Tock-tock! Niemand da – Grossaufgebot beendet «Besetzung» an der Elsässerstrasse

Schon wieder wurden an der Elsässerstrasse Häuser besetzt. Schon wieder fanden sich beim Räumungseinsatz keine Besetzer. Dafür konnten Anwohner, die nicht heim durften, der Polizei bei der Arbeit zuschauen.

Sturm aufs verlassene Haus – die Polizei dringt ins besetzte Haus ein.

«Schau Papa, schau», sagt einer der jüngsten Zuschauer. «So viele Polizisten. Und Blaulicht.» Der Junge blickt auf die Elsässerstrasse. Diese ist wegen der Räumung von drei zum wiederholten Mal besetzten Liegenschaften zwischen Voltaplatz und Hüningerstrasse abgesperrt. 

Es herrscht Grosseinsatz. 

Auf jeder Seite der Absperrung stehen fünf Mannschaftstransporter und Polizeiautos. In der Mitte, vor den drei besetzten Häusern einige Polizisten in Kampfmontur: kugelsichere Helme und Schilder. 

Die Polizei will verhandeln, doch die Besetzer ziehen dann lieber hinten raus ab.

Zwei maskierte Besetzer recken den Kopf aus dem Fenster. Die Polizei will mit ihnen verhandeln. Vergeblich. Einige Minuten später verschwinden die Maskierten im Gebäude.

Die Polizei sammelt sich vor der verbarrikadierten Haustüre des ersten Hauses und versucht mit Unterstützung der Feuerwehr und schwerem Gerät einzudringen. Mit dem Rammbock durch den verbarrikadierten Hauseingang, im Hausinnern dann mit der Trennscheibe. Das dauert. Und das Publikum wächst stetig, denn die Polizei verwehrt manchen Anwohnern den Zugang zu ihren Wohnungen. 

Im Lokal vis-à-vis wird der WM-Match ausgestrahlt. Als die Polizisten im Hausinnern verschwunden sind, fällt das 1:0 für Uruguay. Der kleine Junge jubelt. Er ist wohl ein Fan von Luis Suarez. Den Grosseinsatz und das Blaulicht hat er schon fast vergessen. 

Jetzt heisst es abwarten. Vor dem Lokal wenden sich manche vom Fernseher ab und dem Geschehen rund um die Besetzung zu. Public Viewing mal anders.

Die Polizei entfernt die Transparente, welche die Demonstranten aus den Fenstern gehängt hatten.

Eine Stunde passiert nichts. Das Publikum wird unruhig. Einige wollen zurück in ihre Wohnungen, doch das lässt die Polizei noch nicht zu. Dann tritt ein Polizist auf den Balkon des besetzten Hauses. Er entfernt die Transparente, die an der Fassade hängen. 

Kurz darauf kommen die Polizisten heraus. Besetzer haben sie keine verhaftet. Auf Twitter wird mitgeteilt, die drei besetzten Liegenschaften seien leer: «Es wurden keine Personen im betroffenen Gebäudekomplex angetroffen.» Wahrscheinlich sind sie durch den Hinterhof geflohen. 

Dann halt: Blaulicht aus. Die Polizei rückt ab. Die Anwohner dürfen nach Hause.

Kurz nach 17 Uhr wurde der Einsatz beendet und die Elsässerstrasse wieder für den Verkehr freigegeben.

Konversation

  1. Maibuebe-Streiche im 3-Streifen-Look.
    Transparente statt Geranien.
    Kapitalismus ist böse oder – wer den Strandtrip nach Essaouira letztendlich finanziert, ist egal.

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  2. In der Zwischenzeit marginalisieren sich die »Häuserbesetzungen« als Phantomschmerzen. Eine Besetzung steht offensichtlich für gar nichts mehr. Antiseptisch und frei von politischem Ballast. Das reine Erlebnis. Oder eben Nicht-Erlebnis. Ein paar lustige Transparente, ein Anruf bei der Polizei und tatütata fahren die schwerbewaffneten Polizisten in ihren Mannschaftsbussen vor die nächste verriegelte Liegenschaft. Ein gratis Amüsement für die ZuschauerInnen. Dann Entwarnung. Nächste Aktion.

    Auch der fliegende Tawo-Redaktor R.B. hat zwischenzeitlich den Spass an der Sache verloren und das Handtuch geworfen. Die Dauerskandalisierung ist verpufft. Das Katz-und-Mausspiel hat seinen Reiz verloren. Bereits wurden ein paar bilderbuchreife Besetzungen verpasst (u.a. Dreispitz, ehem. Urban Gardening- Freiluftgehege).

    Ja, wie sollen wir das Phänomen jetzt deuten? Ist die Besetzerszene in einer Sinnkrise? Oder kriegen die BesetzerInnen ihre Botschaften nicht mehr geregelt? Sie sollten’s doch wie bei der Verwaltung machen: Wenn der Chef die Botschaft nicht mehr formulieren kann, engagiert er sich einen tüchtigen PR-Stab. Kommunikationsprofis (meist ehemalige JournalistInnen) basteln aus Versatzstücken ein paar nette Sätzchen fertig ist die Botschaft. Die Presse übernimmt die Distribution.
    Dann wissen wir wenigstens, worum es hätte gehen können…

    Nächste Besetzung bitte!
    Basel Tourismus hilft bei der Organisation und übernimmt das Catering.

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