Testplanung Klybeck: Eine Schwimmhalle soll her

An der zweiten Beteiligungsveranstaltung zur Arealentwicklung Klybeck erhielt der Testplanungsentwurf der Lokalmatadoren Diener & Diener die besten Noten, wie ein Auswertungsbericht der Planungspartner BASF, Novartis und Kanton Basel-Stadt zeigt.

Erhalt bestehender Bauten als «Identitätsträger» wird gross geschrieben. (Bild: klybeckplus.ch)

Die Umgestaltung des 300’000 Quadratmeter grossen Industrieareals Klybeck zu einem neuen Stadtquartier ist ein Jahrhundertprojekt. Und eines, das die Planungspartner BASF, Novartis und Basel-Stadt mit grosser Sorgfalt und Weitsicht angehen möchten – unter anderem, indem sie die interessierte Bevölkerung bereits früh in den Planungsprozess mit einbeziehen.

Am 17. Juni konnten sich Interessierte mit vier Testplanungsentwürfen renommierter Planungsteams aus Basel, Rotterdam, Berlin und Frankfurt auseinandersetzen. Das Interesse war gross, rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten an der Veranstaltung mit. Die Planungspartner haben nun die an der Beteiligungsveranstaltung geäusserten Wünsche und Bedenken auswerten lassen und die Resultate in einem Bericht veröffentlicht.

Hier muss ein Hallenbad hin! Eindruck von der Beteiligungsveranstaltung vom 17. Juni.

Aus dem Protokoll der Beteiligungsveranstaltung lassen sich verschiedene Grundbedürfnisse herauslesen, die in den Kommentaren der verschiedenen Arbeitsgruppen zu den einzelnen Testplanungsentwürfen immer wieder auftauchen:

  • Dem Erhalt möglichst vieler Bauten als «identitätsstiftende» Merkmale wird ein hoher Stellenwert eingeräumt.
  • Der Kanton Basel-Stadt soll Arealteile erwerben, um gemeinnützige Entwicklungen und genossenschaftlichen Wohnungsbau zu ermöglichen.
  • Funktionen und Nutzungen sollen nicht starr zugeordnet oder abgetrennt, sondern stärker durchmischt werden.
  • Die Planung der Grün- und Freiflächen soll in einem sozialverträglichen Verhältnis zur angestrebten (und kaum bestrittenen) baulichen Dichte mit Hochhäusern und Blockrandüberbauungen stehen.
  • Die Uferflächen von Rhein und Wiese sollen öffentlich zugänglich und nutzbar sein.
  • Zwischennutzungen sollen möglich sein.
  • Verbreitet ist der Wunsch, dass das neue Quartier Angebote und Nutzungen aufweist, die auf die ganze Stadt ausstrahlen. Auffallend oft taucht in diesem Zusammenhang das offensichtlich dringliche Bedürfnis nach einer Schwimmhalle mit 50-Meter-Becken auf.

Gute Noten für Diener & Diener aus Basel

Von den vier Testplanungsentwürfen erhielt derjenige des Planungsteams rund um die Basler Architekten Diener & Diener die besten Noten. Dies vor allem, weil die Lokalmatadoren dem Erhalt und der Einbindung bestehender Bauten einen höheren Stellenwert zuordneten als die anderen Planer, was als «wegweisend» beurteilt wurde.

Auf Zuspruch stiess auch der Vorschlag, im Zentrum einen weiträumigen «Klybeckplatz» einzurichten, der von drei Hochhäusern mit öffentlichen Nutzungen gesäumt wird. Zum positiven Urteil trug auch der Vorschlag bei, die Flussufer zu begrünen und sie durch einen Ökokorridor (in der heutigen Mauerstrasse) zu verbinden.

Das «Kulturband» von OMA Rotterdam gefällt

Beim Beitrag des Planungsteams OMA (Rem Koolhaas) aus Rotterdam wurde in erster Linie der Vorschlag begrüsst, durch das neue Stadtquartier ein Kulturband (oder kulturellen «Backbone») mit öffentlichen Nutzungen und einer ausladenden Rheinplattform zu ziehen. Dieses Band habe das Potenzial für ein «starkes (Klein-)Basler Zentrum» gibt der Auswertungsbericht das Urteil der Beteiligungsveranstaltung wieder.

Kritisiert wird am OMA-Vorschlag, dass der Erhaltung bestehender Bauten wenig Gewicht beigemessen worden sei. Nicht zu überzeugen vermochte auch der Vorschlag, die Ufer des Rheins und vor allem der Wiese zu überbauen.

Kritik an der Neubauwut der deutschen Architekten

Weniger positiv fiel das Urteil zu den beiden Projektbeiträgen von Albert Speer & Partner aus Frankfurt und Hans Kollhoff aus Berlin aus – trotz einiger positiver Ansätze wie der Vergösserung des Horburgparks und der Schaffung einer Markthalle.

An beiden Vorschlägen wurde in erster Linie bemängelt, dass sie dem jetzigen Baubestand wenig bis fast gar kein Gewicht beimessen. Beim Vorschlag aus Frankfurt fehlten «die Utopie und die Innovation», ist zu lesen. Auch der Testplanungsvorschlag aus Berlin wird als «Projekt ohne Innovationskraft» beurteilt.

Bei allen vier eingeholten Vorschlägen wünschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Beteiligungsveranstaltung eine stärkere Durchmischung der Gebäudeformen und Nutzungen.

Synthese als Grundlage für einen Richtplan

Aus den Ergebnissen der Testplanung und der Beteiligungsveranstaltung lassen sich derzeit noch keine konkreten Vorgaben für das neue Stadtquartier herauslesen. Sie sollen in eine Synthese fliessen, die schliesslich die Grundlage für einen behördenverbindlichen Stadtteilrichtplan bilden soll. Das heisst auf Deutsch: Die vier Testplanungsprojekte werden nicht zu einem neuen Projekt zusammengeführt. Vielmehr geht es darum, aufgrund dieser Projekte thematische Grundsätze zur Baustruktur, Verkehrserschliessung Freiraumgestaltung und zu den Nutzungen zu definieren.

Und nicht zuletzt werden auch ganz pragmatische Überlegungen eine Rolle spielen. So viel Gewicht der Wunsch nach einer möglichst umfassenden Bewahrung des jetzigen Baubestands auch haben mag, letztlich werden wirtschaftliche und technische Gründe eine ausschlaggebende Rolle spielen.

Nicht wenige der alten und deshalb auch als schutzwürdig eingestuften Industriebauten dürften so stark mit Altlasten kontaminiert sein, dass sich deren Erhaltung und Umnutzung nur schwer verwirklichen lassen wird.

Konversation

  1. Ich kann nachvollziehen, dass Dieners „Erhalt und Einbindung bestehender Bauten“ gut ankommt. Auch ist das „Kulturband“ von OMA Rotterdam sehr ansprechend. Statt aber den Rhein zu überbauen (wie OMA vorschlägt), sollte die Wasserlinie zwingend (wie das Hans Kollhoff skizziert hat) durch eine Hafen-Einbuchtung verlängert werden. Deshalb ist das Projekt der Berliner nicht einfach ein «Projekt ohne Innovationskraft», sondern nimmt als einziges die Verbundenheit unserer Stadt mit dem Rhein als zentrales Element auf.
    Luka Takoa

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