Marktkauf will Mäuse mit Schall verscheuchen

Zwischen den Regalen im Marktkauf in Weil am Rhein entdecken Kunden eine Maus. Das Warenhaus scheint ein grösseres Problem zu haben, denn es greift zu Schallschreckgeräten. Das bringt nichts, sagen Profis.

Der Marktkauf kämpft mit Schall gegen Mäuse. Junge Menschen oder ältere mit besonders sensiblen Ohren können die hochfrequenten Töne hören. (Bild: Nils Fisch)

Etwas unbeholfen krabbelt das Mäuschen auf dem rutschigen Parkett vorwärts, unsicher, in welchem Regal es verschwinden soll. Die Szene hält ein Kunde mit dem Handy fest und alarmiert die Angestellten, berichtete «20 Minuten» Anfang Oktober. Der Fund scheint kein Einzelfall zu sein. Leser des Artikels berichten von weiteren Begegnungen mit Nagetieren im Marktkauf. Hat das Warenhaus ein ernsteres Schädlingsproblem?

Die Marktkauf-Besitzerin Edeka hält sich bedeckt. Auf Anfrage der TagesWoche teilt sie schriftlich mit, dass der Marktkauf kontinuierlich mit geeigneten Systemen überwacht werde. «Wenn, wie hier, im Einzelfall das Monitoring einen Schädlingsbefall anzeigt, dann wird sofort dagegen vorgegangen», so Sprecher Christhard Deutscher. Die Frage, wie häufig solche Einzelfälle vorkommen, lässt er unbeantwortet. Ebenso jene danach, wie denn diese Systeme genau aussehen.

Mit 15 Euro gegen Nager

Gross genug scheint das Problem allemal zu sein. Bei den Fleischregalen im Erdgeschoss und bei den Lebensmitteln im Obergeschoss hängen Schallanlagen, die wie ein Marderschutz pfeifen. «Ultrasonic Pestrepeller» heissen die Geräte, die die Nagetiere von den Lebensmittel fernhalten sollen. Sie schicken Schallwellen mit 130 Dezibel durch die Gänge. Die hochfrequenten Töne mit über 20’000 Hertz sind aber nur für sensible menschliche Ohren hörbar.

Zusätzlich zu diesen Geräten empfehlen Onlineshops Schädlingsabwehrgeräte mit Druckwellen und elektromagnetischen Wellen. Ob die bei Marktkauf auch irgendwo stehen?

Besonders viel Geld gibt Edeka für diese Massnahme gegen die Schädlinge nicht aus, die Geräte sind bei einschlägigen Shops für 15 Euro pro Stück zu haben. Zum Glück, denn: «Diese Geräte sind ihr Geld nicht wert», sagt Frank Baumann, stellvertretender Dienstleistungsleiter beim Kammerjägerunternehmen Anticimex. Mit Schall könne man die Schädlinge nur vorübergehend vertreiben, so Baumann. «Die Mäuse rennen um die nächste Ecke und nisten ausser Hörweite.» Haben sich die Nagetiere erst mal häuslich gemacht, würden nur noch Köder oder Fallen helfen.

Nagetiere sind nicht nur unappetitlich zwischen Lebensmitten, sie können auch Krankheiten übertragen. «Über Flöhe können sie Infektionen an Menschen übertragen», sagt Baumann, «daher sind Nagetiere im Laden ein Hygieneproblem.» In wilde Panik müsse man bei Mäusen aber nicht verfallen. «Früher schnitt man die angeknabberten Stellen im Käse einfach grosszügig ab.»

Ladenbesuch ohne Türen

In der Schweiz kämen Nagetiere in Lebensmittelgeschäften selten vor, so Baumann, der mit seinem Team mehrere Hundert Läden betreut. Genaue Zahlen könne er aber nicht liefern. Auch die grossen Schweizer Ladenketten informieren nur spärlich über ihre Strategie gegen Schädlinge. Denner legt aber besonderen Wert auf abgedichtete Lager- und Verkaufsräume. «Zusammen mit Profis stellen wir sicher, dass keine Nager eindringen können», so Sprecher Thomas Kaderli. Trotzdem hätten die Mitarbeiter stets ein wachsames Auge für Schädlinge.

«Eine dichte Gebäudehülle ist das A und O», pflichtet Baumann bei, «auch wenn das teuer ist.» Denn wenn die Tiere in der Nacht einen Weg zur Nahrung finden, ist den Nagetieren nur schwer beizukommen. «Mäuse und Ratten werden besonders in dieser Jahreszeit von der Wärme angelockt.» Seien nicht alle Wege blockiert, hätten sie in der Nacht leichtes Spiel. Für einen Ladenbesuch durch den Haupt- oder Lieferanteneingang seien die Tiere allerdings zu scheu. «Da ist ein unverhoffter Transport per Lastwagen wahrscheinlicher», sagt Baumann.

An baulichen Massnahmen führt also kein Weg vorbei. Für eine kleine Denner-Filiale dürfte es leichter sein, sich abzudichten, als für ein ganzes Einkaufszentrum. Wie gut sich die Schweizer und deutschen Häuser gegen die Schädlinge abdichten, lässt sich nicht herausfinden. Die grossen Ketten lassen sich nicht in die Karten blicken. Nur bei Coop und bei Edeka ist tatsächlich von baulichen Massnahmen die Rede.

Offen bleibt, warum im Marktkauf trotz dieser baulichen Massnahmen pfeifende Mäuseschrecke nötig sind. Edeka unterstreicht aber, dass die zuständige Behörde nie etwas beanstandet habe.

Konversation

  1. Wie wäre es mit einer Katzenzucht, die nachts im Laden geordneten Freilauf hätte? Die bekommen dann Läckerlis, wenn sie die Maus bringen.

    Eien entsprechend gezielte Katzenzucht könnte noch ein Geschäftszweig sein, besteht das Problem doch überall, wo Lebensmittel diskret vor sich hinduften.

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