Eklat in der Israelitischen Gemeinde Basel: Ein neuer Vorstand muss her

Wegen Mitgliederschwund, damit verbundenem Spardruck und anhaltenden Diskussionen um hohe Sicherheitskosten ist die Hälfte der Vorstandsmitglieder der Israelitischen Gemeinde zurückgetreten.

Basel-Stadt ist bereit, sein Engagement für die Sicherung jüdischer Einrichtungen zu erhöhen.

Die Israelitische Gemeinde Basel steckt in Schwierigkeiten. Die älteste jüdische Religionsgemeinschaft der Schweiz hat in den vergangenen 40 Jahren rund die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Und damit auch viel Geld, das dringend nötig wäre, um die Sicherheit ihrer Einrichtungen, vorab der Synagoge an der Leymenstrasse, zu gewährleisten.

Die hohen finanziellen Aufwendungen in Zeiten des Spardrucks haben zu Differenzen innerhalb des Vorstands und mit Gemeindemitgliedern geführt. Guy Rueff, Präsident der Israelitischen Gemeinde, bestätigt entsprechende Berichte des jüdischen Wochenmagazins «Tachles» und des SRF-«Regionaljournals».

Zu viel Geld für Sicherheitsmassnahmen?

«In der Gemeinde und im Vorstand war man sich uneinig, ob man so viele Mittel in Sicherheitsmassnahmen investieren soll und damit andere Aufgaben, wie Bildung, vernachlässigen», sagt Rueff.

Vier von acht Vorstandsmitgliedern sind inzwischen zurückgetreten – allerdings nicht alle wegen den genannten Uneinigkeiten, wie Rueff sagt. Das hat zur Folge, dass der Vorstand rechtlich eigentlich nicht mehr beschlussfähig ist. Weil man kurzfristig keine Ersatzkandidaten finden konnte, haben der Vorstand und der Präsident auf Herbst ihre Rücktritte angekündigt. «Wir wollen Platz machen für neue Kräfte und einen Neuanfang ohne Altlasten», sagt Rueff.

Die Zeichen stehen gut, dass die Neubesetzung des Vorstands nicht mehr vor dem Hintergrund der schwierigen Sicherheitsdebatte wird stattfinden müssen. Wie aus der Antwort der Basler Regierung auf eine Motion der Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission des Grossen Rats hervorgeht, ist der Kanton Basel-Stadt bereit, sein Engagement für die Sicherung der jüdischen Einrichtungen nachhaltig zu erhöhen. Dies mit dem Ziel, «die Sicherheitskosten der jüdischen Organisationen in Basel substanziell zu senken», wie es im Bericht heisst.

Regierung und jüdische Organisationen sind sich einig

Die Regierung denkt dabei nicht an öffentliche Subventionen für private Sicherheitsdienstleistungen, sondern an einen «markanten Ausbau der polizeilichen Präsenz» und – «wo möglich und sinnvoll» – bauliche Massnahmen. Dies sei auch im Sinne der betroffenen jüdischen Organisationen, heisst es im Bericht.

Diese Zusage stimmt Rueff zuversichtlich, dass die Gemeinde ihr Problem wird lösen können, obwohl es bereits bei der letzten Wahl vor rund anderthalb Jahren nicht einfach gewesen sei, acht Vorstandsmitglieder zu finden. «Aber ich bin von Natur aus ein optimistischer Mensch», fügt er hinzu.

Konversation

  1. In jedem Verein mit grossem Mitgliederschwund gibt’s drei Möglichkeiten:

    ◾Neue Mitglieder anwerben
    ◾Mitgliederbeiträge anheben
    ◾Kosten senken

    Warum nun gerade dieser Verein es frühzeitig verpasst hat, eine oder mehrere Wege zu beschreiten, weiss nur er selbst.

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  2. Die Synagoge muss geschützt werden, auch weil sie Teil vom Basler Kulturgut ist.
    Aus den gleichen Gründen lässt man auch das Spalentor stehen, obwohl es den Autos und dem Drämmli mittlerweile im Wege steht. Weil es Kulturgut ist, wird es auch renoviert und erhalten.
    Das ist hier nicht anders.

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  3. Was ist denn explizit, also die unmittelbare Bedrohung? Gab es Attentate oder wovon wird hier überhaupt gesprochen?

    Die Schweiz ist als solches bereits sicher und wenn es wirklich eine konkrete Bedrohung gibt, wird eine erhöhte Polizeipräsenz wohl nicht viel bewirken.

    Sehr dubios.

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    1. Ob’s konkrete Bedrohungen gibt, wird – aus nachvollziehbaren Gründen – nicht publik.
      Insofern kann der interessierte stadt-spazierende Laie auch nicht abschätzen, wie sicher die Schweiz ist.

      Ob mehr Polizeipräsenz mehr Sicherheit bringt, kann der Laie – mit „Grundkenntnissen“ der Sicherheitsbranche, aus meist US-amerikanischen Actionfilmen – schon gar kaum abschätzen.
      Zumal in solchen Situationen der Typus „Clouseau“ wohl eher nicht beauftragt wird und die Beamten sehr diskret agieren würden.

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  4. Macht es sich die Politik hier nicht etwas einfach, das Problem mit höherer Polizeipräsenz zu lösen.
    Das kostet zwar nichts, aber die eingesetzten Polizisten fehlen an einem anderen Ort.
    Oder ist eine Aufstockung der Polizei vorgesehen?

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