Wohnungsnot in Basel nur minim gelindert

In Basel ist in den letzten zwölf Monaten das Angebot an neuen Wohnungen stärker angestiegen als die Bevölkerungszahl. Damit konnte die Wohnungsnot etwas gelindert werden. Deutlich angestiegen sind die Mieten.

In Basel eine Wohnung zu finden, ist einfacher als auch schon – zumindest mit dickem Portemonnaie. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Bevölkerung des Kantons Basel-Stadt wächst wieder an. Und das so schnell, dass es auf dem Wohnungsmarkt zu argen Engpässen gekommen ist. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Situation aber leicht entspannt, wie das Statistische Amt mitteilt. Konkret ist der Anteil leerer Wohnungen am gesamten Wohnungsbestand von 0,4 auf 0,5 Prozent minim angestiegen.

Das Ganze hier nun noch in absoluten Zahlen:

Die Bevölkerungszahl hat seit der letzten Leerstandserhebung vor einem Jahr um rund 600 Personen zugenommen. Während der selben Zeit gelangten 330 neue Wohnungen auf den Markt. Geht man davon aus, dass eine Wohnung im Schnitt von zwei Personen bewohnt wird, schliessen die Statistiker daraus, dass sich der Wohnungsmarkt erholen konnte.

Schön gefärbt

Von Entspannung auf dem Wohnungsmarkt könne nicht die Rede sein, heisst es indes von Seiten des Mieterinnen- und Mieterverbands: «Mit 0,5 Prozent Leerstandsquote herrscht Wohnungsnot, wie schon seit Jahren», schreibt der Verband in einer Reaktion auf die statistischen Angaben. Die Regierung versuche mit dieser Statistik, den Wohnungsmarkt schön zu färben.
Der Mieterinnen- und Mieterverband äussert sich überdies kritisch zur Mietpreisentwicklung. So sind die Mieten in Basel im letzten Jahr um 1,5 Prozent angestiegen. Dies obschon die allgemeine Teuerung nur 0,4 Prozent betrug und zudem der erneut gesunkene Hypo-Referenzzinssatz eigentlich zu einer Senkung der Mieten um 2,91 Prozent berechtigen würde.

Entspannung auch in Baselland

Auch im Kanton Basel-Landschaft hat die Leerstandsquote von 0,5 auf 0,6 Prozent leicht zugenommen.

Konversation

  1. @ Fritz Weber.

    Zum erneuten Mietzins-Anstieg: Die 1,5% beruhen auf den bestehenden Mietverhältnissen (nicht auf Leerständen). Selbst die Genossenschaftsmietzinse sind darin eingeschlossen. Es handelt sich um vierteljährlich erhobene, gewichtete Stichproben. Bitte beim Statistischen Amt nachlesen.

    Zum Anspruch auf 2,91 Prozent weniger Miete: Hier werden ausführlich sämtliche Vermietertricks aufgelistet. Die Mietpartei muss sie sich i.d.R. aber rechtlich nicht gefallen lassen. Insbesondere nicht die vermieterseitig beliebte fiktive „Kostensteigerungspauschale“. Bitte beim Bundesamt für Wohnungswesen nachlesen.

    Beat Leuthardt, Leiter Rechtsabteilung Basler Mieterinnen- und Mieterverband (MV Basel 1891)

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    1. @Beat Leuthardt: interessant, können Sie mir gleich den Link für diese 1.5% Erhöhung der bestehenden Mietzinse geben? Ich konnte dies so nicht finden.
      Und von „Vermietertricks“ zu besprechen ist entlarfend! Sind diese „Tricks“ doch gebräuchliches Recht sowohl vor den Gerichten wie auch bei den Schlichtungsbehörden. Bitte auf der Ihrer eigenen Homepage nachlesen.
      Das einzige was rechtlich nicht standhält ist die Verwendung einer Pauschale zur Berechnung der allgemeinen Kostensteigerung. Kann der Vermieter diese Kostensteigerung allerdings belegen ist auch dies zulässig. Da dieses Belegen extrem aufwendig ist lassen die Schlichtungsbehörde die Pauschale zu! Bitte auf der Ihrer eigenen Homepage nachlesen.
      Es sind eben keine „Tricks“ sondern es ist das Recht des Vermieters und Eigentümers oder wie es eben auf Ihrer eigenen Homepage heisst: „Der Vermieter darf den Mietzins erhöhen, wenn die Teuerung steigt, der Referenzzinssatz angehoben worden ist, die Unterhalts- und Betriebskosten tatsächlich angestiegen sind (Allgemeine Kostensteigerung) oder grössere Umbauten oder Renovationen gemacht worden sind.“

      Tut mir leid, aber was der Mieterverband, und insbesondere der Basel-Städtische, seit Jahren macht ist das Führen eines ideologischen Krieges gegen alle Vermieter. Das geht weit über sich für die Belange von Mietern einsetzen hinaus und führt in keiner Weise zu einem konstruktiven Dialog.

      Ich bin ja übrigens gespannt wie dann gejammert wird wenn dereinst der Referenzzinssatz wieder ansteigen sollte 😉
      Wetten Sie plädieren dann wieder für einen Systemwechsel? Wie ist das: Anstieg um 0.25% Referenzzinssatz: Erhöhung der Miete um 3% Miete? Steigt der Referenzzinssatz von Heute um 0.75% bedeutet dies wohl ein Anstieg der Miete um fast 10% wenn man Teurung und allg. Kostensteiegung einrechnet.

      Dr. Fritz Weber, Gott sei Dank kein Jurist, einfacher Mieter, Vermieter und Arbeitnehmer.

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  2. Es gab aber seit der letzten Erhebung auch Kinder die flügge wurden und ausgezogen sind sowie Trennungen/Scheidungen wo plötzlich 2 Haushalte benötigt werden. Die Zahl von 330 Wohnungen auf 600 Personen ist also eine ganz grosse Hypothese.
    Freie Wohnungen gibt es durchaus, nur sind das teilweise seit Wochen/Monaten und gar Jahren dieselben die angeboten werden. Beim Ex-Kinderspital hat es ja auch noch eine 4 1/2 Zimmer Wohnung für etwas über 8000 CHF frei, im Geleert gibt es Häuser zur Miete für 12-14’000 CHF, am Luzernerring separate Zimmer für 250 CHF nur mit Brünneli.

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  3. Wenn man Basel mal mit Freiburg i. Pr. vergleicht, muss man sich als Basler dafür schämen, wie wenig die Stadt an Wohnungen anbietet, die Sozialhilfe-und IV/EL-Empfänger wirklich beziehen können (Fr. 700 resp. Fr. 1000). Laut verlässlichen Quellen ist dies in Freiburg, eine mit Basel vergleichbare Stadt, viel besser. Ich verstehe nicht, warum dies nicht mehr Priorität bekommt. Gut wohnen ist für unsere Seele 100x wichtiger als ein Antidepressivum kann ich als erfahrener Psychiater feststellen!

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    1. Es gibt ziemlich klare rechtliche Schranken was rechtens ist und was nicht… Brutto- und Nettorenditen.
      Wenn Frau Herzog die Liegenschaften höher bewertet bedeutet das höhere Eigenmietwerte, aber auch höhere zulässige Mieten.

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    2. @Marsson: da haben Sie allerdings Recht. Ich finde die Sozialhilfeansätze auch zu niedrig. Jene Fälle die ich persönlich kenne haben wirklich daran zu beissen. Rechtens sind sie wohl schon, aber ausreichend nicht. Nur das Teure bei einer Wohnung ist ja auch immer Küche und Bad und nicht das einzelne Zimmer. Deshalb sind 1 Zimmer Wohnung im Vergleich zu 2 Zimmer Wohnungen auch häufig vergleichsweise teuer. Studenten behelfen sich da bekannterweise mit Wohngemeinschaften, welche auch eine tolle soziale Komponente aufweisen.

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    3. Partnerschaften und/oder Verheiratete leben ja auch in sowas wie einer Wohngemeinschaft und können sich somit Kosten teilen.
      Vielleicht sollte diese Form des Zuammenwohnens in Zukunft mehr gefördert werden.
      Die Frage ist nur ob wir unsere Selbstständigkeit gewillt sind zu teilen.
      Vor allem auch für ältere Generationen würde dies such eine positive Sozialkomponente mit sich bringen.

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  4. Die Aussagen des Mieterverbandes sind leider irreführend. „… zu einer Senkung der Mieten um 2,91 Prozent berechtigen würde.“ Dies ist so natürlich nicht richtig: Der gesunkene Referenzzinssatz berechtigt nur zu einer Senkung von 2.91% bei bestehenden Mieten. Auf Neumieten hat er nicht direkt einen Einfluss. Auch bei bestehenden Mieten kommen noch andere Faktoren wie allg. Kostensteigerung und der Landesindex in Bezug auf die letzte Mietzinsanpassung hinzu! Ferner können noch Mietzinsreserven und/oder wertmehrende Investitionen seitens des Vermieters geltend gemacht werden. Ob eine Senkung oder gar eine Erhöung der Miete folgt muss jeweils im einzelnen Fall angeschaut werden.
    Zudem wird die Steigerung der Mieten in Basel, soweit mit bekannt, nicht anhand existierender Mietverträge bestimmt (was derzeit auch kaum möglich ist) sondern nur anhand der frei auf dem Markt verfügbaren Mietobjekte. Was offensichtlich zu einem absoluten Zerrbild führt. In anderen Worten: nicht die Mieten sind in Basel um 1.5% gestiegen sondern bloss die durchschnittliche Miete der freien Wohnungen auf dem Markt. Ob der durchschnittliche Wert der Mieten (Neumieten und bestehende) tatsächlich gestiegen oder gar gesunken ist lässt sich derzeit nicht eruieren.
    Es wäre schön wenn der Mieterverband nicht mit solchen Halbwahrheiten operieren würde.

    Zudem zeigen die Zahlen eindrücklich, dass bei einer Zuwanderung von 600 Personen und einer durchschnittlichen Belegung von 2 Pers./Wohnung quasi die gesammten neuen Wohnungen bereits wieder belegt sind. Eine wirliche Entspannung der Wohnungssituation in Basel könnte nur durch eine massive Zubau an neuen Wohnungen oder einer drastischen Reduktion der Zuwanderung erreicht werden. Beides ist wenig realistisch.

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