Tramhölle Basel?

Die «gefährlichste Tramhaltestelle der Schweiz» befindet sich offenbar in Basel, beim Bahnhof SBB. Politische Reaktionen und Opferzahlen stehen in keinem Verhältnis zu tatsächlichen Unfallproblemen in Basel.

Die gefährlichste Tramhaltestelle der Schweiz: Pro 15,3 Millionen Überquerungen gibt es einen Verletzten. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Eine Stadt in Aufregung. Die «gefährlichste Tramhaltestelle der Schweiz» befindet sich in Basel, hat die «Sonntagszeitung» recherchiert. Und zwar dort, wo man sie vermuten würde: am Bahnhof SBB, beim unübersichtlichen Centralbahnplatz. Sechs Personen wurden dort in den letzten zwei Jahren von einem Tram angefahren, mehr als sonstwo in der Schweiz.

Das schreckt natürlich auf. Ein eher unbekannter SVP-Grossrat namens Beat K. Schaller reichte ein ganzes Telefonbuch an Fragen als Interpellation ein. Diverse Politiker präsentierten gefragt oder ungefragt verkehrstechnische Lösungen des Problems. Die CVP war erst traurig und empört zugleich …

…dann tatendurstig:

Schaut man sich Tatort und Datenlage nüchtern an, klingt die Aufregung bald ab. Ein halbes Dutzend Tramlinien überqueren den Platz alle paar Minuten, dazu kommen drei Buslinien, Velofahrer, Taxifahrer und Zigtausende Passagiere – pro Tag. Gemäss «Sonntagszeitung» wurden in dieser komplexen Konstellation in den letzten sieben Jahren zehn Personen von Trams verletzt, davon zwei schwer.

Also lasst uns rechnen: 60’000 Passagiere pro Tag, die ins Tram einsteigen, verzeichnen die BVB. Mal 365 Tage und mal 7 Jahre ergibt  – sehr konservativ geschätzt – eine Gesamtzahl der potenziell von Trams bedrohten Platzüberquerer von rund 153 Millionen. Alle 15,3 Millionen Überquerungen knallt es also einmal mit Verletzungsfolge. Erstaunlich selten eigentlich.

Die Kollegen von der «bz Basel» haben im Frühjahr die Unfall-Hotspots der Stadt Basel zusammengetragen. Zwei traurige Tiefpunkte aus dem Jahr 2016: Fussgängerstreifen Zürcherstrasse in der Breite – 4 Schwerverletzte. Fussgängerstreifen Grenzacherstrasse beim Rankhof – 4 Unfälle, 1 Schwerverletzter, 1 Toter. 55 Verletzte gab es im letzten Jahr alleine auf Basler Fussgängerstreifen.

Anzahl Interpellationen dazu: 0.

Konversation

  1. Tramhölle Basel? Für mich, der den Platz mag so wie er ist, die gute Luft, die noblen Hotels, die zahlreichen Gastroangebote, breite Perrons, die Sitzgelegenheiten, die Bäumlein, Töpfe und Teppiche während den grossen Messen ist die Frage klar mit nein zu beantworten. Die Frage zur Sicherheit stelle ich mir zur Bus-Wendschlaufe. Sie ist brandgefährlich für alle Verkehrsteilnehmer.

    Die Beobachtung trifft leider nicht nur auf Basel zu, sondern auf jedes Bahnhofareal grosser Städte in der Schweiz: Dort, wo seit 150 Jahren E-Mobilität dominierte, bricht heute die Bus-Hölle auf.

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  2. Ich habe jetzt keine Statistiken gewälzt, denke aber die Anzahl der Verletzten oder Toten auf Basels Strassen verursacht durch Autofahrer hat die letzten Jahrzente stark abgenommen. Die Zahl der Verletzten durch Trams ist aber wohl stabil geblieben, von Denver besteht da natürlich Handlungsbedarf, denn solche Unfälle mit Trams haben sicherlich schwerwiegende Folgen für das Opfer.

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  3. Amsterdam der wahre Horror.
    Trams, Busse die Rasen und Taxis auf den Schienen.
    Dazu jede Menge Touris und Veloraudis. Ganz im Sinn von
    Herr RG Wessels. In der Statistik fehlt leider wie viele Velofahrer
    Fussgänger angefahren haben.
    Vorbild neu Nationalrat Roco Cattaneo, mit dem Händy am Ohr
    bei der Fahrt nach Bern. Nur Nationalräte erhalten keine Bussen.
    Man könnte meinen Basel sei eine Weltstadt, nur was haben wir
    für ein Luxusproblem?

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  4. Keine Ahnung wie man einen solchen Platz bauen konnte, so was von unübersichtlich, gefährlich und mühsam.
    Diesen Stadtplaner sollte man in die Provinz schicken, vielleicht nach Zürich oder so….

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    1. Das Gemotze ist so alt wie der Platz. Bis heute habe ich aber noch von keinem der Motzer einen brauchbaren Alternativvorschlag gesehen.

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    2. Nun ich Nachhinein für Sicherheit zu sorgen ist natürlich umständlich und teuer. Sowas müsste im Rahmen eines Sicherheitskonzeptes in der Planung stattfinden.
      Aber Ansatzpunkte gäbe es durchaus, so müssten zum Beispiel die Tramtrassen eindeutig markiert, zum Beispiel farblich und noch idealer wäre natürlich wenn jemand gleich erkennen könnte auf welchem Trasse ein kommendes Tram zu welcher Haltestelle fährt. Zu lösen wäre dies zum Beispiel mit LED Lichtbändern, aber der Aufwand hier wäre natürlich gross und ob da die Stadtbildkomission einverstanden wäre ist fraglich. Die Translationen am SBB wie am Barfi und MUBA sollten zudem wieder eine Absperrung bekommen, so dass Fussgänger gehindert werden die Schienen zu überqueren, dies würde auch den Chauffeuren den Stress etwas nehmen.
      Beim SBB sind es ja nicht nur die Trams und Fussgänger, es kommen noch Taxis dazu, ortsunkundige Autofahrer und Velos, welche den Platz kreuzen. Es fehlt leider auch an geeigneten Ein-/Ausladezonen vor dem Bahnhof für Reisende sowie Abstellmöglichkeiten für Autofahrer für Kurzzeitparking zum jemanden Abholen oder Kurz einkaufen, das Parkhaus ist da nicht ideal.

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    3. Unterführung, Überführung, andere Fahrt/-gehwege
      Das gekreuze ist furchtbar, zudem kommt immer ein Tram wenn der Zug in zwei Minuten fährt….
      Jetzt ist der Platz nicht mehr zu retten…

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  5. Auch wenn ich bei der Bahn auch nicht den grössten Aktionsbedarf sehe. Hier ist mal Platz für meine Lieblingsidee: Leuchtdioden an den Schienen mit verlegen, die ca. 5m vor den Wagen leuchten oder blinken. Vor allem an den Wahnsinnsstellen Centralbahnplatz, Aeschenplatz, Claraplatz, etc. Vor allem in dieser Dämmerungszeit.
    Vermutlich „zu teuer“ aber es würde schon den einen oder anderen fast-Herzinfarkt verhindern helfen …

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    1. Ohjeh!
      Die Leute würden fasziniert vor den LEDs stehen bleiben, …. – und peng!
      Verkehrszeichen umfahren geht auch nicht schneller!

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    2. na wenn Sie DAVOR stehenbleiben, funktioniert es genauso wie es soll! Herr Meier hatte oben ja auch die Idee durch das Licht quasi den JETZT grade befahrenen Weg vorzuleuchten. Es dürfte nur nicht zu zeitig bzw. zu weit leuchten, sonst verliert es den Alarm-Effekt. Die LEDs in den Teer direkt neben die Schienen zu legen ist bestimmt kein Problem, eher die Wartung. Ansonsten sehe ich hier ein schönes Schweizer Ingenieurs-Avangard-Projekt …

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    3. Für eine banale LED Beleuchtung braucht es keine Ingenieur Avantgarde Kunst. Eine dezente Beleuchtung/Markierung der Trassen in leichtem Grün, dann bei einfahrendem Tram einen rechtzeitigen Wechsel auf eine hellere Beleuchtung und einem Farbwechsel.
      Klar bei dem regen Tramverkehr gibt das natürlich eine vermutlich sehr deftige Lichtshow und Geblinke.

      Das unterirdische Führen der Linien wäre hier wohl definitiv geschickter gewesen. Aber nun im Nachhinein wäre sowas natürlich nur äusserst umständlich zu realisieren.

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  6. „… beim unübersichtlichen Centralbahnplatz. “
    Unübersichtlich? Alles ist auf einem Niveau mit freier Sicht. Der Centralbahnplatz ist sehr übersichtlich. Darum auch nur alle 15.3 Millionen Passagiere ein schwerer Unfall.

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  7. Und nur alle 20’000’000 Schuss verschossener Sturmgewehrmunition wird in der Schweiz jemand von jemandem mit einer Schusswaffe (noch nicht einmal mit dieser Munition) getötet und trotzdem schreien immer alle Linken auf…. Wie ich diese Zahlenspielchen liebe Herr Beck.

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    1. Für 10 bis 20 Tonnen Blei (5g/Schuss), die da in den Schweizer Boden geschossen werden nur einen Toten?
      Blei ist meines Wissens giftiger.

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    2. Was soll das denn? Wenn man ein „Linke : Rechte“-Spielchen daraus macht, kann man auch sonst einfach so daher reden? Ihr Zahlenspiel ginge nur, wenn die Sturmgewehr-Toten im Umfeld der militärischen Anwendung auftreten würden. Worüber sich der gesunde Menschenverstand empört, ist die Freiheit damit auch ausserhalb des Militärs rumschiessen zu dürfen. Also müsste man es mit den Fällen vergleichen, in denen die Tramfahrer in Ihrer Freizeit mit dem Trämli Leute platt machen …

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  8. Noch zwei Hotspots?
    – Spital: Manches, was nicht geheilt werden kann, stirbt dort dann halt.
    – eigenes Bett: Entweder nachts plötzlich oder weil man schon vorher längere Zeit bettlägerig war.

    Wenn man mal rechnet, wie viele Drämmlis da jeweils in die Fussgängertraube hineinfahren müssen, passiert da eigentlich erstaunlich wenig.
    Wenn da Laien vorne im Drämmli sässen, sähe die Unfallstatistik wesentlich anders aus. Wer da nur schon morgens so noch leicht halbschlafend ins eigene Auto steigt…. die morgendlichen Unfälle künden davon.

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