Fasnacht etwas platt. Wir werden es nicht schaffen die Vergangenheit zu eliminieren. Auch wenn wir alle zweideutigen Anspielungen oder Verballhornungen verbieten.

    Das ist jetzt fürwahr kein Aufruf um lasch über Alltagsrassismus hinweg zu schauen. Aber! Man kann es mit der politischen Korrektheit übertreiben.

    Amerikanische Verhältnisse würde ich mir jedenfalls nicht wünschen. Dort treibt man die politische Korrektheit soweit, dass am Schluss keiner mehr getraut etwas zu sagen. Alles ist einklagbar. Im Gegenzug leisten sich die AmerikanerInnen aber seit einiger Zeit einen politischen Pausenclown, der alles tun und machen kann, was Gott verboten hat und Rassismus und Diskriminierungen aller Art anheizt. Solche Brandstifter sollte man an den Pranger stellen.

    Im Vergleich sind da Bezeichnungen wie, «Waggis», «Schwoobekäfer», «Rauracher Rueche», oder «Mohrekepf», die reinsten verbale Liebkosungen.

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    1. naja, die Zoo-Historie wurde doch bereits mehrmals kritisch beleuchtet und aufgearbeitet. der Zolli selbst hat dabei geholfen und die Archive freigegeben.

      Heute macht der Zolli keine Völkerschauen mehr, keine Werbung mit dem „Mohrenkopf“. Die Gugge macht das heute noch.

      Also was hat jetzt der Zolli mit der Gugge zu tun?

      für mich braucht die Gugge nichts zu ändern. aber ein bisschen reflektierter darf man schon sein. „je suis fasnacht“ ist für mich zu lasch. und die „political correctness“-Keule braucht man auch nicht gleich zu schwingen.

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    2. Ein Unrecht wird nicht gerechtfertigt wenn man auf ein anderes Unrecht verweist. Wenn man diese Argumentationslinie konsequent zuende führt dürfte man garnichts mehr kritisieren.

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  12. O tempora, o mo(h)res! Wenn nächstens die Zauberflöte aufgeführt wird, wird’s noch unkorrekter: Eindeutig rassistisch und sexistisch!! Und über Zircher, Schwoobe und Rambasse kein Wort mehr, alles Rassismus. Und Frau Aenishänsli selig geht schon gar nicht, total sexistisch…

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  13. Das Problem ist, dass beide Seiten unsachlich sind und nicht ernst genommen werden. Postkolonialismus ist (wie Gender) mehr Ideologie als Wissenschaft. Das an sich verdienstvolle Anliegen wird absurd übersteigert. So wird jede europäische Auseinandersetzung mit fremden Kulturen durch die Brille des Kolonialismus gedeutet und verteufelt. Dabei gab es immer auch positive und neutrale Auseinandersetzungen mit dem Fremden. Auf der anderen Seite sollen die Fasnachtsvereine endlich mal einsehen, dass sich die Welt geändert hat, dass wir zu einer vielfältigen Gesellschaft geworden sind, wo Anliegen von Minderheiten nicht mehr mit Füssen getreten werden können wie einst.

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    1. Zedermann, die Minderheiten formulieren ihre Anliegen selbst. Deren Substanz wird nicht von den Zedermännern unserer Gesellschaft bestimmt. Das hatten wir zu lange.

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    2. „Das hatten wir zu lange.“

      *seufz* Ich weiss, ich weiss…

      Heutzutage ist jeder seine eigene Minderheit und formuliert seine Anliegen selbst. „Identitätspolitik“, der Pickel am Gesäss unserer Gesellschaft.

      Gib uns unsere Triggerwarnungen und Safe Spaces und erlöse uns von den Strukturen…

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    3. Schauen Sie, Herr Zedermann, ihre lustigen Witze sind in Wirklichkeit verächtlich und rassistisch. Sie machen sich keine Mühe, sich in die reale Situation von Rassismusbetroffenen einzufühlen. Klar kann man das tun, das hat man jahrhundertelang auch mit Juden so gehandhabt. Erst ein Völkermord hat zum Umdenken geführt. Natürlich, nicht bei allen.

      PS. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man jegliche vorgebrachten individuellen Empfindlichkeiten zur Aussetzung der Diskussion führen sollen. Aber sich darüber lustig zu machen ist eine andere Sache.

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    4. … oder political-correctness-Fanatiker … oder political-correctness-Fanatiker-Veräppeler … oder, oder, oder …

      Sagen Sie Ihrer Nichte, die Welt ist nicht „entweder oder“, sondern besteht aus sehr vielen Graustufen. Hinzu kommen noch Ironie und Satire, womit wir wieder beim Karneval wären, der ja auch meist für die machtlosen Minderheiten Partei ergreift.

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  14. jaja, es war ein heisser Sommer und die Sonne hat vielen die vernüftigen Hirnzellen rausgebrannt….
    Die Cultural Appropiation verlangt, dass Auswärtige sich gar nicht zu diesem Thema äussern dürfen, da dies nicht ein Teil ihrer Kultur ist. Nur Basler und von den Baslern nur die maximal-pigmentierten (darf man das schreiben?) und von denen hat sich keiner geäussert. könnt Ihr das noch organisieren?
    Zudem finde ich es verwerflich, wenn Stänkerer sich fremde Kulturen aneignen und Schottenröggli (notabene gehört Schottland zum Commonwealth und das steht auch für Kolonialismus) tragen und von „Näger“-Kepf schreiben….

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