Schrot, Steine, Böller – Der Krawall nach der Räumung der «Schwarzen Erle»

Am Mittwochnachmittag beendete die Polizei die letzte Hausbesetzung in Basel, in der Nacht erfolgte die Reaktion: Auf Höhe Erlenmatt lieferten sich Demonstranten und Polizisten eine Strassenschlacht. Eine Dokumentation in Bild und Ton.

Da ist einiges kaputt gegangen: Demonstranten protestierten in der Nacht auf Donnerstag gegen die Räumung der «Schwarzen Erle».

Die Zeiten, als in Basel in diversen besetzten Häusern eine linksalternative Szene und Kultur heranwachsen konnte, sind vorerst vorbei. Sie gehen mit einem lauten Knall zu Ende. Nachdem die Basler Polizei die Räumung der «Schwarzen Erle» durch den Hauseigentümer tatkräftig unterstützt hatte, kam es in der Nacht auf Donnerstag zu Krawallen. Die «Schwarze Erle» war eine bislang geduldete Besetzung eines ehemaligen Bordells an der Kleinbasler Schwarzwaldallee.

Gegen 22 Uhr setzte sich als Reaktion auf die Räumung ein Protestmarsch von vielleicht 200 Teilnehmern von der Kaserne aus in Bewegung. Viele Sympathisanten, einige Vermummte vorneweg. Kurz vor der «Schwarzen Erle», auf Höhe der Grossüberbauung Erlenmatt, blockierten gepanzerte Polizisten den Marsch. Aus dem Protestzug flogen Feuerwerkskörper und Steine in Richtung Polizei, zurück kam Gummischrot in beträchtlicher Menge.

Schliesslich stürmte die Polizei die Protestgruppe, als diese Barrikaden auf einer Kreuzung errichtete. Es kam zu Jagdszenen im Quartier, Demonstranten flüchteten in Hauseingänge, Polizisten rannten knüppelschwingend hinterher.

Die Demo von Anfang bis Schluss in Bild und Ton

Schnurstracks in Richtung «Schwarze Erle».
Ein kleines Feuerwerk auf dem Weg zur «Erle».
Den 8er erwartet, die Demo bekommen.

Kurz vor dem Ziel versperrt dann die Polizei den Weg. Eine Warnung per Megafon verfehlt ihre Wirkung:

Zweiter Versuch. Wieder die Warnung – zurück kommt kein Verständnis, dafür ein Kracher.

Durchsagen auf der einen Seite, Schmäh- und Protestrufe auf der anderen. Polizei und Demonstranten stehen sich gegenüber, und einzelne denken bereits einen Schritt weiter.

Ein Abfalleimer muss als Barrikade herhalten.

Wirkt popelig, entfaltet aber Wirkung.

Dann endet das Geplänkel, die Polizei rückt vor, die Demonstranten werfen Steine und Feuerwerkskörper auf die Beamten.

Die Konfrontation eskaliert. Beide Seiten attackieren. Immer dabei: ein Kameramann der Polizei.

Die Tagesbilanz: Die «Schwarze Erle» ist nicht mehr. Vier Beamte wurden bei den Protesten laut Polizei leicht verletzt, die Rückscheibe einer Tramhaltestelle wurde zertrümmert und ein Auto beschädigt. Ob bei der Aktion Demonstranten verletzt wurden, ist unbekannt. Sieben mutmassliche Demonstranten wurden vor Ort kontrolliert, es gab aber keine Festnahme.

Das freut den Glaser.
Sicher ist sicher: Die Mattenstrassler sperren zu.

Konversation

  1. Ja klar das musste ja kommen. Wahrscheinlich war die Befreiung am Nachmittag Einfachs ehr unerwartet, so dass wenig Widerstand geleistet wurde. Das was da wieder abging ist natürlich unter aller Sau. Demolieren, Versprachen, Polizisten angreifen.

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  2. Schade! ich fand die Besetzung eigentlich ganz gut! Auch das Verhalten bei der Räumung fand ich gut. Nur zu dumm, dass diese – potentiellen zukünftigen Hauseigentümern als Vorbild dienende – Besetzung dann doch noch von einem graffiti-sprayenden und teilweise zerstörenden Demo-Zug gezeichnet wird. Warum muss nach einer Besetzung jedes Mal demonstriert werden? Jetzt ist doch so lange alles gut gegangen und let’s face it: das Haus gehört dem Besitzer und wenn er was damit machen will, muss man den Menschen auch respektieren. Nochmal: Ohne Demo wärs ein gutes Vorbild gewesen. Aber so würde ich mir als Hausbesitzer denken: Ne, das gibt mir nur Probleme…

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