Stücki macht Schluss mit Shopping-Tempel

Nach acht Jahren ziehen die Besitzer des Stücki-Zentrums einen Schlussstrich unter das Einkaufszentrum. Mit Um- und Neubauten setzen sie auf eine Zukunft als Business-, Wellness- und Entertainment-Park.

Visualisierung des Stücki Parks mit den geplanten vier Erweiterungsbauten. (Bild: Swiss Prime Site)

«Tempora mutantur et nos mutamur in illis» – die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen, sagt der Lateiner. In dieser Sprache drückten sich die Besitzer des serbelnden Shopping-Zentrums Stücki in Kleinhüningen natürlich nicht aus. Aber inhaltlich meinten sie dasselbe.

«Die Welt von heute ist eine ganz andere als die vor acht Jahren», sagte Peter Lehmann, CEO des Immobilien-Riesen Swiss Prime Site, am Mittwoch an einer Informationsveranstaltung.

 «Das Stücki wird kein Einkaufszentrum mehr sein»

Ein Blick zurück: Vor acht Jahren öffnete das Stücki-Einkaufszentrum seine Tore. Acht Jahre lang versuchte die Besitzerin, den Betrieb ins Rollen zu bringen – vergeblich.

Der tiefe Fall des Euro-Kurses verbaute dem Zentrum in unmittelbarer Nähe zum Billig-Einkaufsparadies in Weil am Rhein von Beginn weg jegliche Chancen, sich zu etablieren. «Wir standen vor der absurden Tatsache, dass der Business-Park, der quasi als Abfallprodukt des Einkaufszentrums entstand, viel besser rentierte», sagte Lehmann.

Das ist die Ausgangslage, die Swiss Prime Site zum radikalen Umdenken verleitete. «Das Stücki wird kein Einkaufszentrum mehr sein», betonte Portfolio-Manager Anastasius Tschopp ein gutes halbes Dutzend Mal. Das heisst: Einkaufen wird zwar auch in Zukunft noch möglich sein, aber nur für die Nahversorgung der umliegenden Quartiere – und längerfristig auch für Entwicklungsgebiete wie Klybeck plus oder Rheinhafen.

Das heisst, dass wenige Grundversorger wie Migros, Denner oder Mobilezone bleiben, während Textil- und Schmuckfachgeschäfte verschwinden werden. Mit Bächli Bergsport wird ein neuer Ankermieter dazustossen. Damit wird das künftige Retail-Angebot mehr oder weniger abgesteckt sein. Die Einkaufsgeschäfte werden mit 10’000 Quadratmetern künftig weniger als ein Drittel der heutigen Fläche in Anspruch nehmen.

Kliniken und ein «Gigaplex-Kino»

Die Zukunft des «Stücki Parks», wie das Gebiet neu genannt wird, fasste Tschopp mit den Begriffen «Innovation», «Business», «Culture», «Entertainment», «Gastronomie» und «Health» zusammen. Die brachliegenden Einkaufsflächen werden also zum Gesundheits- und Erlebniszentrum umgenutzt – wobei nach Auffassung der Planer diese beiden Begriffe nicht so klar voneinander zu trennen sind.

«Wir werden der unattraktiven Konkurrenz in Deutschland mit Qualität und purer Masse entgegentreten.»

Edi Stöckli, Grosskinobetreiber

So sollen sich in der unmittelbaren Nachbarschaft zum offenbar heute bereits florierenden und ausbauwilligen Fitness-Zentrum dereinst Gesundheitsdienstleister wie Beauty-Kliniken, Zahnärzte und Allgemeinmediziner ansiedeln.

Und nicht weit davon entfernt will ein neues «Gigaplex-Kino» für geistige Erbauung und Unterhaltung sorgen – mit nicht weniger als 18 Sälen und «4DX»-Angebot (das ist ein Kino für alle Sinne, in dem es auch mal regnen und beben kann).

Die Verantwortlichen geben sich überzeugt, dass sich dieses Monster-Kino trotz der Billig-Konkurrenz in Weil am Rhein durchsetzen wird. «Wir werden der unattraktiven Konkurrenz in Deutschland mit Qualität und purer Masse entgegentreten», sagte der Zürcher Grosskinobetreiber und ehemalige Pornokönig Edi Stöckli gegenüber der TagesWoche.

Und weil Erlebnis und Health auch durch den Magen gehen, wollen die Verantwortlichen auch das Gastro-Angebot massiv ausbauen.

So viel zur Zukunft des bald ehemaligen Einkaufszentrums.

Zukunft als Business-Zentrum

Zum gewichtigsten neuen Schwerpunkt will Swiss Prime Site den Business-Park ausbauen. Ausbauen im wahrsten Sinne des Wortes. Anschliessend an den bestehenden Bauriegel sollen in zwei Etappen vier neue Bauten oder «Fingerdocks» entstehen, wie sich die Verantwortlichen ausdrückten. Damit wird sich die heutige Labor- und Bürofläche auf 60’000 Quadratmeter verdoppeln und dereinst Raum für 1700 Arbeitsplätze bieten.

Als Mieter hat Swiss Prime Site unter anderem Start-up-Unternehmen aus dem Life-Sciences-Bereich im Visier.

Zum Zeitplan:

  • 2018 wird der Umbau der Shopping-Mall und der Aufbau des «Gigaplex-Kinos» beginnen. Die ersten Filme sollen 2020 ein neues Publikum anlocken.
  • 2020 ist die Eröffnung der ersten beiden Bauten des erweiterten Business-Parks geplant. Je nach Nachfrage könnten die Bauten drei und vier bis 2023 folgen.

Konversation

  1. An alle Miesepeter: Reden wir jetzt doch einmal die neuen Stücki-Projekte „amerikanisch“ schön, dann kann nichts schiefgehen………. Switzerland first and just do it!

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  2. Doch kein IMAX und nur 4DX? 4DX ist eher eine billig Version…da hat wohl das Geld nicht gereicht. Wirklich schade, ins IMAX wäre ich auch hingegangen. (In Luzern zeigen sie leider primär Naturfilme anstatt Actionkino, eine Marktlücke in der Schweiz)

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  3. Die wissen aber schon was Kino in Weil am Rhein kostet? Wären wir nicht Originalsprache konsumierende Cineasten, wären die Preise wirklich sehr verlockend…

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  4. Hihi, jaaa, gute Idee: AJZ-Stücki. Was anderes läuft eh nie, weil nicht viel anders, als das Bisherig. Und natürlich mit viel Superlativen und Aufschneiderei… vom Porno-Kino-King ganz zu schweigen.

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  5. Die kapieren nicht das sogar ein Kino das Stücki niemals retten wird! Jetzt den Mediamarkt zu verlieren ist das totes Urteil! Und warum sollte man ins Stücki ins Kino wenn die Innenstadt voll Kinos ist???

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  6. ändern sich die Zeiten wirklich? Ich erinnere mich nur zu gut an die kritischen Stimmen, welche bereits lange vor der Eröffnung im Jahr 2009 die Grundidee, dass an der Grenze, aber auf Schweizer Seite, ein Einkaufszentrum entstehen soll. Man meinte damals, die Deutschen würden in der Schweiz dann Kaffee und Teigwaren kaufen, was ich schon damals etwas seltsam fand, denn die Globalisierung und das Internet gibt es nicht erst seit gestern…

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    1. Also für den Kaffee und die paar Nudeln (die aus Italien sind sowieso besser) hätte eigentlich auch so ein kleiner Laden (Modell Nespresso) gereicht.
      Dafür wäre das Einkaufszentrum wirklich überdimensioniert gewesen.

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  7. Das, was sich da auch noch rentieren könnte, wäre ein Hallenbad. Das fehlt sowohl in Basel wie in der näheren Umgebung.
    Solange nicht „Kurpreise“ dafür verlangt werden…, dürfte das zum Laufen kommen.

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